Wie schnell ist der Geldverkehr

Hallo,

wie schnell werden heute eigentlich Überweisungen ausgeführt von eigener Bank auf ein fremdes Konto ? Innerhalb von 3 Tagen in der Regel oder schneller ?

Beschleunigt Homebanking das Verfahren eigentlich wirklich ?

Nach meinen früheren Erfahrungen wurden Überweisungsträger, die bis 10.00 Uhr eingereicht waren, am gleichen Tage bearbeitet, sonst einen Tag später.

Mich würde „nur mal so“ interessieren, wie das Verfahren im technischen Sinne abläuft.

Also: A gibt seine Überweisung (ich meine hier immer die Papierform) in seiner Filiale morgens um 9.00 Uhr ab. Weiter weiss ich nicht.

Da müssten doch alle Filialen die Überweisungen an die Hauptstelle senden (per Bote ?) oder wird das direkt eingegeben in die Datenverarbeitung (stelle ich mir langweilig vor, muss ja recht kostenintensiv sein), aber wenn ich dann wieder an das Stichwort Klarschriftleser denke kann das ja eher nicht so gehen.

Somit konstruiere ich einfach was: Einlieferung wie geschrieben 9.00 Uhr, Sammlung der Belege in der Zweigstelle um 10.00 h, Überbringen der Belege an die Hauptstelle um 10+X Uhr, Hauptsteölle gibt die Belege ins Rechenzentrum, dort Aufbereitung und Prüfung, dann um Mitternacht oder wann auch immer Datenaustausch elektronisch.

Ist das so richtig ?

Man weiss ja sonst gar nicht, was alles in der Bank abläuft.

Wann erfolgt der Geldversand eigentlich telegrafisch ? Und gibt es bei Überweisungen noch den Eilauftrag, so wie früher ?

Gruss

Andreas

Hallo,

der Ablauf ist bei allen Banken sicherlich etwas anders, aber die Grundstruktur ist dieselbe. Bleiben wir mal bei Deinem Beispiel, die Abgabe eines Beleges am Montag, 9 Uhr am Schalter einer Deutschen Grossbank.

In der Filiale wird mit dem Beleg nicht viel gemacht. Es wird zumindestens flüchtig eine Vollständigkeitskontrolle durchgeführt (alle Felder gefüllt, unterschrieben…) und eventuell die Unterschrift geprüft. Eventuell bedeutet : Bei einigen Banken erfolgt das zentral, weil die Unterschriftsproben als Images vorliegen. Bei den anderen erfolgt das meistens in der Filiale, weil dort die Unterschriftsproben vorliegen. Es wird aber nicht bei jedem Betrag die Unterschrift geprüft, sondern nur ab einem bestimmten Betrag. (Wie hoch die Summe ist, variiert von Bank zu Bank und wird aus verständlichen Gründen geheim gehalten)

Die Filiale packt dann alle Überweisungen (ebenso die Scheckeinreichungen) in eine vorbereitete Tasche. Bei einigen Banken (bzw. auch dort nur bei bestimmten Summen) muss die Filiale den Beleg noch vorher mit einem speziellen Stempel, dem sog. Sicherungsstempel versehen. Im Laufe des Vormittags wird die Tasche dann von einem Boten abgeholt und in die Zentrale der Bank gebracht. (Solche Transporte sieht man öfters, wenn man vormittags in einer Bank ist. Die Post ist meist in silbernen Koffern (Collicos) verpackt und die meisten Leute denken, da ist Geld drin. Ist es aber nicht. Geld wird ausschliesslich mit „Panzerwagen“ befördert, normale Post wird in normalen PkW gefahren).

In der Zentrale angekommen, werden die Belege dann zum Scanning aufbereitet. (Prüfung auf den Stempel, Entfernung aller Klammern, Bildung von Stapeln mit ca. 50 Überweisungen)
Diese Stapel werden dann in einen Hochleistungsscanner gelegt und gescannt - das dauert keine 30 Sekunden. Dahinter steckt dann die sogenannte Recognition Unit, eine Schrifterkennung, die aus dem Beleg erstmal die Buchstaben an den entsprechenden Stellen erkennt und auch z.B. unleserliche Buchstaben „sinnvoll“ ersetzt. Denn „Sinn“ holt sich das System aus einem eingebauten Wörterbuch. Leider verzapft das System auch manchmal Unsinn, wie man manchmal aus verstümmelten Verwendungszwecken erkennt.
Die meisten Banken überlassen die alphanumerischen Felder (wie z.B. Empfängername, Verwendungszweck) nur dem System und kontrollieren das nicht mehr manuell. Die numerischen Felder (Kontonummern, BLZ, und vor allem der Betrag) werden nach einem abgestuften System nochmal von Mitarbeitern kontrolliert. Die sitzen in einem Grossraumbüro, vor sich ein riesiger Bildschirm, im oberen Teil sehen die das Image des Beleges und im unteren Teil haben sie eine Eingabemaske.

Auf diesem Weg werden also auch beleghafte Überweisungen durch die Bank in Datensätze umgewandelt. Die meisten Aufträge bekommen die Banken jedoch schon in Datensätzen, sei es per DFÜ oder auf Datenträger von den Firmenkunden, oder aus dem Homebanking von den Privaten. Aus der Arbeit, die dahintersteckt, ist jetzt vielleicht auch deutlich, warum die Banken die Überweisungen elektronisch haben wollen und das auch preislich subventionieren. Schon seit einigen Jahren müssen die Banken alle Überweisungen als Datensätze weitergeben. Davor bestand die Überweisung aus zwei Teilen und nur der hintere (der rote) Beleg wurde körperlich weitergegeben - das dauerte allerdings auch wesentlich länger, bis der beim Empfänger war.

Nachdem alle Aufträge also in Datensätzen vorliegen muss aber noch geprüft werden, ob der Kunde überhaupt so viel Geld auf dem Konto hat. Dies erfolgt bei den meisten Banken mittlerweile elektronisch, zu diesem Zeitpunkt. (Bei kleineren Banken passiert das noch in der Filiale manuell) Diese sogenannte maschinelle Disposition kennt den genauen Kontostand, das Limit und sogar die ganz aktuellen, untertägigen Belastungen und Gutschriften. Wenn für eine Überweisung nicht genügend Geld da ist, oder das Konto gesperrt ist, bekommt der Kundenbetreuer in der Filiale das elektronisch zur Entscheidung vorgelegt.

Hat die Überweisung dann alle Hürden überwunden, wird sie dem Auftraggeber belastet und in den sogenannten DTA-Pool gestellt. Ab hier beginnt dann der Austausch mit den Empfängerbanken. Mit einigen Empfängerbanken (z.B. den Grossbanken) haben viele Kreditinstitute einen direkten Datenaustausch, ebenso mit den Spitzeninstituten der Sparkassen und Volksbanken. Wenn die Bank des Auftraggebers einen direkten Austausch mit der Bank des Empfängers hat, hat dieser die Gutschrift spätestens am nächsten Tag. Alle Überweisungen von einer Bank zur anderen (und zurück) werden übrigens täglich saldiert und über die LZB verrechnet. Die LZB kommt auch ins Spiel, wenn die Bank des Auftraggebers keine direkte Austauschverbindung mit der Bank des Empfängers hat. Dann geht das über das Netz der LZB.

Zurück zu der Frage, ob nun Homebanking schneller geht als eine papierhafte Überweisung. Die Antwort lautet : in der Regel ja. Wir haben gesehen, dass beim Homebanking die Digitalisierung wegfällt. Wenn die Bank alle beleghaften Überweisungen am gleichen Tag bearbeitet und wenn man die Überweisung rechtzeitig in der Filiale abgibt, sind beide Wege theoretisch gleich schnell. Es gibt aber Banken, die lassen die Überweisungen von Privatkunden unter einem bestimmten Betrag einen Tag liegen, um ihre Maschinenkapazitäten damit besser auszulasten. Es gibt auch Banken, bei denen erfolgt die Belegabholung in den Filialen schon recht früh. Es kommt auch schon vor, dass Überweisungen nicht bearbeitet werden können, weil der Kurier im Stau steckte oder weil die Maschinen ein Problem hatten. In all diesen Fällen ist man mit Homebanking schneller. Es ist kaum ein Fall denkbar, wo das länger als 3 Bankarbeitstage dauert.

„Telegrafisch“ im Wortsinn wird nichts mehr gemacht, also mit Telex oder so. Es gibt weiterhin Eilzahlungen (die viel Geld kosten) aber mit einem bestimmten Service verbunden sind.
Hier hat jede Filiale der Bank eine Möglichkeit, die Überweisung selbst in ein bestimmtes System einzugeben. Wenn dies bis 14 Uhr erledigt ist, geht das noch am gleichten Tag zur LZB. Die LZB gibt wiederum am gleichten Tag der Empfängerbank ein sogenanntes Avis (Gutschriftsanzeige). Die Empfängerbank bucht das in der Regel auch noch am gleichen Tag und einige Banken versuchen, den Empfänger auch zusätzlich noch telefonisch oder per Fax zu informieren.
Diese sogenannten Prior1-Zahlungen bezahlen die Banken bei der LZB mit 10 Euro. Weil sie noch zusätzlichen Aufwand hat, schlägt die Bank des Auftraggebers meist nochmal dieselbe Summe drauf.

Gruss Hans-Jürgen
***

Wie lange darf?..
… die Überweisung maximal dauern?

Gibt es (analoge) Regelungen, wieviele (Arbeits)tage es dauern darf, bis ein (Inlands)scheck spätestens gutgeschrieben sein muß?

Gruß vom Wolf

Davor bestand die Überweisung aus zwei Teilen und
nur der hintere (der rote) Beleg wurde körperlich
weitergegeben - das dauerte allerdings auch wesentlich länger,
bis der beim Empfänger war.

Wenn die Bank des Auftraggebers
einen direkten Austausch mit der Bank des Empfängers hat, hat
dieser die Gutschrift spätestens am nächsten Tag. Alle
Überweisungen von einer Bank zur anderen (und zurück) werden
übrigens täglich saldiert und über die LZB verrechnet. Die LZB
kommt auch ins Spiel, wenn die Bank des Auftraggebers keine
direkte Austauschverbindung mit der Bank des Empfängers hat.
Dann geht das über das Netz der LZB.

Hi,

zur Überweisung hier ein passender Link :

http://www.zahlungsverkehrsfragen.de/uebwg_inland.html

Für Scheckeinreichungen gibt es kene Regelung, aber Du kannst allgemein erwarten, dass die Buchung spätestens am Tag nach der Einreichung erfolgt. Für Privatkunden gibt es darüberhinaus noch ein BGH-Urteil, das festlegt, dass die Valuta nur plus 1 Tag Arbeitstag lauten darf.
Wichtig : Die Gutschrift erfolgt unter Vorbehalt; erst nach 5 Arbeitstagen kannst Du sicher sein, dass der Scheck nicht geplatzt ist.

Gruss Hans-Jürgen
***

Hallo,

erstmal ganz herzlichen Dank für die Antworten. Erstaunlich, wie viel Arbeit hinter einem für uns alltäglichen Vorgang steckt.

Noch eine Frage zum V-Scheck. Wenn - wie ober geschrieben- erst nach 5 Tagen Sicherheit gegeben ist, ist da nicht ein Risiko bei der Bank ? Ich meine, wenn ich einen Scheck einreiche und am nächsten Tag über das darus resultierende Guthaben verfüge ?
Na ja, nur eine theoretische Bemerkung, denn zurückzahlen muss ja ich als Kunde.

Danke nochmals,

Gruss

Andreas

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Hallo,

Du hast damit vollkommen Recht; die Gutschrift E.v. (Eingang vorbehalten) ist „nach Lehrbuch“ eine Kreditgewährung. Es gab mal Betrüger, die haben eben diese Masche geritten, indem sie einen Scheck eingereicht haben, der von einem eigenen Konto bei einer anderen Bank ausgestellt war. Den haben sie dann gesperrt, das neue Konto schnell abgeräumt und weg. Da sind die Banken sensibler geworden. Man sieht zusätzlich zu den Kontosalden auch das sogenannte Scheckobligo, also den schon gutgeschriebenen Betrag, der theoretisch noch „platzen“ kann. Neukunden lässt man daraus nicht verfügen.

Man kann (das kommt in der Praxis aber sehr selten vor) auch einen Scheck zum Inkasso hereinnehmen. Dann bekommt der Einreicher die Gutschrift erst, wenn eine Bezahltmeldekarte von der Ausstellerbank zurückkommt. Dafür werden dann auch richtig Gebühren genommen, das nennt man auch „Abwehrkonditionen“.

Gruss Hans-Jürgen