Wie sind die Bauern zum Land gekommen

Guten morgen;
Meine gesammte Verwandschaft sind oder waren schon immer Bauern im Allgeu naehe der Oesterreichischen Grenze, also Vieh und im Winter Holzwirtschaft. Mich wundert schon lange wie sind meine vorfahren in grauer vorzeit uhrspruenglich zu den Laendereien gekommen. War da irgendwann neine grosse verteilung und durch wen oder wie ist das zugegangen.

Danke im voraus Eure geschaetzte antwort--------Karl.

Hallo Karl,

da gibt es einen Haufen Möglichkeiten. Wenn man wüßte, wie sich dieses „immer“ in Zahlen ausdrückt, können wir vielleicht was ausschließen. Hast Du eine Ahnung wie lange Deine Vorfahren da schon saßen oder was ist die früheste Zeitangabe, zu der sie das Land schon hatten?

Gruß
Peter B.

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Hallo !

Wie die Bauern zu ihrem Land kamen?

Das kommt ganz auf die Region an, in der sie lebten.

Z.B. in unserer Gegend, früher nur Moor und Sumpf, wurden an Kolonisten große Flächen übergeben, die sie, nach Urbarmachung, behalten durften. Dass dabei viele Kolonisten früh aufgaben und wieder abzogen, ist normal. Das, was sie dann hinterließen, kauften dann oft die Nachbarn, die mehr Ausdauer hatten. Oder wurde ihnen geschenkt.

Wurde ein regionales Adelsgeschlecht in eine Auseinandersetzung mit Nachbarn hineingezogen, so mußten Teile der männlichen Bevölkerung schon mal zum Schwert und Pferd greifen und helfen. Zum Dank, im Falle eines Sieges, bekamen diese dann oft Land zum Lehen. Und behielten dieses dann durch irgendwelche Umstände.

Meistens war die Vergabe von Land also nur eine Sache der Urbarmachung und ein Dank für geleistete Dienste. Wobei nicht mal sicher war, ob der Schenkende überhaupt vorher Eigentümer war. Kirche und Adel waren die größten angeblichen Landbesitzer.

War der Grundbesitz erstmal verteilt, hatte man die Möglichkeit seinen Landbesitz zu vergrößern durch :

Heirat, Erben, Kauf (vor allem von dann verarmendem Adel), Übernahme von verschuldeten Anwesen, weitere Urbarmachung bis ins 20. Jahrhundert hinein.
Oftmals war gar nicht sicher, wem irgendeine Gegend gehörte. Man unterschlug sie einfach. Je mehr Land so ein Großbauer oder Gutsbesitzer hatte, umso größer war seine Macht. Wer wollte schon dagegen anstinken?
Häusler oder Köter besaßen meistens etwas Land, von dem sie lebten. Arbeiteten hauptberuflich für einen Gutshof. Verschuldeten sie sich, flogen sie raus und das Gut übernahm das Land.

Wer von Anfang an viel Land besaß, also Vermögen, hatte es leicht, diesen zu vergrößern. Es hat sich nichts geändert.

mfgConrad

In einem mittelalterlichen ‚Urbar‘ aufgeführt?

Hallo, Karl

Du müsstest schriftliche Quellen suchen, in denen deine Vorfahren genannt sind. Vielleicht sind sie bereis
in einem mittelalterlichen ‚Urbar‘ als ‚Lehensleute‘ aufgeführt, sonst bestimmt in Dokumenten der Neuzeit.

Bestehen bereits genealogische Vorarbeiten?

Solche Quellen findest du im Staatsarchiv deines Bundeslandes.

Gruss
Adam

Guten Morgen,

Meine gesammte Verwandschaft sind oder waren schon immer
Bauern im Allgeu naehe der Oesterreichischen Grenze, also Vieh
und im Winter Holzwirtschaft.

das grenzt die Möglichkeiten wenigstens schon einmal auf Bayern ein.

Mich wundert schon lange wie
sind meine vorfahren in grauer vorzeit uhrspruenglich zu den
Laendereien gekommen.

Das wiederum lässt sich pauschal nicht beantworten. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind sie nicht „in grauer Vorzeit“ zu ihrem Land gekommen, sondern um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ohne nun die exakten örtlichen Verhältnisse zu kennen - am wahrscheinlichsten ist es, dass die Vorfahren das Land als halbfreie Untertanen eines Grundherren oder in Erbpacht bearbeiteten. Wichtige Daten in diesem Zusammenhang: das Gesetz zur Aufhebung der Leibeigenschaft (‚Organisches Edict‘) vom 31.08.1808 und dann die verschiedenen Auflösungsgesetze, die den Eigentumsübergang in Bauernhand regelten; insbesondere das Gesetz zur Aufhebung des Zehnts vom 15.11.1833 (20% der Entschädigung der Grundherren trug das Königreich Bayern, den Rest finanzierten die Bauern über sog. Zehntschuldentilgungskassen mit jährlichen Raten) sowie das Ablösungsgesetz vom 04.06.1848, das die verbliebenen feudalen Lasten abschaffte - was auch hier wieder eine erhebliche Belastung der Bauern bedeutete, es fiel als Ablösungssumme das 18- bis 20-fache der abzulösenden Jahresleistung an.

Ob Deine Vorfahren davon nicht betroffen, sondern seit jeher freie Bauern waren (eher unwahrscheinlich) wirst Du nur durch spezielles Nachforschen klären können - eine äußerst zeitaufwendige Angelegenheit. Das ist etwas für Rentner, die ihren Ruhestand in Archiven mit der Lektüre von Amtsbüchern verbringen möchten, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Aktenkunde

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Karl,

wieviele Generationen bzw. Jahrhunderte in die Vergangenheit hat denn deine Familie das Land dort in Besitz? Immer durchgehend?

An sich ist es so, dass es im Laufe der Geschichte immer wieder Änderungen von Besitzverhältnissen gegeben hat: Seuchen, Kriege usw. haben ganze Dörfer entvölkert, die dann wieder von anderen in Besitz genommen wurden. Einwanderer und Flüchtlinge, etwa die Hugenotten, Exulanten oder Waldenser bekamen von der Obrigkeit Land zugewiesen.

Die letze große Änderung war natürlich die nach dem zweiten Weltkrieg, als Millionen Bauern im Osten vertrieben worden waren und in der Bundesrepublik irgendwie angesiedelt werden mussten.

Aber „in grauer Vorzeit“, darunter würde ich in Deutschland/Germanien die „Vor-Römerzeit“ verstehen, also die Jahrhunderte bis kurz vor Christi Geburt, wird es wohl so gewesen sein, dass demjenigen das Land gehörte, der es als erster urbar gemacht hatte, und dort siedelte - es sei denn, er wurde gewaltsam vertrieben. Sprich: Bevor es Besitzurkunden und Vertragsverhältnisse gab, galt die „normative Kraft des Faktischen“.

Deshalb siedelte man i.d.R. auch nicht als Einzelfamilie, sondern im Sippen-, bzw. Stammesverband - so wie später die Farmer und Rancher im Wilden Westen.

Gruß Jasper.

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Hallo Gemeinde;
Danke fuer die antworten. Richtige nachforschungen hat meines wissens noch niemand betrieben ausser die ueblichen im dritten Reich um die Heiratsgenehmigung zu bekommen.
Mit sicherheit weiss ich dass mein Uhrgrossvater geb. ende 1700 schon Bauer war und die selben Wiesen und Waelder bearbeitete wie nach wie vor in der Familie. Wie kann ich hier von Canada aus mehr rausfinden. Wiederum danke im voraus und schoenes Wochenende-------Karl.

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