Servus Tina,
eine gute Einführung ist Dietrich Woessner, „Das Schneiden der Rosen“, bei Ulmer (ein Broschürchen mit 125 Seiten, kostet sicher nicht viel). Da sind die Grundregeln viel besser beschrieben, als ich es könnte, zumal sowieso eher Obst meine Baustelle ist.
Was und wie geschnitten wird, hängt von den Rosen ab: Bei Einmalblühenden funktioniert es anders als bei Remontierenden, und unter den Einmalblühenden hat es ältere Züchtungen wie die wundervolle (hamburgische) „Königin von Dänemark“, die ein arges Sensibelchen ist und auf zu heftiges Schneiden gern reagiert, indem sie sich zu einem Besen verwächst.
Ob man Rosen durch verkehrtes Schneiden kaputtkriegen kann, kann ich nicht sagen. Vorstellen könnte ich mir das allenfalls, wenn man zu spät im Jahr an den Stöcken herumfuhrwerkt „damit es sauber aussieht“, und sie dadurch zum Bilden vieler Triebe anregt, die im Herbst nicht recht ausgereift und kälteempfindlich sind, so dass der Stock viel Kraft in Nichts investiert.
Wenigstens so wichtig wie der Schnitt ist die Pflege des Wurzelbereichs: Beim Pflanzen in schwere Böden etwa 60 cm auskoffern und mit viel organischer Substanz versorgen. Später jährlich beim Abhäufeln etwa 30 cm tief den Boden durchlüften (Grabgabel, oder wenn man Gartenspielzeuge mag, zweizinkige Rosengabel). Unmittelbar danach Düngergabe (z.B. getrockneter Stallmist), die auf diese Weise dahin kommt, wo sie hinsoll - von der Oberfläche weg, Rosen sind Tiefwurzler, und nur wenn sie einen tiefen Wurzelstock entwickeln können, blühen sie gern und treiben von der Veredlungsstelle her nach, so dass man keine vergreisten Storren bekommt. Die Entwicklung des Wurzelbereichs wird auch dadurch gefördert, dass man möglichst nicht oberflächlich gießt oder anderweitig bewässert - in die Tiefe, in der Rosen wurzeln sollen, kommt das vergossene Wasser eh nicht oder kaum. Ich war überrascht, wie ich mit den beschriebenen Schritten einigen Stöcken, die ich vergreist und sehr verwachsen - ganze Treppenleiterchen von Absätzen an den viele Jahre alten Trieben - übernommen hatte, bisher ganz ordentlich habe aufhelfen können. Diesen Sommer, nach sechs Jahren, haben sie das erste Mal wieder voll geblüht, nachdem sie peu à peu das alte Holz ablegen durften und - wie mir schien - das Austreiben von unten regelrecht neu lernen mussten.
Wössner (s.o.) hat in den 1930er Jahren die bemerkenswert unterschiedlichen in der Literatur geschilderten Schnittmethoden vergleichend und systematisch untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass ausschließlich einmal jährlicher Schnitt im Frühjahr beim Abhäufeln empfohlen werden kann. Herbstschnitt ist eher was für die Augen des Nachbarn, es sieht halt „sauber“ aus dann…
Schöne Grüße
MM