Wie sollen wir unserer psychisch kranken Mutter helfen?

Hallo,
aktuell brennt bei uns die Luft, da wir, aus unseren Augen, nur Ärger mit den Ämtern haben.
Ich versuche mal alles zu schildern.
Es geht um unsere psychisch kranke Mutter, welche an einer paranoiden Schizophrenie leidet. Dazu kommt noch COPD (wahrscheinlich eine höhere Stufe), etwas am Herzen und einem hygienischen Zustand (körperlich und Zuhause), den sich niemand ausmalen will. Alles wurde mehrmals diagnostiziert (wir haben Nachweise, allgemein haben wir Nachweise in jeglicher Form).
Das Problem ist, das meine Mutter sich über ihren körperlichen und psychischen Zustand nicht im klaren ist und eine Einweisung freiwillig immer ablehnt. Sie war allerdings schon mehrmals in Behandlung in einer geschlossenen und das Krankheitsbild kommt in ihrer Biographie nicht zum ersten mal vor.
Ich und meine Schwester können den Zustand von unserer Mutter nicht ertragen, weil es an uns halt nicht komplett vorbei geht und weil zum einen Ich diesen Zustand mehrere Jahre Tag für Tag mitansehen musste und weil meine Schwester mehrere Jahre versucht hat, dem entgegenzuwirken. Ohne Wirkung.
Aus diesem Grund hat meine Schwester die Vollmacht über meiner Mutter einer Betreuerin übergeben, welche zum einen für den Papierkram und auf der anderen Seite für ihren gesundheitlichen Zustand und co zuständig ist. Wir fühlen uns allerdings total unzufrieden mit der Betreuerin, da wir das Gefühl haben, Sie erledigt nur den Papierkrieg.
Meine Schwester musste auch öfter die Polizei anrufen, weil unsere Mutter sich in ihren Hausflur „eingenistet“ hat und diesen nicht mehr verlässt. Sie spuckt und uriniert in die Häuser und macht alles dreckig, was meiner Schwester wieder wegmachen kann. Bisher musste die Polizei 3x kommen:
→ 1. Nichts getan
→ 2. Hat die Polizei einen Platzverweis ausgesprochen und falls sie nochmal kommen müssen, würden sie sie dann endlich mitnehmen
→ 3. Wieder nichts

Gestern:
Die Situation verschärft sich nun, weil meine Mutter aus dem nichts meine Schwester geschlagen hat und kurz davor war, meinen 9 Jährigen Neffen zu schlagen. Sie hat dann die Polizei erneut angerufen, welche ihr eindringlich empfohlen haben, heute zum Gesundheitsamt zu gehen und dort die ganze Geschichte zu schildern. Meine Schwester hat dort zunächst heute angerufen, Das G-Amt meint jedoch, die Polizei sei dafür zuständig, es ist also alles ein hin und her und wir haben einfach keine Kraft mehr für diesen Zustand.
Ich habe eine große Familie und einen großen bekannten Kreis, alle kennen den Zustand meiner Mutter und sie wissen, das es nur schlimmer wird.
Aber wieso müssen wir so lange kämpfen? Wir kämpfen schon mehrere Monate, und wir wissen einfach nicht mehr weiter. Wir haben einfach das Gefühl, die Ämter wollen damit nichts zu tun haben und am Ende kommt der Leichenwagen..

Es gibt nochmehr Details, die ich dazu ergänzen kann, aber das war es erstmal grob provisorisch.

PS.: Ich bin 21 und meine Schwester ist 39

Servus,

die Befugnis zur Aufenthaltsbestimmung alleine reicht hier nicht aus, wenn nicht explizit auch Unterbringung genannt ist. Die Betreuerin könnte hier also von sich aus auch dann nichts tun, wenn sie wollte.

In NRW heißt das einschlägige Gesetz „Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen
bei psychischen Krankheiten (PsychKG)“. Außer bei Selbstgefährdung ist hier eine Unterbringung gegen den Willen des Betroffenen bei Gefährdung „bedeutender Rechtsgüter anderer“. Das ist niedriger angesetzt als in Bundesländern, wo eine Gefährdung des öffentlichen Friedens Voraussetzung ist, kommt mir aber hier nicht gegeben vor. Ich schätze, der ausgesprochene Platzverweis sollte dazu dienen, dass sich die Anordnung einer Unterbringung vorbereiten ließe. Der Platzverweis ist übrigens bei der Polizei dokumentiert, man braucht das „wieder nichts“ nicht in Kauf zu nehmen.

An so einer Anordnung ist ein Richter und auch der Sozialpsychiatrische Dienst beteiligt. Dieser ist keine Zusammenfassung verschiedener psychiatrischer Einrichtungen, sondern eine Stelle an der unteren Gesundheitsbehörde (= Gesundheitsamt), die sich mit Beratung und Unterstützung im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen beschäftigt. Dass Ihr beim Gesundheitsamt nicht an den Sozialpsychiatrischen Dienst verwiesen worden seid, ist ziemlich verwunderlich. Ruf doch mal direkt da an - Nummer steht im Telefonbuch. Die Möglichkeit einer eventuellen Anordnung der Unterbringung kann man dort einschätzen, weil der Sozialpsychiatrische Dienst bei solchen Verfahren in NRW immer angehört werden muss.

Schöne Grüße

MM

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Servus,

wenn das von Dir unter „und co“ nicht Näher ausgeführte auch die Befugnis zur Unterbringung enthielte, wäre jetzt die Betreuerin am Zug.

Welche Befugnisse umfasst denn „und co“?

Unabhängig davon ist die Unterbringung gegen den Willen des Betroffenen durch die Bundesländer geregelt. Um welches Bundesland geht es denn?

Und zuletzt: Gab oder gibt es Kontakte zum Sozialpsychiatrischen Dienst, mit welchem Inhalt, mit welchem Ergebnis?

Schöne Grüße

MM

Also:
zu 1.
Die Betreuerin hat eigentlich alle Aufgaben die auf sie zufallen könnten (Die Liste war groß auf dem Papier). Meine Schwester hat mir jetzt ein paar genannt:
→ Gesundheitliche Fürsorge
→ Finanzielles
→ Aufenthaltsbestimmung ←

zu 2.
NRW

zu 3.
Frage ist mir ein bisschen unklar, weil ich nicht sicher bin, was alles unter den sozialps. Dienst fällt.
Meine Mutter war mehrmals in der geschlossenen und in der offenen, hat dort ihre Medikamente bekommen und war mehr oder minder wieder besser drauf. Die Medikamente hat sie nach kurzer Zeit von selbst wieder abgesetzt.
Außerdem war sie sehr oft beim Neurologen, auch wieder Medikamente, aber nie eingenommen oder wieder abgesetzt. Alles also ohne langfristigen Erfolg.