Wie schreibe ich Wörter mit 'zu' richtig?

Guten Tag,

wie schreibe ich Wörter mit „zu“ richtig? (zubringen, zufahren, zu sein, …)

Beispiel:

Ich kann ihn nicht überreden, den Tee zutrinken.

Ich bitte ihn, dies zulassen.

Er schien am Nachmittag zuschlafen.

Ich schreibe es so, wie in meinen Beispielen. Einige Leute schreiben es aber getrennt, also z. B. zu schlafen. Ist dies seit der neuen Rechtschreibung egal?

Es gab diese Frage schon einmal im Jahr 2005. Leider kann ich darauf nicht mehr antworten.

Gruß

Hallo!

Ich kann ihn nicht überreden, den Tee zutrinken.

Ich bitte ihn, dies zulassen.

Er schien am Nachmittag zuschlafen.

Ich schreibe es so, wie in meinen Beispielen.

Und damit falsch.

Einige Leute

Nein, eigentlich die meisten. .-)

schreiben es aber getrennt, also z. B. zu schlafen.

So ist es - zumindest in deinen Beispielen - richtig.

Ist dies
seit der neuen Rechtschreibung egal?

Nein, die Zusammenschreibung war auch schon vorher falsch.

Gruß,
Max

Hallo Max,

danke für die schnelle Antwort. In Zukunft schreibe ich es dann am besten auch so. Auf Duden Korrektor sollte ich mich dann vielleicht nicht immer verlassen. :smile:

Gruß

Hallo,

wie schreibe ich Wörter mit „zu“ richtig? (zubringen,
zufahren, zu sein, …)

Zusammenschreibung beim Infinitiv mit „zu“ gilt nur für trennbare Verben, die auch in der einfachen Grundform zusammengeschrieben werden.
Trennbare Verben haben jeweils ein Präfix (z. B. ab-, los-, weg- …), das in finiten Verbformen abgetrennt wird:

ab lenken: Lenk ihn nicht ab. - Hör auf, ihn abzulenken.
weg gehen: Sie gingen schnell weg. - Er beschloss, erst einmal wegzugehen.

Siehe auch http://www.duden.de/deutsche_sprache/sprachberatung/…
http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Inflecti…
.

Ich kann ihn nicht überreden, den Tee zutrinken.

(Tee) trinken ist kein trennbares Verb, also: … Tee zu trinken.
Vgl. aber zu trinken: Er hob das Glas, um den Gästen zuzutrinken.
.

Ich bitte ihn, dies zulassen.

(Etwas bleiben, unter-) lassen ist kein trennbares Verb, also: … dies zu lassen.
Vgl. aber: zu lassen (erlauben): Es ist ihr nicht möglich, Nähe zuzulassen.
.

Er schien am Nachmittag zuschlafen.

Schlafen ist kein trennbares Verb, also: Er schien zu schlafen.
Vgl. aber: aus schlafen (trennbar): Er schien auszuschlafen.

Ein Korrekturprogramm kann Dir dabei nicht helfen, da es nur orthographische, aber keine grammatikalischen Fehler erkennt.

Gruß
Kreszenz

Hallo Sorgenlos,

ich kann Kreszenz’ Beitrag wie so oft nur ergänzen:
Die „sicherste“ Faustregel (weil sie in den meisten Zweifelsfällen weiterhilft) ist das Betonungskriterium. Dies besagt, dass ganze Wörter im Deutschen auf der ersten Silbe betont werden, während Wortgruppen normalerweise das letzte Glied betonen.*
Demzufolge lese ich einerseits: „Ich kann dir nicht zútrinken oder mit dir anstoßen, weil ich noch keinen Sekt bekommen habe“, und andererseits „Ich kann dir nicht zu trínken oder zu éssen geben, weil ich selbst nichts habe.“
Wenn das jetzt einer falsch schreibt, dann stolpere ich beim Lesen erst einmal: „Ich kann dir nicht zútrinken oder zu essen geben …“ - was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? „Ich kann dir nicht zu trínken oder mit dir anstoßen …“ - da finde ich gar keinen Sinn.

Ich erwähnte in ähnlichem Zusammenhang schon einmal einen Aushang bei uns an der Uni: „Diese Tür ist frei zuhalten.“ Ich fühle mich also frei, diese Tür zuzuhalten, denn da steht „frei zúhalten“ (wie „frei parken“ beim Monopoly).
Stünde da: „Diese Tür ist frei zu halten“, wäre das auch nicht besser, denn dann soll ich die Tür halten („frei zu hálten“) - wie ich dies frei tue (ich kann vielleicht frei schwimmen oder frei vortragen, aber frei eine Tür halten?), das weiß ich auch nicht.
Natürlich wäre die Tür „fréizuhalten“.

Liebe Grüße
Immo

* Wie gesagt, das hilft wirklich nur in Zweifelsfällen. Die Wörter „verraten“ oder „überfahren“ werden nicht vorn betont, aber da würdest Du ja auch nicht ernsthaft auf die Idee kommen, „ver raten“ oder „über fahren“ zu schreiben, oder?

Hallo,

ich danke euch für die Antworten. Hätte ich mich nur schon früher schlau gemacht. Ich habe es bis heute immer falsch geschrieben, da ich mir sicher war, Duden Korrektor wird es schon wissen. :smile:
Naja, jetzt weiß ich es dank euch besser.

Gruß

Hallo Kreszenz

Das war ja wieder virtuos, Kompliment!

Vgl. aber: aus schlafen (trennbar): Er schien
auszuschlafen.

Wir hatten ja kürzlich erst Komposita wie „Klavierspielen, Teetrinken“ etc.
Geht dann nicht folgerichtig auch:

Ich habe echt Bock, jetzt teezutrinken?
…heimzugehen.
…klavierzuspielen?

Oder bleibt es bei „Tee zu trinken“, Kompositum hin oder her?

lg
Martin B

Hallo!

Wir hatten ja kürzlich erst Komposita wie „Klavierspielen,
Teetrinken“

Die Existenz eines Substantives „Klavierspielen“ setzt nicht die Existenz eines Verbes „klavierspielen“ voraus - man kann es problemlos als Zusammensetzung aus „Klavier“ (Subst.) und „Spielen“ (Subst. Inf.) erklären.

Oder bleibt es bei „Tee zu trinken“, Kompositum hin oder her?

Umgekehrt wird ein Schuh draus - das „Hin oder Her“ ist im Prinzip die entscheidende Frage: Nur, wenn es ein Verbkomposaitum „klavierspielen“ gibt, ist eine Konstruktion wie „Ich habe Lust, mit Dir klavierzuspielen“ denkbar. „Klavier zu spielen“ ist und bleibt kein Kompositum, sondern eine syntaktische Fügung.

Gruß,
Max

Hallo, Martin,

Das war ja wieder virtuos, Kompliment!

danke :wink:

Vgl. aber: aus schlafen (trennbar): Er schien
auszuschlafen.

Wir hatten ja kürzlich erst Komposita wie „Klavierspielen,
Teetrinken“ etc.
Geht dann nicht folgerichtig auch:

Ich habe echt Bock, jetzt teezutrinken?

Nein - siehe unten c)

…heimzugehen.

Ja - siehe unten b)

…klavierzuspielen?

Nein- siehe unten c)
.

Im Gegensatz zu obigem Beispiel (auszuschlafen) geht es in Deinen Fällen ja um Substantive als Verbzusatz.

Ich versuch mal zusammenzufassen, was im Duden Richtiges und gutes Deutsch - Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle dazu erklärt wird:

Es ist zu unterscheiden zwischen

a) festen Zusammensetzungen (Komposita) → Zusammenschreibung,
b) unfesten Zusammensetzungen → Zusammenschreibung; bei Nachstellung Verbzusatz klein,
c) getrennt geschriebenen syntaktischen Fügungen.

Bei a) können die Erstglieder keine selbstständigen Satzglieder mehr sein, Beispiele: maßregeln, wetterleuchten, weitere auf http://www.canoo.net/services/GermanSpelling/Amtlich…

In b) unfesten Zusammensetzungen ist der Verbzusatz ein Substantiv, das nicht mehr oder nicht mehr in der gleichen Verwendung vorkommt, z. B. teilnehmen - nimmt teil, heimgehen, kopfstehen; siehe auch http://www.canoo.net/services/GermanSpelling/Regeln/…

Bei „Tee trinken“ und „Klavier spielen“ handelt es sich um c) syntaktische Fügungen, in denen dem Substantiv eine eigenständige Rolle im Satz zukommt, etwa als Bezeichnung des Instruments, mit dessen Hilfe eine Handlung ausgeführt wird. Siehe auch http://www.canoo.net/services/GermanSpelling/Regeln/…

Gruß
Kreszenz

Hallo,
Mir würde die Erklärung nicht ausreichen. Denn man kann aus ihr nicht ableiten, welche Wörter ein Kompositum bilden und welche nicht. „Staubsaugen“ und „fahrradfahren“ scheinen welche zu sein, nicht aber „Tee trinken“. Jetzt müsstest du zu erklären versuchen, warum das so ist.

Gruß,

  • André

Ah, Nachtrag!
…ah, ich sehe, Kreszentia hat das schon gemacht.

  • André

Hallo André!

Jetzt müsstest du zu
erklären versuchen, warum das so ist.

Ja, müsste ich. :smile: Meine Antworten fallen zur Zeit immer etwas rudimentär aus, weil mir die Muße zum langen Argumentieren fehlt. :smile: Dabei würde es auch zu den Threads weiter oben (nicht/kein) und unten (wasserführend) noch interessantes zu sagen geben … :-/ …

Liebe Grüße,
Max

Hallo Kreszenz

Vielen Dank für Deine Mühe, auch an die anderen Experten/innen. Intuitiv hätte ich ohnedies „Tee zu trinken“ geschrieben, ich wollte es bloss mal genauer wissen. Die drei Fälle sind halt nicht gerade leicht zu unterscheiden, ich muss das noch ein wenig verinnerlichen.

Bei „Tee trinken“ und „Klavier spielen“ handelt es sich um c)
syntaktische Fügungen, in denen dem Substantiv eine
eigenständige Rolle im Satz zukommt, etwa als Bezeichnung des
Instruments, mit dessen Hilfe eine Handlung ausgeführt
wird.
Siehe auch
http://www.canoo.net/services/GermanSpelling/Regeln/…

Wäre dann hingegen einwandfrei (laut dem letzten Verweis):

„Wir treffen uns wöchentlich zum Teetrinken.“
„Das Klavierspielen macht mir mehr Freude.“

…weil es einen Artikel davor hat, und weil es keine Nennformgruppe ist?

lG
Martin B