Wie soll ich mich verhalten? - Fortsetzung 2

Hallo Leute,

nochmal eine ganz kurze Schilderung. Ihr könnt euch sicher noch erinnern.

Was jetzt passiert, macht mir ällmählich Angst.

Wie ihr wisst - und zum Teil mir auch geraten habt - wird das Problem im Moment „totgeschwiegen“, bzw. nicht angepackt.

Gestern nun meinte mein Sohn :„XY (der verstorbene Freund) MACHT das so“. „Der LÄSST die Reifen quietschen beim Anfahren“.

Nicht „…machtE das so“, „…LIEß die Reifen quietschen“. (früher, als er noch lebte)

Erschreckend. Oder seht ihr das anders?

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass mein Sohn ansonsten selbstbewusst MITTEN IM LEBEN steht. Er ist das meiner Kinder, der am gradlinigsten seinen Weg geht, weiß was er will und dies auch durchsetzt. Und dann plötzlich dieses „Abdriften“ ins Unrealistische.

Ich war mit offenem Mund staunend vor ihm gesessen und wusste echt nicht, was ich sagen soll.

Ich denke, ihr wisst was ich meine.
Gruß
S.

hallo susanne,

bewerte das mal nicht zu sehr über. laß ihm doch zeit. wer drängt ihn denn?
mir fällt noch heute gelegentlich ein, daß ich meine mutter mal wieder anrufen könnte. (sie ist seit 8 jahren tot.)
und als mein mann starb, habe ich noch mindestens 1 jahr lang so eingekauft, als wäre er da. nicht bewußt, es war einfach so.

kümmere dich lieber mal um dich.
gruß
ann

Trauerarbeit
Hi Susanne,

nochmal eine ganz kurze Schilderung. Ihr könnt euch sicher noch erinnern.

Zur Unterstützung der Erinnerung wäre es ganz günstig, wenn du den Link gleich mit dazusetzt. Ich hol das mal nach:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Jedenfalls ist es sehr freundlich von dir, nochmal Feedback zu geben.

Wie ihr wisst - und zum Teil mir auch geraten habt - wird das
Problem im Moment „totgeschwiegen“, bzw. nicht angepackt.

Ich weiß nicht, wer dir einen derartigen absoluten Unsinn geraten hat: Totschweigen ist das schlimmste Gift in jeder Familienkommunikation. Es ist Sprengstoff und der Garant dafür, daß sich (zumindest kommunikative) Katastrophen entwickeln.

Vielleicht erinnerst du dich, was ich dir vor vier Wochen riet. Spekulationen über das, was im Gefühlsleben eines anderen Familienmitglieds vor sich geht, ohne daß Fragen gestellt werden, erzeugen genau das, was du jetzt für dich andeutest: Es macht völlig unnötig Sorgen und sogar Ängste. Und derjenige, der nicht von sich aus spricht, wird (womöglich zurecht wegen der Spekulationen) in seinem Verhalten bestärkt.

Gestern nun meinte mein Sohn :„XY (der verstorbene Freund)
MACHT das so“. „Der LÄSST die Reifen quietschen beim
Anfahren“.

Nicht „…machtE das so“, „…LIEß die Reifen quietschen“.
(früher, als er noch lebte)

Erschreckend.

Nein.

Oder seht ihr das anders?

Ja.

Offenbar ist niemand in der Familie, der bezüglich des sehr intensiven Verhältnisses zwischen deinem Sohn und dem Toten vertrauensvoller Gesprächspartner war und ist. Und wahrscheinlich außerhalb eurer Familie erst recht nicht. Auch der faux pas seines Bruders damals war ja schon ein Zeichen dafür, daß niemand sich der Besonderheit dieser Beziehung bewußt war. So muß er in einer Atmosphäte völligen Unverständnisses die Trauer ganz alleine ohne emotionale Stütze tragen.

Das ist gerade mal 4 Wochen her und es ist nicht ungewöhnlich, daß der Trauernde den Toten für sich in der Gegenwart behält: Er ist noch nicht bereit, ihn der Vergangenheit zu übergeben. Normalerweise ist das Begräbnis bzw. das Totenritual dafür der entscheidende Schritt - aber bei dem war er alleine und mußte seine besondere Trauer verschweigen.

Ich riet dir damals, ihn nach der Bedeutung dieses „väterlichen Freundes“ zu fragen. Sollte heißen, deine Bereitschaft zu zeigen, vertrauliche An- und Aussprechpartnerin zu sein.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass mein Sohn ansonsten
selbstbewusst MITTEN IM LEBEN steht. Er ist das meiner Kinder,
der am gradlinigsten seinen Weg geht, weiß was er will und
dies auch durchsetzt. Und dann plötzlich dieses „Abdriften“
ins Unrealistische.

Das ist kein Abdriften und nichts Unrealistisches. Das ist Trauerarbeit - und die benötigt Zeit.

Ich war mit offenem Mund staunend vor ihm gesessen und wusste
echt nicht, was ich sagen soll.

Ich sags mal deutlich: Wenn man sich im Totschweigen geübt hat, ist es eine plausible Konsequenz, daß man in entscheidenden Augenblicken nicht weiß, was man sagen soll … Susanne: Er hat etwas gesagt - und zwar dadurch, daß er so explizit in der Gegenwart sprach und nicht in der Vergangenheit.

Ich denke, ihr wisst was ich meine.

Leider, ja. Oder anders gesagt: Dieser Typ eines Problems der Familienkommunikation ist leider allzu bekannt.

Ich wünsche dir, daß auch du weißt, was ich meine.

Grüße

Metapher

Die Grenzen eines Forums?
Ich häng mich mal hier drunter, weil sich mein Beitrag
dort anschließt…

Liebe Susanne,

Ich bin mir nicht sicher, ob es ein „nicht ganz richtig ausgedrückt“ oder ein tatsächliches „falsch verstanden“ ist

Wie ihr wisst - und zum Teil mir auch geraten habt - wird das
Problem im Moment „totgeschwiegen“, bzw. nicht angepackt.

Metapher schrieb:

Ich weiß nicht, wer dir einen derartigen absoluten Unsinn
geraten hat:

Ich habe den Thread jetzt nochmals mehrfach durchgeschaut, und finde keinen solchen Rat. Es wurde zwar hinsichtlich des Konflikts der beiden Brüder von vielen Seiten geäußert diesen vorerst auf sich beruhen zu lassen, aber ich lese aus keinem Beitrag einen Rat der da lautete „komplettes Problem totschweigen“.
Ich lese (und las, sonst hätt ich da wahrscheinlich reingegrätscht) eher gesprächsbereit(schaft) halten und signalisieren vs. Gespräch aufdrängen, die Situation nicht mit zusätzlichen Konflikten (Grundsatzdiskussionen) zu belasten etc.
Was, in meinen Augen etwas anderes meint, als einfach „ignorieren“.
Aber wie gesagt, evtl. eine Frage des Ausdrucks.
(Ich hoffe, es zumindest)
Ob so oder anders zeigt es, meiner Meinung nach, die Grenzen eines solchen Forums- denn auch bei aller Sorgfalt, die einige Beiträge aufweisen, entstehen solche Missverständnisse sehr viel schneller, als z.b. in einem persönlichen Gespräch. Bzw. werden sie dort häufig leichter entdeckt und aufgeklärt.

In Deinem ersten Posting vor vier Wochen schriebst Du

Mein Sohn trauert als ob ein Elternteil verstorben wäre. Ich habe ihn :so noch nie erlebt. Jeder Versuch mit ihm zu sprechen wird abgelehnt.

Ich bin da bereits über die Formulierung gestolpert, habe mir jedoch noch nicht all zu viel dabei gedacht
4 Wochen später in diesem Thread:

Nicht „…machtE das so“, „…LIEß die Reifen quietschen“.
(früher, als er noch lebte)

Erschreckend.
Oder seht ihr das anders?

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass mein Sohn ansonsten
selbstbewusst MITTEN IM LEBEN steht…Und dann plötzlich dieses ::"Abdriften"ins Unrealistische.
Ich war mit offenem Mund staunend vor ihm gesessen und wusste
echt nicht, was ich sagen soll.

Wenn Du vorher schreibst, dass er wie um einen Elternteil trauert, wirkt der zweite Teil sehr ungeduldig, wenn man bedenkt, dass er nur 4 Wochen später entstanden ist, noch dazu unter den Umständen (ist jemand schwer krank oder sehr alt, haben alle Beteiligten wenigstens die Chance sich voneinander zu verabschieden bzw. eine Vorstellung darüber, dass man sich irgendwann verabschieden muss).
Das Wort „erschreckend“ passt für mich daher überhaupt nicht in die Situation, weil die Aussage Deines Sohnes nicht im Entferntesten unrealistisch ist, wie Metapher bereits sagte.

Ich möchte Dir keinesfalls zu nahe treten, aber kann es sein, dass Du nicht viel von der Bindung zwischen Deinem Sohn und seinem Freund gehalten hast? Oder diese unterschätzt (hast)?
Es fällt mir schwer zu beurteilen,
ob Du eher verzweifelt oder wütend bist.
Bei letzterem stellte sich die Frage worauf und warum?
Nach dem dritten Posting habe ich ein wenig den Eindruck gewonnen, dass wir hier nur über ein Zipfelchen eines grooooßen Berges sprechen.
Ich hoffe, das Du das nicht falsch verstehst- es ist ja nicht so, dass ich Deine Beiträge nicht gerne lesen würde :smile:
Aber wenn dem so wäre, fürchte ich stößt das hiesige Forum an seine Grenzen dies aufzudröseln und tatsächliche Hilfestellung zu leisten.

4 „Gefällt mir“

Hallo Metapher,

Das ist gerade mal 4 Wochen her und es ist nicht ungewöhnlich,
daß der Trauernde den Toten für sich in der Gegenwart behält:
Er ist noch nicht bereit, ihn der Vergangenheit zu übergeben.

Ja, selbstverständlich werde ich ihm Zeit lassen. Ich danke Dir für diesen Hinweis.

seine besondere Trauer verschweigen.

Nein, wie oben gesagt, MUSS er das nicht. Ich würde ihm gerne zur Seite stehen.

S.

Hi S.,

Ja, selbstverständlich werde ich ihm Zeit lassen. Ich danke Dir für diesen Hinweis.

Wofür willst du ihm Zeit lassen?
Und was ist nach dem Ablauf der Zeit, die du ihm lässt?

seine besondere Trauer verschweigen.

Nein, wie oben gesagt, MUSS er das nicht.

Was meinst du mit „wie oben gesagt“?

Ich würde ihm gerne zur Seite stehen.

Ja, schön, aber daß du das gerne würdest, wird auf ihn keine Auswirkung haben.

Gruß

Metapher

3 „Gefällt mir“

Hallo,

Erschreckend. Oder seht ihr das anders?

alle Deine Beiträge deuten für mich darauf hin, dass Du selbst grosse Ängste hast, welche Du allein nicht im Stande bist zu überwinden.

Aus diesem Grund ist es wirklich wichtig, dass Du Dich um Dich selbst mal kümmerst und Dein eigenes Gefühlsleben anstatt Deine Ängste auf andere zu projezieren.

Ich war mit offenem Mund staunend vor ihm gesessen und wusste
echt nicht, was ich sagen soll.
Ich denke, ihr wisst was ich meine.

Jetzt weiss ich auch was Du meinst. So ging es mir, als ich Deinen Beitrag gelesen habe.

Ich kann wirklich wirklich ansonsten Dein Verhalten nicht nachvollziehen und die von Dir vorgebrachte „logische“ Begründung dafür.

Eencockniedo

Nein -
Hallo Susanne,

nein, das ist nicht erschreckend. Ich empfinde das als sehr normal, zumal nach so kurzer Zeit. Er hat das sicher noch gar nicht wirklich realisiert.

Selbst nach über 15 Jahren denke ich manchmal einen bestimmten Menschen auf der Straße zu sehen und denke dann, „siehste, war nur ein böser Traum, er lebt ja doch!“…

Das wird viel Zeit brauchen!

Grüße
Demenzia