Wie stärke ich mein Kind?

Hallo,

meine Frau und ich sind ein wenig ratlos bzgl. unserer fast 5-jährigen Tochter.
Sie geht nun das 2. Jahr in den Kindergarten. Von Anfang an gibt es fast jeden Morgen Probleme. Sie will nämlich nicht hin.
Im Endeffekt geht sie dann trotz Heulattacken doch hin, und wenn man sie mittags fragt, wie es denn war, sagt sie immer, daß es schön war. Sie singt und bastelt sehr gerne. Das, wovor sie Angst zu haben scheint, sind die anderen Kinder. Besser gesagt sie hat Angst, daß niemand mit ihr spielt. Daher hängt sie sich immer an das Nachbarsmädchen. Diese Mädchen ist sozusagen fest gebucht im Kindergarten, da die beiden auch nachmittags miteinander spielen. Neuerdings sagt dieses Mädchen aber auch schon mal nein auf die Frage, ob sie mit meiner Tochter im KIGA spielt. Tja, und meine Tochter steht dann da, heult und traut sich nicht mit einem anderen der 20 Kinder zu spielen.
Meine Tochter ist ein helles Köpfchen. Aber wie mache ich ihr klar, daß sie das Nachbarkind nicht braucht, daß sie auch prima mit anderen Kinder spielen könnte.
Ich bin echt ratlos.
Vielleicht hat jemand von Euch schon mal einen ähnlichen Fall erlebt.
Vorab vielen Dank.

Gruß

Tom

Hallo Tom

Ich würde in Deiner Situation Deiner Tochter das Spielen mit anderen Kameraden in der vertrauten Umgebung zuhause ermöglichen.
Also vielleicht mal eine ganz kleine Party machen und 3-4 Kinder aus dem Kindergarten einladen.
So merkt sie, dass die anderen auch Kinder wie sie sind und sie mit ihnen spielen kann.

Ich vermute Eure Tochter ist ein Einzelkind? Tönt für mich so, oder jedenfalls hat sie keine Geschwister in ihrem Altersbereich mit denen sie spielt…?

Habt ihr denn schon mit der Kindergärtnerin gesprochen, ob Eure Tochter gehänselt wird? Oder ob es irgendwann mal einen Vorfall gab, wo keiner mit Eurer Tochter spielen wollte? Vielleicht grübelt sie an sowas rum?

Die Tochter nur auf das Nachbarskind fixiert zu lassen, würde ich langsam aber sicher abbauen. Was, wenn das Nachbarsmädchen mal krank ist und nicht in den Kindergarten kann - oder noch schlimmer: umzieht?

Ich denke, wenn ihr bei Euch zuhause einen Rahmen bietet wo sie in vertrauter Umgebung mit anderen Kindern spielen kann, wird sie ihre Hemmungen und Angst schon abbauen. Am Anfang seid ihr noch beim spielen mit den Kindern dabei und mit der Zeit könnt ihr Euch etwas zurückziehen, damit sie es auch alleine ‚schafft‘.

Viel Glück!
Grüsse Tanja

Tochter eigene Erfahrungen machen lassen
Hallo Tom,

habt Ihr schon einmal die Erzieherinnen Eurer Tochter gefragt, wie sie sich in die Gemeinschaft einfügt? Mich würde interessieren, ob sie auch mal mit mehreren Kindern gleichzeitig spielt (Puppenecke-Rollenverteilung, Bauklötzchen-Ecke - gemeinsames Turmbau-Projekt von mehr als 2 Kindern usw)
Geht sie von sich aus zu den Gruppen, interessiert an dem Spiel, macht sie Vorschläge, integriert sie sich in Hierachien, verteidigt ihre Position …
Spielt sie bei Kreisspielen, die die Erzieherinnen anleiten, gerne mit?
Was bieten die Erzieherinnen überhaupt an?

Diese Gruppenerfahrungen sind nach meiner Erfahrung für Kinder sehr wichtig, weil es zum einen ihre Sichtweise „wie und wer bin ich“ erweitert, ihr Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl stärkt, und zum anderen lernen sie sich in ihrer Egozentrik zurückzunehmen, was im Hinblick der Schulzeit (Klassengemeinschaft) wichtig ist.
Wenn Kinder von Haus aus sehr kontaktfreudig sind, schon immer viele Kinder um sich hatten und haben (Geschwister und Nachbarskinder), dann fällt ihnen der Kindergartenalltag natürlich leicht. Streits bedeuten für sie nicht einmal richtiger Frust. Bei Zurückweisungen haben sie ihre erprobten Gegenmaßnahmen, weil sie diese früh erlernt haben.
Und spätestens im Kindergarten haben die Kinder die Möglichkeit die viele Formen von zwischenmenschlichen Erfahrungen zu sammeln. In der Schulzeit nehmen die Möglichkeiten ab.

Mit anderen Worten, da muß Eure Tochter durch.
Das morgendliche Gezeter nervt natürlich und zerrt an den Nerven. Vielleicht könnt ihr mit der Erzieherin so eine Art Ritual ausmachen, oder sie hat einen Vorschlag, der dem Kind den Morgen im Kiga erleichtert. Meine Anja hat sich immer ein Tröstekuscheltier in ihren Schuh gesetzt, und ist dann zum Schuh gelaufen, wenn sie sich geärgert hat.
Unsere Erzieherinnen haben viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder das Streiten gelernt haben: wer Unrecht tut, muß sich entschuldigen - Auseinandersetzungen artikulieren, weniger Handgreiflichkeiten - sich wieder versöhnen usw.
Frag doch mal, ob in dem Kiga-Konzept etwas in diese Richtung vorgesehen ist.

Meine Tochter ist ein helles Köpfchen. Aber wie mache ich ihr
klar, daß sie das Nachbarkind nicht braucht, daß sie auch
prima mit anderen Kinder spielen könnte.

Es ist für Euer Kind an der Zeit, dass es eine eigene Meinung zu diesem Thema bildet. Also lernt die Abweisung des Nachbarkindes so oft zu erfahren wie es wohl nötig ist, sich selber Alternativen überlegt.
Ihr seid nur noch zum Trösten da, in dem Arm nehmen, wenn es mißachtet wurde. Du wirst staunen, welch geistigen Kräfte so kleine Mäuse entwickeln können. Und solche Erfahrungen sind nachhaltiger, als die klugen Worte von uns erfahrenen Eltern.

viele Grüße
Claudia

Hi Tanja,

vorab vielen Dank für Deine Mühe.

Ich würde in Deiner Situation Deiner Tochter das Spielen mit
anderen Kameraden in der vertrauten Umgebung zuhause
ermöglichen.
Also vielleicht mal eine ganz kleine Party machen und 3-4
Kinder aus dem Kindergarten einladen.
So merkt sie, dass die anderen auch Kinder wie sie sind und
sie mit ihnen spielen kann.

Nun, ich habe in meinem Posting versucht, mich kurz zu fassen.
Deswegen habe ich das eine oder andere nicht erwähnt.
Was ihr Verhalten in vertrauter Umgebung angeht, und das ist das Komische, so gibt es die bekannten Probleme, nur genau umgekehrt. Wenn andere Kinder da sind, oder auch das Nachbarsmädchen, so verhält sie sich durchaus dominant.

Ich vermute Eure Tochter ist ein Einzelkind? Tönt für mich so,
oder jedenfalls hat sie keine Geschwister in ihrem
Altersbereich mit denen sie spielt…?

Sie ist kein Einzelkind. Sie hat noch einen 2-jährigen Bruder, mit dem sie eingeschränkt, aufgrund seines Alters, spielt.

Habt ihr denn schon mit der Kindergärtnerin gesprochen, ob
Eure Tochter gehänselt wird? Oder ob es irgendwann mal einen
Vorfall gab, wo keiner mit Eurer Tochter spielen wollte?
Vielleicht grübelt sie an sowas rum?

Wir haben bereits mit der Kindergärtnerin gesprochen. Sie meinte allerdings, daß das Verhalten meiner Tochter in der Gruppe nicht unnormal wäre.

Die Tochter nur auf das Nachbarskind fixiert zu lassen, würde
ich langsam aber sicher abbauen. Was, wenn das Nachbarsmädchen
mal krank ist und nicht in den Kindergarten kann - oder noch
schlimmer: umzieht?

Das haben wir uns auch schon überlegt, wohlbemerkt auch aus anderen Gründen. Diese Kind hat m.E. einen schlechten Einfluss auf meine Tochter. Sie hört überhaupt nicht, weder auf uns, wenn sie zu Besuch ist, noch auf ihre Eltern, wenn die mal da sind.
Dieses Kind wird meistens von der einen zur anderen Oma geschoben, weil Papa und Mama meinen Geld verdienen zu müssen.

Ich denke, wenn ihr bei Euch zuhause einen Rahmen bietet wo
sie in vertrauter Umgebung mit anderen Kindern spielen kann,
wird sie ihre Hemmungen und Angst schon abbauen. Am Anfang
seid ihr noch beim spielen mit den Kindern dabei und mit der
Zeit könnt ihr Euch etwas zurückziehen, damit sie es auch
alleine ‚schafft‘.

Wie bereits oben beschrieben. In vertrauter Umgebung gibt es keine Probleme.

Viel Glück!

Das wünsche ich Dir auch.
Nochmals vielen Dank.

Grüsse Tanja

Gruß
Tom

Hi Claudia,

habt Ihr schon einmal die Erzieherinnen Eurer Tochter gefragt,
wie sie sich in die Gemeinschaft einfügt? Mich würde
interessieren, ob sie auch mal mit mehreren Kindern
gleichzeitig spielt (Puppenecke-Rollenverteilung,
Bauklötzchen-Ecke - gemeinsames Turmbau-Projekt von mehr als 2
Kindern usw)

Kein Problem. Wenn sie erst einmal da ist (im KIGA), dann hat sie, soweit man das beurteilen kann, keine so großen Probleme.

Geht sie von sich aus zu den Gruppen, interessiert an dem
Spiel, macht sie Vorschläge, integriert sie sich in
Hierachien, verteidigt ihre Position …

Was wir immer wieder feststellen können ist, daß sie nicht nach draußen (Spielplatz) gehen möchte, weil da auch Kinder anderer Gruppen sind, welche sie nicht kennt.

Spielt sie bei Kreisspielen, die die Erzieherinnen anleiten,
gerne mit?

Ich denke schon.

Was bieten die Erzieherinnen überhaupt an?

So einiges, der KIGA hat nen ziemlich guten Ruf in unserer Gegend.

Mit anderen Worten, da muß Eure Tochter durch.
Das morgendliche Gezeter nervt natürlich und zerrt an den
Nerven. Vielleicht könnt ihr mit der Erzieherin so eine Art
Ritual ausmachen, oder sie hat einen Vorschlag, der dem Kind
den Morgen im Kiga erleichtert. Meine Anja hat sich immer ein
Tröstekuscheltier in ihren Schuh gesetzt, und ist dann zum
Schuh gelaufen, wenn sie sich geärgert hat.

Glaub mir, nach über einem Jahr ist der morgentliche ‚Kampf‘ zum Ritual geworden.

Unsere Erzieherinnen haben viel Wert darauf gelegt, dass die
Kinder das Streiten gelernt haben: wer Unrecht tut, muß sich
entschuldigen - Auseinandersetzungen artikulieren, weniger
Handgreiflichkeiten - sich wieder versöhnen usw.
Frag doch mal, ob in dem Kiga-Konzept etwas in diese Richtung
vorgesehen ist.

So wird es im KIGA und bei uns zu Hause gehandhabt.

Es ist für Euer Kind an der Zeit, dass es eine eigene Meinung
zu diesem Thema bildet. Also lernt die Abweisung des
Nachbarkindes so oft zu erfahren wie es wohl nötig ist, sich
selber Alternativen überlegt.
Ihr seid nur noch zum Trösten da, in dem Arm nehmen, wenn es
mißachtet wurde. Du wirst staunen, welch geistigen Kräfte so
kleine Mäuse entwickeln können. Und solche Erfahrungen sind
nachhaltiger, als die klugen Worte von uns erfahrenen Eltern.

Wahrscheinlich hast recht. Ich hoffe es sehr.

viele Grüße
Claudia

Vielen Dank für Deine Mühe.

Gruß

Tom

Von Anfang an
gibt es fast jeden Morgen Probleme. Sie will nämlich nicht
hin.
Im Endeffekt geht sie dann trotz Heulattacken doch hin, und
wenn man sie mittags fragt, wie es denn war, sagt sie immer,
daß es schön war. Sie singt und bastelt sehr gerne. …

Vielleicht hat jemand von Euch schon mal einen ähnlichen Fall
erlebt.

Hallo Tom,

sicher gibt es Kinder die sensibler reagieren und den Wechsel aus der vertrauten häuslichen Umgebung, in der man es ihnen so individuell wie möglich macht, etwas weniger gut verkraften, als robustere Kinder. Kinder merken aber auch verdammt gut, womit sie bei ihren Eltern Aufmerksamkeit erlangen können. Nicht böse sein bitte, aber bei mir hört sich das, nach all dem was Du bisher positives über den Kindergarten und auch das sonst gesunde Verhalten Deiner Tochter geäußert hast, ein wenig so an, als hätte Deine Tochter aus der anfänglichen Unsicherheit eine Art Gewohnheit gemacht. So wie manche Kinder aus dem abendlichen Zubettgehen ein Drama machen. Wenn man darauf zu verständnisvoll reagiert, dann verpassen Kinder auch mal den Moment, an dem ihr Problem eigentlich keines mehr ist. Und ein leichter Hang zum Tyrannen scheint in allen Kindern zu stecken . Du schreibst selbst, es ist ein Ritual geworden. Und auch, daß sich Dein Kind ansonsten wohl fühlt im Kindergarten.

Eine Lösung anzubieten ist schwierig auf die Ferne. Mein Tip, redet doch mal offen mit ihr. Erklärt ihr, daß es auch EUCH den Tag verdirbt, wenn sie jeden Tag eine solche Szene macht. Daß ihr Euch dann um sie sorgt und das doch nicht nötig wäre. Mit fünf Jahren könnte sie das schon begreifen.

Ich glaube übrigens nicht recht an den schlechten Einfluß der Nachbarstochter, die Art Probleme stehen dann wohl eher in der Pubertät an, wenn sich die Kinder Leitbilder außerhalb der Familie suchen.:wink:)

Gruß Heike