Hallo Malte!
Das meine ich nicht. Ich meine das „Als CHRIST…“ - das liest
sich, als sei die Fähigkeit zu Demut, die Fähigkeit, Freude
und Liebe zu geben, Christen vorbehalten oder würde ihnen
nativ leichter fallen als anderen.
Vorbehalten nicht. Leichter fallen schon. Aber auch das ist nicht arrogant gemeint. Eher bin ich dankbar dafür, ich betrachte es als Geschenk, als etwas, in dessen Genuss ich komme, obwohl ich es mir nicht verdient habe.
Ich meine, das,
wovon hier die Rede ist, sind ja nun keine Konzepte oder
Überlegungen, die das Christentum für sich gepachtet hat.
Ja, und? Als Christ habe ich es viel leichter, es umzusetzen,
weil ich Unterstützung bekomme.
Das bestreite ich 
Ich kann meine Behauptung nicht beweisen und Du Deine nicht.
))
(im Übrigen bin
ich der Meinung, daß Freude und Liebe, die nicht aus einem
selbst erwachsen, nicht viel wert sind).
Ja, Malte, ich glaub Dir, dass Du das so siehst.
Was ich meine, kann nur einer verstehen, der das selbst erlebt
hat. 
Naja, das ist ein Totschlagargument, das ich Dir genauso gut
zurückgeben kann.
Ich hab auch mal ohne Bibel gelebt und kenne daher beide Seiten. Wie willst Du mir dieses Totschlagargument also zurückgeben?
Ich vergleiche das gerne mit Drogenmißbrauch
Das ist ein gutes Stichwort!
Heute ist Sucht eine anerkannte Krankheit.
Früher hat es gewiss Leute gegeben, die gesagt haben: „Hör doch einfach auf!!!“ - Sie konnten den Süchtigen nicht verstehen, weil sie es selbst nicht erlebt hatten.
Ich halte Dir zugute, dass Dir diese Erfahrung einfach fehlt.
(Das macht Dich in meinen Augen nicht besser oder schlechter.
)) )
- es ist sehr leicht, sich mit Hilfe von Substanzen, also
„Hilfe von außen“, Rauscherlebnisse, Extase, Glücksgefühle zu
verschaffen. Pille einwerfen, Line ziehen, fertig. Keine große
Leistung, oder?
Das Beispiel hinkt ein wenig. Gott ist keine Droge, die ich mir reinziehe. So einfach ist es nicht.
Für mich ist es schon eine Leistung, wenn ich mich dazu entschließe, meiner Wut nicht nachzugeben sondern den von Gott empfohlenen Weg zu gehen. Das kostet mich oft genug gehörige Selbstüberwindung. Das Resultat entschädigt mich dann aber für die Mühe.
))
Ich finde jedenfalls, daß solche Erlebnisse immer mit einem
verdammt schalen Beigeschmack einhergehen und nicht
ansatzweise vergleichbar sind mit Zuständen, die man sich
selbst erarbeitet
Für mich haben diese Erlebnisse keinen schalen Beigeschmack. Ich habe sie mir jedesmal wieder hart erarbeitet. Sich selbst zu beherrschen ist oft keine leichte Sache. Wenn man gerade explodieren möchte und dies dann doch nicht tut, weil man eingesehen hat, dass dies die Situation nur noch verschlimmert - dazu gehört schon einiges. Und wenn man darüber hinaus nicht einfach nur eisig schweigt sondern sich überwindet, dem anderen noch mit einem unbefangenen Lächeln zu begegnen, dazu gehört dann noch mehr. Das geht nicht automatisch. Es ist sogar schwer. Aber würde ich mich nicht so innig geliebt fühlen von Gott, schaffte ich es gar nicht (wenn Du mal eine Explosion von mir erlebt hast, wirst Du mir glauben *g*)
Und ich bin jedesmal wieder stolz auf mich, wenn ich es geschafft habe.
Ich möchte jetzt aber ausdrücklich nicht in Abrede stellen, dass jeder andere sich auch selbst beherrschen kann!!! Ich bin sogar sehr froh, dass dies nicht den Christen vorbehalten ist!!! Ich kann nur für mich sprechen, wenn ich sage: Ich würde es, hätte ich nicht diese mentale Unterstützung, meist nicht schaffen.
- dem Rausch, in den man kommt, wenn man
20km läuft, dem Glücksgefühl, wenn man sich erfolgreich
irgendetwas hart erarbeitet hat usw. - ich glaub, Du
verstehst, was ich meine.
Mit Liebe und Freude, die man empfängt und gibt, ist es
ähnlich.
Ja, da pflichte ich Dir bei. Ich bekomme von Gott Liebe und Freude. Es ist ein tolles Gefühl, sich total geliebt zu fühlen. Das gibt Sicherheit und Geborgenheit. Und es macht froh.
Diese Liebe und Freude kann ich dann auch weitergeben.
Es ist trotzdem keine leichte Übung, jemandem die zweite Backe hinzuhalten, glaub mir.
Es klingt vielleicht arrogant, soll es aber nicht: Diese
Lektion hab ich mit ungefähr 15 nach einer Disco gelernt, als
ich mich einem halben dutzend so gar nicht wohlwollender
Jugendlicher gegenüber sah. Ganz ohne Bibel. Ich hab aber auch
gelernt, daß man manchmal erst dann respektiert wird, wenn man
aufrecht und selbstbewusst steht, wenn man deutlich sagt „DAS
dulde ich nicht!“.
Dazu gehört auch eine Portion Mut!!!
Die platte Formel mit der Wange wird der
Realität und ihrer Vielschichtigkeit nicht gerecht.
Ja, natürlich. Das wird man von Situation zu Situation abwägen. Aber als eine von mehreren möglichen Lösungen hat sie durchaus ihre Berechtigung.
Klar, dass in manchen Situationen ein klares mutiges Wort, so wie Du es damals ausgesprochen hast, der bessere Weg ist.
Ich wünschte, ich hätte Deine Courage!
Hanna