Wie überlebe ich das Jahr 2006?

Nach arbeitsreichen Jahren würde ich mich gerne ausruhen und mich um innere Entwicklungen kümmern. Ich bin auch nicht mehr so belastbar. Körperlich und seelisch.

Aber das nächste Jahr verspricht wieder jede Menge Arbeit! Überstunden, Wochenende! Einfach einen Tag verschwinden geht nicht. So richtig erholen könnte ich mich dabei auch nicht. :frowning:

Ich bin echt froh, daß ich nun eine Woche lang Urlaub habe und durchschnaufen kann. Ich bin fix und alle. Wie überlebe ich nur das nächste, stressige Jahr??

Sabbatjahr?
Hallo Sylvia,

hast Du mal ein Sabbatjahr in Erwägung gezogen? Das geht auch hier in Deutschland, und der Arbeitgeber zahlt teilweise weiter. Leider steht in Deiner ViKa nicht, was Du machst, sonst fiele mir vielleicht noch mehr ein.

Glaube einer, die mal echter Workaholic war (über 60-Stunden-Wochen habe ich damals nur müde gelächelt):
Es geht IMMER anders.

Ich wünsche Dir ein ruhiges und friedliches 2006! :smile:
Liebe Grüße,
Nike

Hallo Sylvia,

da Du in Deiner ViKa keinerlei Angaben zu Dir machst, können alle Antworten mehr oder minder Schüsse ins Blaue sein - hier meiner:

Sprich´ offen und ehrlich (!) mit Deinem Hausarzt über Deine Situation, wie es Dir geht und wie Du Dich fühlst. U. U. wird er Dich für arbeitsunfähig erkrankt halten oder an einen Spezialisten (Psychologen wg. Burn-out-Syndrom [?]) überweisen.

Entscheidend ist m. E., dass Du Dir der enormen Belastung bewusst wirst und RECHTZEITIG aktiv wirst (Hier tust Du schon mind. den ersten Schritt). Wenn Du aus eigener Kraft „aus der Mühle nicht herauskommst“, geht es nur mit ärztlicher und ggf. therapeutischer Begleitung. Ich könnte mir vorstellen, dass Dir eine stationäre Reha zu Abstand verhelfen würde - aber derartiges geht immer nur mit einem Arzt/Therapeuten.

Übrigens: Wenn Du nicht früh genug die Notbremse ziehst, tut es ein anderer Teil von Dir! Herzinfarkte z. B. haben an Weihnachten Hochkonjunktur.

Ich bin Programmiererin von Beruf in einem mittelständigen Familienbetrieb. Die letzten 5 Jahre haben wir das System auf eine neue Plattform gehieft. Im Sommer ging der letzte Meilenstein in Produktion. Das Weihnachtsgeschäft haben wir auch soweit überstanden. Jahreswechsel kommt noch.

Ich dachte, das nächste Jahr wird ruhiger. Pustekuchen! Meine Firma hat eine andere aufgekauft. Nun müssen wir wieder ran, um unser System entsprechend aufzubohren. Da ist doch anders als in unserer Branche. Das wird noch obergärig werden. Andererseits bin ich froh, Arbeit zu haben.

Also keine Möglichkeit, mal kürzerzutreten. Wenn ich hier nicht mitmache, ist Ende mit meiner Zukunft. An meinem Job hänge ich, auch wenn Computer doof sind.

Wie kann ich dem Arbeitspensum standhalten? Wie kann ich mir trotzdem Freiräume schaffen? Wie bekommen Hobby und Erholung genug Raum?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,
ich hatte genau das gleiche Problem Ende 2004.
Meine Lösung…private Serien-Termine in Outlook, Montags und Freitags ab 16:00. Dazu habe ich mir noch vorgenommen einen Tag von Di, Mi oder Do ebenfalls früher als sonst zu beenden.
Hat ganz gut geklappt. Die 2-3 Stunden die ich früher zu Hause bin haben echt gut getan und dann hat man auch Lust einem Hobby nachzugehen…sonst ist man zu ausgepowert.
Das wirklich Seltsame ist, daß ich meinen Job trotzdem weitestgehend erfüllen konnte.
Gruss D.K.

Tunnelblick
Hallo Sylvia

Es ist immer schwer, anderen Menschen bei ihren Problemen zu helfen,
selbst wenn man sie gut kennt. Letztlich muss jeder fuer sich
entscheiden. Aussenstehende koennen dir jedoch bei einem
Perspektivwechsel helfen. Damit meine ich, dass Menschen mit der Zeit
in bestimmten Dingen einen Tunnelblick entwickeln. Sie koennen sich
einfach nicht mehr auf einen anderen Standpunkt einlassen, zumindest
emotional nicht mehr. Nachvollziehen koennen sie andere Standpunkte
noch, aber ihn als echte Alternative anzusehen, das gelingt ihnen
dann oft nicht mehr.
Diese Aussage ist von dieser Art:

Wenn ich hier
nicht mitmache, ist Ende mit meiner Zukunft.

Das glaube ich nicht, auch wenn ich keinerlei Details kenne.
Gut, vielleicht ist Ende mit der Zunkunft, auf die du dich ueber
Jahre fixiert, auf die du hingearbeitet hast. Aber ist diese Zukunft,
die dir jetzt noch als einzig akzeptable erscheint, wirklich so toll,
wie du sie dir vorstellst? Ist deine jetzige Lage nicht vielleicht
schon Teil dieser Zukunft?
Viele Menschen schieben das Leben vor sich her. Sie glauben, dies
oder jenes unbedingt noch tun zu muessen, hier noch ein paar Monate
oder Jahre durchzuhalten und dann beginnt das schoene Leben. Aber so
ist das nicht. Du lebst jeden einzelnen Tag und im Prinzip kannst du
jeden einzelnen Tag geniessen, ausser natuerlich du lebst fuer die
schoene Zukunft, der du hinterherlaeufst wie einem Regenbogen.
Keineswegs will ich sagen, dass man alles hinschmeissen soll, wenn es
schwierig wird und natuerlich erreicht man viele wirklich
erstrebenswerte Ziele nur dann, wenn man sich eine ganze Weile
anstrengt. Aber wenn es so ist, wie bei dir, dass du naemlich nicht
mehr kannst und kein Land in Sicht ist, dann MUSST du nach
Alternativen suchen. Und bemuehe dich wirklich von der Vorstellung
loszukommen, es gaebe nur eine Moeglichkeit fuer dich zu leben.
Manche haben ihr Glueck dadurch gefunden, dass sie ihr Leben voellig
auf den Kopf gestellt, praktisch neu begonnen haben. Dazu gehoert
Mut, und klar kann man dabei auf die Nase fallen aber schlimmer als
deine jetzige Lage wird es wohl nicht.
Es gibt Leute, die waren ihr halbes Leben lang auf Karriere fixiert,
haben fleissig studiert mit Auslandsaufenthalt, haben sich keine
Partnerschaft gegoennt, weil die zuviel Zeit gekostet haette, haben 5
unbezahlte Praktika gemacht, sind dem Chef in den Arsch gekrochen,
haben sich jahrelang ausbeuten lassen bis ihr Traum endlich
Wirklichkeit wurde und sie ganz oben in der Chefetage angekommen
waren. Und dann stellen sie fest, dass es da oben ueberhaupt nicht
schoen ist, dass sie immer noch schuften muessen, dass sie staendig
in Zwickmuehlen stecken, weil sie tausend Verbindlichkeiten
eingegangen sind.
Dieses Ziel, da oben anzukommen, war die einzige Zukunft, die sie
sich vorstellen konnten, der raison d’être, aber das damit erhoffte
Glueck wollte sich nicht einstellen.
Manche haben es dann geschafft, andere Lebensmoeglichkeiten
wahrzunehmen und haben alles sein lassen und etwas voellig Neues
begonnen. Und dies nie bereut.
Schon mal den Film American Beauty gesehen? Der Geschaeftsmann lebt
auf, als er seinen Job kuendigt und bei McDonalds anfaengt und seinen
Koerper trainiert. Er haette es vielleicht nie fuer moeglich
gehalten, dass er je so leben und dabei auch noch gluecklich sein
wuerde.

Also: Es gibt immer Alternativen. Du musst versuchen, deine „eine
Zukunft“ loszulassen.

Gruss, Tychi

Liebe Sylvia,

Deine Vorstellungen/Ansprüche/Erwartungen erinnern mich an „schwanger werden, aber nicht dick“.

Also keine Möglichkeit, mal kürzerzutreten. Wenn ich hier
nicht mitmache, ist Ende mit meiner Zukunft. An meinem Job
hänge ich, auch wenn Computer doof sind.

Wie kann ich dem Arbeitspensum standhalten? Wie kann ich mir
trotzdem Freiräume schaffen? Wie bekommen Hobby und Erholung
genug Raum?

Dir fehlt Zeit - die kannst Du nicht kaufen, sondern bestenfalls Dir nur nehmen. Die Zeit, die Du hast (max. 24 h/Tg) kannst Du nur einmal verbrauchen. Du musst sie aufteilen für Job (plus osg. arbeitsgebundene Zeit), Hobby und Erholung.

Wenn ein Punkt mehr braucht, musst Du bei anderen kürzen.

Freiräume schafft man ich übrigens mit einem kleinen Zauberwort, das da heisst: NEIN

Wie überlebe ich nur das nächste, stressige Jahr??

Kopf hoch! Überleben wirst du es sehr wahrscheinlich. Es sei denn, etwas wirklich schlimmes passiert. Davon gehen wir jetzt aber mal nicht aus.

Wichtiger ist wohl, dass du dich fragst was dir fehlt. Auf materielle Träume würde ich dabei aber nicht setzen. Die sind so vergänglich…

Toi, toi, toi!

Hilmar