Servus Karen,
die Besichtigungen, von denen Du schreibst, könnten vielleicht in Les Baux de Provence oder in Aigues Mortes sein. Beides ein Stück von Marseille weg, aber die bekanntesten erhaltenen mittelalterlichen Städte im weiten Umkreis. Der Eintritt in der Burg von Les Baux kostet 7,50 €, der zur Stadtmauer von Aigues Mortes 5,50 € - dort gibts noch verschiedene Museen (ein interessantes historisches und ein „Foltermuseum“, das genauso blöd ist wie das in Rothenburg o.T., aber die Leut mögens halt … Eintrittsgelder bei solchen kleineren Museen normalerweise 3-5 €.
Selbstverpflegung in Frankreich ist für Jugendliche (meiner Erinnerung nach, aber ich hatte 1976 auch noch das Extraproblem mit der Umrechnung in Francs) relativ teuer. Das hängt damit zusammen, daß die billigen Lebensmittelläden in riesigen Komplexen (etwa wie bei uns Walmart) an den Autobahnen stehen, während das, was man vor Ort findet, eher solche Edeka-ähnlichen Läden „Coccinelle“ und „Casino“ sind. Wenn man sich da von „einfachen Dingen“ wie Obst und Käse begeistern lässt, hat man ruckzuck einen Zwanziger und mehr dort gelassen, ohne besonders schwer dran zu tragen.
Vieles hängt davon ab, in welchem Umfang die Jugendlichen daheim im Haushalt mit Einkaufen zu tun haben: Ob sie Vorstellungen von Preisen (hundert Gramm Käse, ein Pfund Brot, ein Liter Milch, ein Kilo Pfirsiche) haben oder nicht.
Wenn Du den Reisenden eine Empfehlung mitgeben willst: Von den Preisen her eher unterhalb „Casino“ und „Coccinelle“ ist die Filialkette E.Leclerc, die man auch in den Innenstädten und nicht bloß an der Autobahn findet. Zu Lidl (dens auch in Frankreich inzwischen gibt) würde ich sie nicht verdonnern, der verkauft überall den gleichen Ramsch, aber in Frankreich tut das noch mehr weh, wenn man direkt daneben die schönsten Dinge aus den Gärten der Provence sehen, riechen und schmecken kann.
Von Markthändlern und Bauern am Verkaufsstand bin ich auch zu Zeiten, als ich kaum Französisch konnte, nie übers Ohr gehauen worden - im Gegenteil, man hat mir schon angesehen, daß ich keine Reichtümer zu verteilen hatte, und schon auch mal eine Handvoll Kirschen extra mitgegeben. Und da gabs auch noch den Bretonen, der mich - es war heiß, und ich hatte kein Glück mit dem Trampen - ranwinkte „Magst Du Cidre?“ und mir dann die Feldflasche aus seinem Keller gefüllt hat, dabei so gut ichs halt verstanden habe versucht hat, mir mit Händen und Füßen zu erklären, daß man vom Wassertrinken Rost ansetzt…
Ich - mit jetzt grade ziemlich engem Budget - versteh Deine Überlegungen gut, aber wenn ich dran denke, wie lange ich mich an mein erstes Pfund Provence-Pfirsiche erinnert habe (das war so ähnlich wie ein Ganzkörperbad in Rosenwasser…), denk ich: Lass sie leben, richte ihnen ein Tagesbudget so großzügig wie möglich ein. Zwischen Orange und Marseille ist „aus der Hand essen“ etwas so fantastisch Gutes, daß es ein bissel mehr Geld kosten darf.
Preise für Getränke und einfachen Imbiss sind in Frankreich generell etwas unterhalb des deutschen Niveaus, das Jahr 2002 hat da viel ausgemacht: Die französischen Kontrollbehörden waren monatelang emsig damit beschäftigt, Bußgeldbescheide an Gastwirte zu verteilen, die den Euro nicht sauber umgerechnet hatten; heute kostet ein Mittagessen in einer Brasserie zweihundert Meter vom Pariser Montparnasse-Bahnhof weg eher weniger als eines in meiner „Metropole“ Mannheim. Andererseits wird man als Tourist in unbekannter Umgebung als allererstes in die „Touristenfallen“ reinstolpern, wo das Geschäft halt in den vier Monaten gemacht wird, wenn die Fremden da sind, und man in diesen vier Monaten für den Rest vom Jahr mit verdienen muss - also auch da ein bissel Spielraum nach oben lassen, wenns geht.
Das ist jetzt mehr ein Loblied aufs Reisen geworden als eine technische Auskunft, aber vielleicht kannst Du Dir was Nützliches rauspicken.
Schöne Grüße
MM