Tochter eigene Erfahrungen machen lassen
Hallo Tom,
habt Ihr schon einmal die Erzieherinnen Eurer Tochter gefragt, wie sie sich in die Gemeinschaft einfügt? Mich würde interessieren, ob sie auch mal mit mehreren Kindern gleichzeitig spielt (Puppenecke-Rollenverteilung, Bauklötzchen-Ecke - gemeinsames Turmbau-Projekt von mehr als 2 Kindern usw)
Geht sie von sich aus zu den Gruppen, interessiert an dem Spiel, macht sie Vorschläge, integriert sie sich in Hierachien, verteidigt ihre Position …
Spielt sie bei Kreisspielen, die die Erzieherinnen anleiten, gerne mit?
Was bieten die Erzieherinnen überhaupt an?
Diese Gruppenerfahrungen sind nach meiner Erfahrung für Kinder sehr wichtig, weil es zum einen ihre Sichtweise „wie und wer bin ich“ erweitert, ihr Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl stärkt, und zum anderen lernen sie sich in ihrer Egozentrik zurückzunehmen, was im Hinblick der Schulzeit (Klassengemeinschaft) wichtig ist.
Wenn Kinder von Haus aus sehr kontaktfreudig sind, schon immer viele Kinder um sich hatten und haben (Geschwister und Nachbarskinder), dann fällt ihnen der Kindergartenalltag natürlich leicht. Streits bedeuten für sie nicht einmal richtiger Frust. Bei Zurückweisungen haben sie ihre erprobten Gegenmaßnahmen, weil sie diese früh erlernt haben.
Und spätestens im Kindergarten haben die Kinder die Möglichkeit die viele Formen von zwischenmenschlichen Erfahrungen zu sammeln. In der Schulzeit nehmen die Möglichkeiten ab.
Mit anderen Worten, da muß Eure Tochter durch.
Das morgendliche Gezeter nervt natürlich und zerrt an den Nerven. Vielleicht könnt ihr mit der Erzieherin so eine Art Ritual ausmachen, oder sie hat einen Vorschlag, der dem Kind den Morgen im Kiga erleichtert. Meine Anja hat sich immer ein Tröstekuscheltier in ihren Schuh gesetzt, und ist dann zum Schuh gelaufen, wenn sie sich geärgert hat.
Unsere Erzieherinnen haben viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder das Streiten gelernt haben: wer Unrecht tut, muß sich entschuldigen - Auseinandersetzungen artikulieren, weniger Handgreiflichkeiten - sich wieder versöhnen usw.
Frag doch mal, ob in dem Kiga-Konzept etwas in diese Richtung vorgesehen ist.
Meine Tochter ist ein helles Köpfchen. Aber wie mache ich ihr
klar, daß sie das Nachbarkind nicht braucht, daß sie auch
prima mit anderen Kinder spielen könnte.
Es ist für Euer Kind an der Zeit, dass es eine eigene Meinung zu diesem Thema bildet. Also lernt die Abweisung des Nachbarkindes so oft zu erfahren wie es wohl nötig ist, sich selber Alternativen überlegt.
Ihr seid nur noch zum Trösten da, in dem Arm nehmen, wenn es mißachtet wurde. Du wirst staunen, welch geistigen Kräfte so kleine Mäuse entwickeln können. Und solche Erfahrungen sind nachhaltiger, als die klugen Worte von uns erfahrenen Eltern.
viele Grüße
Claudia