Trauerarbeit
Hi Susanne,
nochmal eine ganz kurze Schilderung. Ihr könnt euch sicher noch erinnern.
Zur Unterstützung der Erinnerung wäre es ganz günstig, wenn du den Link gleich mit dazusetzt. Ich hol das mal nach:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Jedenfalls ist es sehr freundlich von dir, nochmal Feedback zu geben.
Wie ihr wisst - und zum Teil mir auch geraten habt - wird das
Problem im Moment „totgeschwiegen“, bzw. nicht angepackt.
Ich weiß nicht, wer dir einen derartigen absoluten Unsinn geraten hat: Totschweigen ist das schlimmste Gift in jeder Familienkommunikation. Es ist Sprengstoff und der Garant dafür, daß sich (zumindest kommunikative) Katastrophen entwickeln.
Vielleicht erinnerst du dich, was ich dir vor vier Wochen riet. Spekulationen über das, was im Gefühlsleben eines anderen Familienmitglieds vor sich geht, ohne daß Fragen gestellt werden, erzeugen genau das, was du jetzt für dich andeutest: Es macht völlig unnötig Sorgen und sogar Ängste. Und derjenige, der nicht von sich aus spricht, wird (womöglich zurecht wegen der Spekulationen) in seinem Verhalten bestärkt.
Gestern nun meinte mein Sohn :„XY (der verstorbene Freund)
MACHT das so“. „Der LÄSST die Reifen quietschen beim
Anfahren“.
Nicht „…machtE das so“, „…LIEß die Reifen quietschen“.
(früher, als er noch lebte)
Erschreckend.
Nein.
Oder seht ihr das anders?
Ja.
Offenbar ist niemand in der Familie, der bezüglich des sehr intensiven Verhältnisses zwischen deinem Sohn und dem Toten vertrauensvoller Gesprächspartner war und ist. Und wahrscheinlich außerhalb eurer Familie erst recht nicht. Auch der faux pas seines Bruders damals war ja schon ein Zeichen dafür, daß niemand sich der Besonderheit dieser Beziehung bewußt war. So muß er in einer Atmosphäte völligen Unverständnisses die Trauer ganz alleine ohne emotionale Stütze tragen.
Das ist gerade mal 4 Wochen her und es ist nicht ungewöhnlich, daß der Trauernde den Toten für sich in der Gegenwart behält: Er ist noch nicht bereit, ihn der Vergangenheit zu übergeben. Normalerweise ist das Begräbnis bzw. das Totenritual dafür der entscheidende Schritt - aber bei dem war er alleine und mußte seine besondere Trauer verschweigen.
Ich riet dir damals, ihn nach der Bedeutung dieses „väterlichen Freundes“ zu fragen. Sollte heißen, deine Bereitschaft zu zeigen, vertrauliche An- und Aussprechpartnerin zu sein.
Ich möchte ausdrücklich betonen, dass mein Sohn ansonsten
selbstbewusst MITTEN IM LEBEN steht. Er ist das meiner Kinder,
der am gradlinigsten seinen Weg geht, weiß was er will und
dies auch durchsetzt. Und dann plötzlich dieses „Abdriften“
ins Unrealistische.
Das ist kein Abdriften und nichts Unrealistisches. Das ist Trauerarbeit - und die benötigt Zeit.
Ich war mit offenem Mund staunend vor ihm gesessen und wusste
echt nicht, was ich sagen soll.
Ich sags mal deutlich: Wenn man sich im Totschweigen geübt hat, ist es eine plausible Konsequenz, daß man in entscheidenden Augenblicken nicht weiß, was man sagen soll … Susanne: Er hat etwas gesagt - und zwar dadurch, daß er so explizit in der Gegenwart sprach und nicht in der Vergangenheit.
Ich denke, ihr wisst was ich meine.
Leider, ja. Oder anders gesagt: Dieser Typ eines Problems der Familienkommunikation ist leider allzu bekannt.
Ich wünsche dir, daß auch du weißt, was ich meine.
Grüße
Metapher