ein paar ketzerische Anmerkungen:wink:)
Hallo Carlos,
nur eine kurze Entgegnung ohne Bibelstellenverweise, vielleicht komme ich am Wochenende zu mehr:smile:(bin schon im Büro)…
Ich glaube, der Hauptunterschied in unseren Auffassungen und damit auch im Umgang mit den Inhalten der Bibel kommt (auch) dadurch zustande, dass die Bibel für mich zwar Gottes Wort enthält, aber von Menschen geschrieben wurde.
Die Bibel ist für mich ein Buch des Glaubens, ein Buch, das zeigt, wie Menschen ihre Beziehung zu Gott definiert und gesehen haben. Das zeigt sich m.E. gerade beim genaueren Lesen: es finden sich Doppelungen, Widersprüche, selbst theologische Irrtümer. Im NT- das ich besser kenne- musst du nur die 4 Evangelien vergleichen: Es ist einfach Fakt, dass z.B. die Salbungsgeschichten sehr unterschiedlich beschrieben werden (m.e. aus politischen Gründen), dito das Jesuswort zu Scheidung, lies eine Synopse und du siehst, was ich meine, es gibt viele Stellen.
Betrachtet man diese Abschnitte textkritisch, schaut man sich die verschiedeneen Überlieferungen der Papyri an (hast du die schonmal durch die Nestle-Anmerkungen gewurschtelt und nachvollzogen, wie man die Texte nach und nach zusammengestückelt hat aus Schriftstücken, die schon vorher für sonstwas verwendet worden waren??), sieht man einfach, dass die Bibel nicht „perfekt“ Gottes Wort abbildet. Sie ist von Menschen geschrieben und überliefert worden, die auch immer wieder ihre Interssen miteinfließen haben lassen. Viele Textteile waren jahrzehnte und jahrhundertlang verschollen, sie wurden tausenmal kopiert, Fehler schlichen sich ein, müde Kopiesten interpretierten, weil sie nicht alles immer richtig lesen konnte uswusf. (hast du mal die alten Papyri-Fetzen gesehen??? Wundert dich da nochwas???)
Ich will nicht bestreiten, dass ein rationaler und wissenschaftlicher Zugang zur Bibel noch nicht so alt ist wie die Bibel selbst:smile:)…aber er ist auch nicht so neu, wie du es darstellst.
Das ich ein Kind der Neuzeit, des Humanismus, bin will ich gar nicht bestreiten, darüber bin ich sehr froh:smile:)! Dass mein Ansatz der schlechtere und bequemere, gar der unchristlichere ist, bestreite ich.
das komplette Liebesgebot lautet gemäß Markus 12:29-31;
29 Jesus antwortete: "Das erste ist: ,Höre, o Israel:
Jehova, unser Gott, ist e i n Jehova, 30 und du sollst Jehova,
deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner
ganzen Seele und mit deinem ganzen Sinn und mit deiner ganzen
Kraft.’ 31 Das zweite ist dieses: ,Du sollst deinen Nächsten
lieben wie dich selbst.’ Kein anderes Gebot ist größer als
diese."
Nach meinem persönlichen Empfinden wird der erste Teil einfach
zu häufig weggelassen.
Da gebe ich dir durchaus Recht.
Wenn ich diesen Gedanken weiterführe, bedeutet das, dass eine
von mir als schlecht bezeichnete Tat keine solche ist, wenn
derjenige, der diese Tat ausführt kein schlechtes Gewissen hat
und Gott von ganzem Herz liebt.
Die Konsequenz wäre, dass ein religiöser Fanatiker, der einen
Abtreibungsarzt umbringt, bei Gott uneigeschänkt annehmbar
wäre, weil er ja Gott von Herzen liebt.
Nein, das stimmt nicht, denn es gibt das oberste Liebesgebot, du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn er nur das erste Gebot, Gott zu lieben, das du so sehr in unserer Gesellschaft vermisst ,an die höchste Stelle stellt und das zweite vergisst, nämlich auch die Menschen zu lieben, nur dann kann er so fanatisch handeln!!! Ein Mensch, der die Menschen liebt und vielleicht Atheist ist, kann da ein wesentlich gesündere Stütze der Gesellschaft sein.
Nun, das hat ja nun nicht mit Polygamie zu tun, da wirft man
seine Frau ja nicht weg.
Heute schon. Siehe als prominentes Beispiel unsere Poliker,
Schröder, Fischer und Waigel.
Das ist keine Polygamie in der Definition, wie ich sie kenne. btw frage ich mich in so Fällen schon, wieviel Schaden sich ein Mensch selbst zufügt, wenn er so handelt. 4-5 kaputte Beziehungen sagen auch nichts gutes über die diesseitige Lebensqualität des Menschen aus!
Es stellt sich nun die Frage inwieweit deine Lesart durch das
erwähnte Paradigma beinflußt wurde und meine Lesart durch
überholte moralische Vorstellungen. Wie würde eine unbefangene
Person die erwähnten Texte in der Bibel verstehen.
Was verstehst du unter „unbefangen“?
In Mk wehrt sich Jesus aber gänzlich gegen eine Scheidung. Der
matthäische Einschub ist Redaktion.
Hier wurde also deiner Meinung nach gefälscht.
Es war in der Antike völlig üblich, Texte zu "modifizieren:smile:, das ist kein „fälschen“ zudem: siehe oben: viele Kopisten können auch mal irren, das kann man wunderbar sehen, wenn man mehrere fast gleich alte Papyri hat und vergleichen kann (vgl Nestle). Auch für welches Papyrus man sich dann als das authentischere entscheidet ist natürlich zeitbedingt!!!
Der Autor des Mt-Evangelium hatte als Judenchrist eben andere Prioritäten als der Autor des Mk. Evanglium. Das sich der Zusatz um eine Redaktion handelt ist übrigends in der wiss.-theolog. Diskussion nichts neues. Oder besser: Das überhaupt in der Bibel redigiert wurde.
Mensche irrten sich,
Menschen schrieben Dinge in die Bibel, die sie so gerne darin
lesen würden…Und nochmal: Wie gehst du mit so einer Tatsache
um?
Ganz einfach. Ich halte fest an meiner Frau, solange wir
beiden leben.
Ich meinte natürlich, wie du damit umgehst, dass z.B. im NT kräftig redigiert wurde? Ist alles, was hier wissenschaftlich in den letzten Jahrhunderten diskutiert wurde, für dich halt einfach Teil der neuuzeitlichen Ketzerei?
Beste Grüße,
barbara