Hallo Hannes -
das klassische Problem bei Verkaufszahlenstatistiken ist, daß die Angaben ja aus zig verschiedenen Quellen zusammengestellt werden müssen, die alle ihre ganz eigene Kalkulation haben (auch was Informationsweitergaben betrifft). Da wird ein in Stapeln liegengebliebenes Buch gerne schonmal als Megaerfolg deklariert, damit (quasi wie bei einer self-fulfilling prophecy) es dann auf die Erfolgsmeldung hin zur Kenntnis genommen und gekauft wird.
Bei Longsellern ist das Problem, das oft die Lizenzen noch von diversen Verlagen zusammengetragen werden müssen - sagen wir, die Hardcoverausgabe war einst bei Piper, erschien dann bei Klett-Cotta, während die Taschenbuchausgabe bei Goldmann verlegt wurde (in, über die Jahre verteilt, drei verschiedenen Varianten - einmal in der Allgemeinen Reihe, einmal in einer Sonderreihe, dann nochmal als Aktionstitel). Da sind sehr schnell die Zahlen sehr unzuverlässig.
Aus der Auflagenhöhe läßt sich nicht unbedingt etwas ableiten, denn jeder Verlag wird so viel drucken, wie er hofft, innerhalb einer kalkulierbaren Zeitspanne auch verkaufen zu können. Ein Buch zu einem aktuellen Thema kann eine einmalige, sehr hohe Auflage haben, während z.B. ein Fachbuch-/Standardwerk zwanzig Auflagen in geringer Höhe erleben wird. Der Verlag will ja nicht nur günstig drucken, sondern auch möglichst wenig Lager haben, weil das nur totes Kapital ist. Das ideale Buch ist aus Verlagssicht eines, dessen letztes Exemplar der 1. Auflage an dem Tag verkauft ist, an dem die Produktion der 2. Auflage beginnt.
Die halbwegs zuverlässigste Quelle dürften immer die ursprünglichen Lizenzinhaber sein, wobei da auch schonmal die Gefahr bestehen mag, dass die Anzahl der verkauften Titel/Lizenzen höher angegeben wird, DAMIT das Buch als erfolgreicher erscheint, als es ist.
Ich denke, je älter ein Titel ist, desto eher wird die Anzahl der verkauften Titel nebensächlich und geht in andere Kriterien über - z.B. die Frage, ob der Titel dauerhaft immer irgendwo lieferbar war; wie oft er übersetzt wurde; ob der Titel sich als bekannter Klassiker hat etablieren können, ob er oft zitiert wird, ob er bei Lieblingsbücherumfragen genannt wird usw.
Es gibt auch andere Quellen für Longseller. So hat der Rowohlt-Verlag jahrelang immer wieder eine Umfrage bei Buchhändlern gemacht, welcher Titel des Verlages von den Sortimentern am liebsten empfohlen wird (jenseits reiner Verkaufszahlen). Soweit ich erinnere, war da über lange Zeit hinweg Margret Cravens „Ich hörte die Eule, sie rief meinen Namen“ ein Favorit, ein Buch, das m.W. nie irgendwo ein Bestseller war.
Soweit von mir. Andere werden sicher noch Infos ergänzen.
Gruß vom Pengoblin