Wie stelle ich Fragen an Bewerber?

Hallo Forum,

ich muss oder darf zum ersten Mal Mitarbeiter einstellen. Die Branche ist in der Automobilindustrie. Ich suche einen technischen Assistentten mimium Anforderung HTL bzw Wirtschaftsing.

Habt ihr vielleicht Tipps wie ich die Fragen stelle, auf was soll ich achten, welche Fehler soll ich vermeiden?

Ich suche Mitarbeiter die selbständig Arbeiten, dabei im Teamwork gut arbeiten können. Technisches Vesrtändnis (Zeichnung lesen, mit diversen Meßgeräten umgehen, Statistische Prozessregelung)…

Nun habe ich aus einer vielzahl an Bewerbern 2 herausgepickt mit denen ich ein Vorstellungsgespräch führen möchte. Aber wie mache ich es richtig?

Danke für eure Tipps
Gruß
Stefan

Hallo,

ich bin kein Freund irgendwelcher „Fahrpläne“ was man wie gestalten muß und gehe davon aus daß nach wie vor „Sympathie“ der eigentliche Entscheidungsfaktor ist, sofern die erforderlichen Grundvorraussetzungen gegeben sind.

„Kreuzverhöre“ sind nicht angesagt, aber Du wirst natürlich wissen wollen mit wem Du es zu tun hast.

Üblicherweise erzählt man zunächst etwas über sein Unternehmen und bittet den Bewerber dann sich kurz vorzustellen, also seinen Werdegang zu beschreiben und die Motivation zu der Bewerbung bei Dir darzulegen. Seien wir hier ehrlich: in Zeiten wie heute MUSS man viele Bewerbungen schreiben und kann sich nicht nur bei 1 Traumarbeitgeber bewerben. Insofern finde ich kann man nicht erwarten daß Leute dann aufdrehen als hätten sie schon immer davon geträumt ausgerechnet in diesem Unternehmen tätig zu sein… Aber es muß natürlich schon erkennbar sein daß der Bewerber sich in diesem Unternehmen gerne engagieren will und vor hat gute Arbeit zu bringen, etwas erreichen zu wollen.

Meistens ergeben sich aus dem Verlauf des Gesprächs Themen, wo Du Rückfragen stellen kannst: welche Erfahrungen hat jemand mit diesem und jenem, welche Meinung / Einstellung hat derjenige dazu?

Standardthema ist auch die Frage nach der Gehaltsvorstellung. Auch wenn sowieso klar ist was man bezahlen wird interessiert hier wieviel jemand glaubt daß seine Arbeit wert sei…

Du kannst dann noch alle Fragen los werden, die sich für Dich aus den Bewerbungsunterlagen ergeben haben, was Dich an dem Bewerber interessiert, und solltest auch dem Bewerber Gelegenheit geben Fragen zu stellen.

Letztlich mußt Du dir einen Eindruck verschaffen ob das jemand ist, der fachlich aber auch im Hinblick auf die persönliche Chemie auf die vakante Stelle paßt, oder ob es eher den Eindruck macht daß es nicht gut wäre denjenigen für diese Aufgabe einzustellen…

Am Ende des Gesprächs bedankst Du dich daß sich derjenige die Zeit genommen hat zu dem gespräch zu kommen und nennst ihm einen groben Zeitrahmen, in dem er mit einer Antwort rechnen kann. „Top“ oder „Flop“ würde ich erstmal nicht äußern, das kannst Du später in Ruhe überlegen.

Es mag sicher von der jeweiligen Aufgabe abhängen, aber meine Philosophie ist daß ein Lebenslauf nicht absolut geradlinig sein MUSS und auch die fachliche Qualifikation oft anpassungsfähig ist wenn die notwendigen Grundlagen da sind. An einem neuen Arbeitsplatz muß sich auch der beste Neuling einarbeiten und einfinden, insofern kommt es IMHO stark darauf an ob man das Gefühl hat, daß jemand die Stelle nach Einarbeitung gut erfüllen wird - oder ob derjenige „auch längerfristig nicht passend gemacht“ werden kann.
Lege also mehr Wert auf die gute persönliche Chemie als auf Fachidiotentum - ein toller Lebenslauf und gute Noten sind schön, aber heißen nicht daß jemand ein entwicklungsfähiger und motivierter Mitarbeiter sein wird. Dann lieber jemanden, der sehr gut ins Team passen wird und sich den Feinschliff sicher holen wird wenn er sich einarbeitet…

Gruß,

MecFleih

Abend,

ich versuchs mal aber in so einem kurzem Posting ist das nicht zu
leisten.

Begrüßung, frage nach Anreise, Kaffee, etc.
Danach Vorstellung des eigenen Unternehmens!
Freche (positiv gemeint) Bewerber die forsch auftreten frage ich
auch schon mal was sie denn über uns wissen, bevor ich erzähle.

Bis jetzt haben wir nur versucht dem Bewerber die Nervosität zu nehmen.
Du mußt es schaffen ein lockeres Gespräch hinzukriegen. Das ist
je nach Bewerber unter Umständen gänzlich anders. Nehme ich den Tisch
ein „Arme auf den Tisch und nach vorne gebeugt“ oder überlasse ich den
Tisch meinem Gegenüber.

Das Wichtigste ist es wirklich erstmal ein lockeres Gespräch hinzu
bekommen.

Dann geht es los:

Erzählen Sie doch bitte Ihren Lebenslauf!!! (den du auswendig kennst
inklusive Diplom Arbeiten, Prüfungen, Praktika und du hast dich
schlau gemacht für ein paar blöde Fragen aus genau seinem Fachgebiet)

Was hat Sie dazu bewogen sich bei uns zu bewerben?

Falls Englisch ein Thema ist, einfach eine Frage in Englisch stellen
z.B. er soll sein Diplom etc. in Englisch darstellen.

Eine kleine knackige Aufgabe aus dem zukünftigem Gebiet. Dies gibt
Auskunft darüber ob er ein Dampfplauderer ist oder in der Lage
ist unter absoluten Stress sowas zu bewältigen.
Und glaub mir der oder die hat absoluten Stress!!!

In dem gesamten Gespräch muß eine freundliche Atmosphäre sein, immer
wieder auf Allgemeinschauplätze zurück wenn er/sie überfordert ist.

Wann immer dein Gegenüber Probleme hat, helfe ihm. Gib ihm nie das
Gefühl das war Sche…, dann kannst du ihn auch sofort nach Hause
schicken und kannst dir die Zeit sparen.

Neben dem fachlichen ist der persönliche Bereich viel schwieriger
abzuklopfen. Ich unterstelle dir mal den fachlichen Bereich hast
du blind drauf aber passt der/die ins Team?

Ich habe mich in dieser Beziehung immer auf mein Gefühl verlassen und
bin nie schlecht gefahren. Jeder der mir im Vorstellungsgespräch
unsympathisch war habe ich nicht genommen (fachlich auch Überflieger).

Gruß
Stefan

PS: Genau wie ich es Bewerbern empfehle niemals das Unternehmen in dem
man umbedingt arbeiten möchte als erstes zu nehmen, empfehle ich dir
nimm dir ein paar Bewerber von denen du relativ sicher weißt, der/die
ist es nicht.

Hallo Stefan,

erstmal Danke.

du hast mir ein paar Denkanstöße gegeben. Das ich den Lebenslauf des Bewerbers kenne ist klar, aber dass ich ein paar Fragen aus dessen Fachgebiete stelle auf die Idee wäre ich nicht gekommen.I

Weiters hätte ich gerne eine kleine Überprüfung einer der Mindestforderungen:
Ein Maß auf einer Zeichnung suchen und mit einer Mikrometerschraube dieses Maß an einem kleinen Teil nachmessen. Mit diesem kleinen Test sieht man schon sehr viel an geforderten Fertigkeiten (die Haupttätigkeit wird Messen und Prüfen sein)

Danach hätte ich den Bewerber in einem kleinen halbstündigen Rundgang seinen zukünftigen wirkungskreis gezeigt

Kann man sowas machen (kleine Prüfung?)

Was ist der Unterschied ob ich den Tisch vereinnahme oder ihm den Gegenüber überlasse?

Die Sympathie ist wichtig. In meiner Abteilung habe ich Moment neun Mitarbeiter, allesamt ein Spitzenteam wobei sich da jeder auf jeden verlassen kann. Die Chemie unter den Angestellten ist ausgezeichnet. Das der "Neue2 sich in dieses Team einfügen kann ist auch eine Grundbedingung. Ich bin schon sehr gespannt wies läuft. Ich glaube ich werde auch ziemlich angespannt sein :smile:

Gruß
Stefan

Abend Namensvetter!

du hast mir ein paar Denkanstöße gegeben. Das ich den
Lebenslauf des Bewerbers kenne ist klar, aber dass ich ein
paar Fragen aus dessen Fachgebiete stelle auf die Idee wäre
ich nicht gekommen.

Sagen wir mal so, damit bekommst du raus ob er überhaupt in seinem
eigenem Fachgebiet fit ist und kannst ihm meist ein wenig die
Nervosität nehmen, da er sich in einem Bereich bewegt in dem er
sicher ist. Desweiteren merkt man ob er in der Lage ist etwas zu
präsentieren.

Weiters hätte ich gerne eine kleine Überprüfung einer der
Mindestforderungen:
Ein Maß auf einer Zeichnung suchen und mit einer
Mikrometerschraube dieses Maß an einem kleinen Teil
nachmessen. Mit diesem kleinen Test sieht man schon sehr viel
an geforderten Fertigkeiten (die Haupttätigkeit wird Messen
und Prüfen sein)

OK!

Danach hätte ich den Bewerber in einem kleinen halbstündigen
Rundgang seinen zukünftigen wirkungskreis gezeigt

Nee, das mache ich nur mit Bewerbern die in die engste Auswahl kommen
und damit ganz am Ende.

Kann man sowas machen (kleine Prüfung?)

Na klar. Allerdings von leicht nach schwer und wenn eine einzelne
Aufgabe nicht klappt ein, zweimal helfen und dann abbrechen. Manchmal
haben wir ein Brett vorm Kopf daher nicht auf einen einzelnen Test
beharren sondern die Gesamtheit ist wichtig.

Was ist der Unterschied ob ich den Tisch vereinnahme oder ihm
den Gegenüber überlasse?

Das kann man nicht ganz so einfach erklären (oder besser ich kann es
nicht). Ich möchte halt das Gespräch leiten, du wirst es erleben,
das es Bewerber gibt die ständig versuchen das Gespräch zu übernehmen.

Nach dem Anfangsgeplenkel gibt es immer das Ziel, du stellst kurze
Fragen und der Bewerber erzählt.
Achte auf die Zeit in der du erzählst und wann der Bewerber was
erzählt. Nur bei letzterem lernst du ihn kennen und das ist dein Ziel.

Die Sympathie ist wichtig. In meiner Abteilung habe ich Moment
neun Mitarbeiter, allesamt ein Spitzenteam wobei sich da jeder
auf jeden verlassen kann. Die Chemie unter den Angestellten
ist ausgezeichnet. Das der "Neue2 sich in dieses Team einfügen
kann ist auch eine Grundbedingung. Ich bin schon sehr gespannt
wies läuft.

Dies herauszubekommen ist sehr schwer und manchmal ergibt sich das
auch erst in der Probezeit. Ich habe mir allerdings immer eine
zweite Meinung dazu geholt.

Ich glaube ich werde auch ziemlich angespannt sein :smile:

Das ist man bei den ersten Gesprächen wohl, daher mein vorheriges
„PS“.

Gruß
Stefan