Wie soll ich mich verhalten? (lang)

Guten Tag,

meine Eltern sind inzwichen 40 Jahre verheiratet (Mutter 74/Vater 79), und seit daß ich denken kann, können die 2 einfach nicht richtig miteinander reden und es findet, mit den Jahren immer mehr zunehmend, ein Nebeneinanderherleben statt, daß kaum ertragbar ist.

Ich bin mit 18 von zuhause ausgezogen, und besuche meine Eltern, vor allem jetzt im Sommer recht oft (sie haben ein großes Haus, mit riesen Garten und eigenem Seegrundstück). Mein Sohn liebt es dort baden zu gehen, und auch sonst wäre es dort zu leben ein Paradies. Aber die Art und Weise, wie meine Eltern miteinander umgehen, ist fast unertragbar.

Meine Schwester ist vor 2 Jahren aus dem Haus ausgezogen (sie hatte eine abgetrennte Wohnung im oberen Teil des Hauses), und nun wohnen meine Eltern dort ganz alleine. Da ich merke, daß vieles in den letzten Jahren für sie immer mühsamer wird, habe ich schon überlegt, ob ich mit meiner Familie dort einziehen soll, weil ich sie gerne unterstützen möchte (meine Schwester hat schon immer die Pflege meiner Eltern abgelehnt). Mit meinen Eltern wurde abgesprochen, daß wenn sie gar nicht mehr alleine zurecht kommen, wir sie so gut es geht unterstützen, oder wenn einer von beiden nicht mehr lebt, wir dann einziehen, falls der andere es alleine nicht schafft.

Trotzdem merke ich, daß mein Vater meine Mutter in ihrer Vergeßlichkeit keine Hilfe ist, sie sich gegenseitig Vorwürfe machen und anbrüllen. Ich weiß nicht, wie sie die nächsten Jahre miteinander leben können, meiner Meinung nach hätten sie sich schon vor 20 Jahren trennen sollen. Da schlimmste ist, das jeder von ihnen mir einzeln erzählt, was der andere wieder gesagt oder getan hat und hofft, daß ich Partei dafür ergreife. Ich kann das aber nicht, ich liebe beide Elternteile und es belastet mich sehr, wenn ich sehe wie die 2 vor sich hinleben.

Ich schreibe das gerade jetzt, weil mein Vater mich soeben besucht hat und mir wieder von einem neuen Krach erzählt hat und ich ihn gebeten habe, meine Mutter einfach zu unterstützen und sie ihre Vergeßlichkeit nicht jeden Tag so deutlich spüren zu lassen. Danach ist er schlechtgelaunt wieder gegangen.

Wie soll ich mich verhalten? Ich möchte nicht den Kontakt zu ihnen komplett abbrechen, aber ich merke, daß es mir sehr an die Substanz geht. Auch mein Sohn liebt seine Großeltern sehr, aber ich will auch nicht, daß er immer den Streit miterleben muß.

Vielen Dank fürs Lesen

Liebe Grüße

Sabine

Hallo Sabine

ich will mal einen Versuch wagen, Dir zu antworten. Meine Meinung
ist, dass es falsch wäre, zu Deinen Eltern zu ziehen. Die beiden
scheinen sich das Leben zu vergällen und wenn Du/Ihr im selben Haus
wohnt, wirst Du irgendwann zwischen Hammer und Amboss sitzen.
Du wirst bei Streitereien nicht umhin kommen, Stellung zu beziehen
und damit Dein Verhältnis zum einen oder anderen Elternteil negativ
zu beeinflussen.

Ohne zwingende Gründe (Pflege- oder Todesfall) würde ich nicht bei
den Eltern einziehen, auch wenn Haus und Lage so verlockend
erscheinen.

Mit ein bisschen Distanz kannst Du mehr Positives bewirken.

Gruss
Heinz

Lieber Hans,

vielen Dank für Deine Antwort, ich denke auch, daß ein Umzug zu meinen Eltern derzeit für alle nicht ertragbar wäre.

Man wünscht seinen Eltern ja ein langes Leben, aber wenn das so weiter geht…

Liebe Grüße

Sabine

hallo sabine,

hast du dir mal überlegt zu einem verein oder ähnliches zu gehen und dich dort zum einen beraten zu lassen was nun hilfe für deine eltern betrifft - platz haben sie ja - gehts noch um die kosten und die richtige person. - du weisst was ich meine? hilfe seitens profis von
aussen - ich weiss ja nicht ob sie schon gesetzlichen anspruch hätten.

ich würde das mal versuchen zu klären, es kann sich sehr entlasten wenn es hier eine lösung gäbe.
was nun deine eigene seelische belastung betrifft und der immerwährende versuch beider dich zur parteiergreifung zu bewegen in ihrem kindlichen umgang miteinander - nach dem motto - die sagt auch du bist… (wenn man als kind keine argumente hatte fühlte man sich dann doch gleich vieeeel mehr im „recht“ - so oder so ähnlich halten es viele menschen ihr leben lang… - jedenfalls - vielleicht redest du hier auch mal mit profis - muss ja nicht gleich ne therapie sein - meine eher hm… pfarrer, karitas oder wer da sonst noch wen anbietet zum reden - würdest evtl auf diese weise gleich 2 fligen mit einer klapppe schlagen können.
doch eines ist gewiss, du solltest schauen, stets genug distanz zu wahren, sonst gehts dir zu sehr an die substanz.
aber da es ja schon so ist, wäre es nicht ungut wenn du überlegst, wie du da mehr abhilfe schaffen kannst - doch evtl würde es sich schon automatisch ändern wenn du eine alternative hättest in sachen hilfe/ betreuung deiner eltern - diese zukunftsorge sich also lösen würde.

also mach dich doch mal schlau - und frag vorher nicht bei den eltern gross nach…schätze mal, erstmal würden sie ohnehin sagen - sowas brauchen wir nicht/wollen wir nicht… die evtl idallösung die du hoffentlich findest, kann man ihnen dann „verkaufen“ wenn man sie hat.
sonst lässt man sich eh ins bockshorn jagen und kann schlecht argumentieren weil man ja unsicher ist was wie gehen würde…

also, such alternativen! - kläre was wie unter welchen umständen auf welche weise machbar ist in sachen pflege/hilfe durch dritte.

LG
nina