Liebe/-r wer-weiss-was Experte/-in, ich hoffe hier Hilfe zu finden. Wir haben 2 sehr alte (ca. 40-60 Jahre), sehr hohe Bäume bei uns im Garten. Unser Nachbar hat uns irgendwann im April gefragt, ob er die Bäume und Sträucher auf seiner Seite selbst schneiden dürfte. Wir hatten grundsätzlich nichts dagegen. Nun ist es so, dass er seit Wochen -heute aktuell wieder- mit seiner Leiter und seiner Motorsäge wie ein Wahnsinniger einen Ast nach dem anderen absägt. Mal abgesehen davon dass es langsam furchtbar aussieht, aber gibt es nicht eine Zeit, in der Bäume vielleicht eher nicht geschnitten werden sollten? Was würde denn passieren, wenn er besonders große Schnittflächen nicht richtig „versorgt“? Ich verstehe nicht, wie man sich wegen ein wenig Laub im Garten 1x im Jahr so aufführen kann und den ganzen Baum niedermetzelt…aber das ist eine andere Geschichte…
Lieben Dank im voraus.
Grüße
Lilli
Hallo Lilli,
grundsätzlich ist auch ein Schnitt im Sommer kein Problem. Wird nur nicht praktiziert, weil man keine Übersicht über den Habitus ( Wuchsform)hat.
Größte Vorsicht ist allerdings beim sogenannten stammparallelen Schnittgeboten.Wenn sie Ihre Bäume einmal richtig in Augenschein nehmen, stellen sie fest,das zw.Stamm und Ast so etwas wie eine Naht besteht. Sieht nur so aus, ist im eigentlichen Sinn keine.Sie zeigt den Winkel des Astkernes im Baum an.Grundsätzlich kann man keinen allgemein gültigen Winkel für den Schnitt nennen.Der richtige Schnitt ist abhängig von der Lage des Astkragens, der aber meistens gut erkennbar ist.Wird der Ast allerdings hinter dieser Linie und auch noch parallel zum Stamm abgesägt, kann dies u.U Schädlingen und Krankheiten Tür und Tor öffnen. Wird dann noch Wundverschlußmittel (z.B Tervanol) aufgebracht, tut man dem Baum nicht wirklich einen Gefallen.
Achten sie darauf, das ihr schnittbegeisterter Nachbar die Äste auf jeden Fall erst von unten ansägt,um ein Einreißen der Rinde zu vermeiden. Überhaupt, was tut der Mann mit der Motorsäge am Baum? Ich bin da zugegebenermaßen etwas eigen, stehe aber auf dem Standpunkt daß ein Laie (zu dem ich Ihren Nachbarn jetzt einfach mal zähle
mit der Motorsäge wegen der oben aufgezeigten Problematik keinen sauberen Schnitt hinkriegt.
Wenn, dann nur mit der Handsäge.
Wenn sie sich für das Thema Baumschnitt interessieren, empfehle ich Alex L. Shigo.
Für mich der Baumexperte überhaupt.
Ich hoffe, ich konnte helfen und bin nicht über das Ziel hinaus geschossen 
viele Grüße aus dem Schwarzwald
Randolf
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Hallo und zunächst einmal Entschuldigung, dass ich nicht sofort auf die Anfrage geantwortet habe.
Meines Wissens ist es schlecht Bäume im Winter zu schneiden, weil ihre Wunden dann klaffen und, aufgrund der Vegetationspause und deswegen fehlenden Saftstromes des Baumes, nicht zuheilen. Im Sommer andererseits, als Höhepunkt der Vegetation ist es auch ungünstig, da dort einerseits die Säfte aus der Wunde nur so herausfließen und der Baum mehr oder weniger „verblutet“, zum anderen finden aber auch Pilze und andere Keime ihren Weg in den Baum und zerfressen ihn von ihnen, sodass er abstirbt. Die ideale Zeit zum Schneiden ist der frühe Frühling (sobald also auch Blumen wachsen, nicht nur Gras), da die Säfte dann wieder fließen, aber Pilze noch nicht zu verbreitet sind (die müssen ja auch erstmal wachsen); andererseits der späte Herbst (beim Beginn des Laubfalls), da dort wiederum schon weniger Säfte fließen und auch die Pilze absterben (was heißt: wenn kaum mehr Pilze im Wald zu finden sind, gilt auch für andere Arten von Pilzen, dass sie weniger werden). Soviel zum Schneiden.
Zum Thema der Versorgung: wenn es um den eigenen Baum im Garten geht (wobei ein Förster das sogar im Wald macht), so muss dessen Wunde mit Baumharz bestrichen werde. Wird dies nicht getan, so dringen eben oben erwähnte Pilze ein, zerfressen den Baum und töten ihn damit in den meisten Fällen.
Ich kann die Handlungen Ihres Nachbarn auch nicht nachvollziehen. Leider können Sie da rechtlich nicht dran, denn auf dem eigenen Grundstück kann man anpflanzen und fällen, was man will. (Da ist unsere Gesetzgebung leider nicht so weit.)
Vielleicht hilft es, wenn Sie mit Ihrem Nachbar nochmal darüber reden, wenigstens insoweit als er den Baum versorgen sollte.
Ich jedenfalls wünsche Ihnen dabei viel Erfolg und hoffe, dass Sie sich einigen können und es dem Baum bald besser geht.
Liebe Grüße,
Gullin