Wie sucht man 'Longseller'? Per Auflagen-Anzahl?

Moin,

Wie kann man „Longseller“ finden, Bücher also, die über lange Zeit konstant gut verkauft wurden (im Unterschied zu Bestsellern, die kurz gut verkauft werden)?

Was sagt hier die Anzahl der Neuauflagen aus? Werden vergleichbar große Mengen pro Auflage gedruckt, oder verändert sich das mit der Zeit?
Hat man in früheren Jahrzehnten (wegen anderer Druckereitechnik oder Lagerorganisation zum Beispiel)
Auflagengrößen anders kalkuliert?

Gruß und Danke
Hannes

Hallo Hannes -

das klassische Problem bei Verkaufszahlenstatistiken ist, daß die Angaben ja aus zig verschiedenen Quellen zusammengestellt werden müssen, die alle ihre ganz eigene Kalkulation haben (auch was Informationsweitergaben betrifft). Da wird ein in Stapeln liegengebliebenes Buch gerne schonmal als Megaerfolg deklariert, damit (quasi wie bei einer self-fulfilling prophecy) es dann auf die Erfolgsmeldung hin zur Kenntnis genommen und gekauft wird.

Bei Longsellern ist das Problem, das oft die Lizenzen noch von diversen Verlagen zusammengetragen werden müssen - sagen wir, die Hardcoverausgabe war einst bei Piper, erschien dann bei Klett-Cotta, während die Taschenbuchausgabe bei Goldmann verlegt wurde (in, über die Jahre verteilt, drei verschiedenen Varianten - einmal in der Allgemeinen Reihe, einmal in einer Sonderreihe, dann nochmal als Aktionstitel). Da sind sehr schnell die Zahlen sehr unzuverlässig.

Aus der Auflagenhöhe läßt sich nicht unbedingt etwas ableiten, denn jeder Verlag wird so viel drucken, wie er hofft, innerhalb einer kalkulierbaren Zeitspanne auch verkaufen zu können. Ein Buch zu einem aktuellen Thema kann eine einmalige, sehr hohe Auflage haben, während z.B. ein Fachbuch-/Standardwerk zwanzig Auflagen in geringer Höhe erleben wird. Der Verlag will ja nicht nur günstig drucken, sondern auch möglichst wenig Lager haben, weil das nur totes Kapital ist. Das ideale Buch ist aus Verlagssicht eines, dessen letztes Exemplar der 1. Auflage an dem Tag verkauft ist, an dem die Produktion der 2. Auflage beginnt.

Die halbwegs zuverlässigste Quelle dürften immer die ursprünglichen Lizenzinhaber sein, wobei da auch schonmal die Gefahr bestehen mag, dass die Anzahl der verkauften Titel/Lizenzen höher angegeben wird, DAMIT das Buch als erfolgreicher erscheint, als es ist.

Ich denke, je älter ein Titel ist, desto eher wird die Anzahl der verkauften Titel nebensächlich und geht in andere Kriterien über - z.B. die Frage, ob der Titel dauerhaft immer irgendwo lieferbar war; wie oft er übersetzt wurde; ob der Titel sich als bekannter Klassiker hat etablieren können, ob er oft zitiert wird, ob er bei Lieblingsbücherumfragen genannt wird usw.

Es gibt auch andere Quellen für Longseller. So hat der Rowohlt-Verlag jahrelang immer wieder eine Umfrage bei Buchhändlern gemacht, welcher Titel des Verlages von den Sortimentern am liebsten empfohlen wird (jenseits reiner Verkaufszahlen). Soweit ich erinnere, war da über lange Zeit hinweg Margret Cravens „Ich hörte die Eule, sie rief meinen Namen“ ein Favorit, ein Buch, das m.W. nie irgendwo ein Bestseller war.

Soweit von mir. Andere werden sicher noch Infos ergänzen.

Gruß vom Pengoblin

hallo hannes,

ich kenne eigentlich keinen longseller zeitgenössischer literatur, die immer im selben verlag erschienen sind. drum ist ein vergleich der auflagen nicht so ohne weiteres möglich.

Was sagt hier die Anzahl der Neuauflagen aus?

hohe anzahl der auflagen = buch wird gern genommen, nachdruck war erforderlich.

Werden
vergleichbar große Mengen pro Auflage gedruckt, oder verändert
sich das mit der Zeit?

eine mögliche biografie eines buches ist diese:
der verlag erwirbt vom autor die rechte am manuskript für eine gewisse zeit, sagen wir mal, nur so als hausnummer, 5 jahre. zuerst druckt er ein teures hardcover, hat aber gleichzeitig die taschenbuchrechte schon an einen geeigneten verlag verkauft, ebenfalls für eine gewisse dauer (und möglichst für einen betrag, der die produktionskosten des hardcoververlags abdeckt.) manche verlage oder verlagsgruppen verlegen beides, HC und TB.
diese beiden versionen des buches laufen nun eine zeitlang, nacheinander oder vielleicht sogar parallel, je nachdem, wie gut sie sich verkaufen. nach der zeit x (hier 5 jahre) fallen sämtliche rechte an den autor zurück.
der geht nun los und guckt, ob er nicht einen neuen verlag findet, der sein werk drucken will. dabei ist der autor meistens von einem gewissen gewinnstreben geleitet. er findet verlag y, der ihm eine zufriedenstellende summe zu zahlen bereit ist und schließt mit ihm wiederum einen vertrag über eine gewisse zeit ab. danach folgt der nächste verlag. oder z.b. weltbild, d.h. verlage, die sich darauf spezialisiert haben, die rechte bereits erschienener werke aufzukaufen.
auf diese weise kann ein buch 20 jahre oder länger im buchhandel sein. wie hoch die jeweilige auflage ist, wird von jedem verlag neu bestimmt.

zu der lagerhaltung kann ich dir leider nix sagen.

gruß
ann