Wie und was gegen Kinderlügen

Hallo,

ich habe einen 11 jährigen Sohn, der jetzt - nach Wohnortwechsel -
das Lügen begonnen hat. Nun frage ich, ob mir jemand Tipps geben kann dem sozusagen von Anfang an entgegen zu steuern.

mfG
Uwe

Hallo Uwe!

  1. Tipp: versuch’s auch im Eltern-Kinder Brett (ein wenig weiter unten).

  2. Tipp: sprich mit ihm darüber (von Mann zu Mann, also ohne Vorwurf). Vielleicht muss er sich seine gesellschaftliche Postion in der neuen Umgebung suchen, und tut sich dabei schwer. Kurzzeitig glaubt er vielleicht, sich mit „theater spielen“ leichter zu tun…

lg. Christine

hallo,

da hilft viel schimpfen, sehr streng sein und eine Tracht Prügel …

autoritäre Erziehung !

Es muss Zucht und Ordnung herrschen *g*

gruss

chatboy

Hi

ich habe einen 11 jährigen Sohn, der jetzt - nach
Wohnortwechsel - das Lügen begonnen hat.

Was sind das für Lügen. Will er sich damit

  • aktiv einen Vorteil zukommen lassen, oder
  • aus Angst sein Versagen kaschieren

Nun frage ich, ob mir jemand Tipps geben kann
dem sozusagen von Anfang an entgegen zu steuern.

Du solltest ihm sagen, wemgegenüber er welche
Lügen verwenden darf. Und warum es nötig ist,
den familiären Kodex des Gehorsams auf alle
Fälle zu respektieren.

Dann sollte man sehen, ob es sich tatsächlich
um „Lügen“ handelt oder um angstverursachte
„Realitätsanpassung“.

(Frei nach Kinderpsychologe Prof. Priglpaitsch)

Euer CMБ

Hallo Uwe,

sicherlich ist es bei nur wenigen Angaben sehr schwierig, konkrete Verhaltenshinweise zu geben, daher möchte ich Dir nur ganz allgemein antworten.

Es stellt sich die Frage, wie auf das Lügen von der Umwelt reagiert wird. Erfährt Dein Sohn eine positive Konsequenz (z.B. kann er sich etwas Süßes „erschwindeln“ [positive Verstärkung] oder eine Lüge bewahrt ihn vor Strafe [negative Verstärkung]), dann wird die Wahrscheinlichkeit des Lügens bei einer gleichartigen Situation umso größer. Um die Wahrscheinlichkeit für das Lügenverhalten in diesen Situationen zu verringern, sind zwei Möglichkeiten gegeben:

Veränderung der Konsequenzen des Lügenverhaltens, so dass keine positive oder negative Verstärkung erzielt wird (führt theoretisch zur „Löschung“ des Lügenverhaltens)

und/oder

[1. unter Umständen einschließend] es folgt eine Strafe auf das Lügenverhalten.

Es ist dabei wesentlich, dass diese Konsequenzen zeitlich direkt nach der Lüge auftreten, von Bedeutung für Deinen Sohn sind und er sie als Konsequenzen aus dem Lügenverhalten erkennen kann. Des Weiteren sollten diese veränderten Konsequenzen zumindest zunächst bei möglichst jedem Zeigen des Lügenverhaltens eintreten.

Eine weitere Möglichkeit der Veränderung besteht darin, das Lügenwerhalten nicht auftreten zu lassen, z.B.:

die Möglichkeit zum Lügen wird nicht mehr gegeben [z.B. durch Überwachung, Befragen von „Zeugen“ zu Verhalten, das mit Lügen „kaschiert“ werden soll in Anwesenheit des Sohnes, bevor er befragt wird etc.]

das Verhalten, das durch Lügen verschleiert werden soll, zieht andere Konsequenzen als die bislang erzielten/erwarteten nach sich [folgte z.B. bislang Bestrafung, ist dies nun nicht mehr der Fall --> Beispiel: beim Spielen wurde fremdes Eigentum zerstört, was aus Antizipation von Bestrafung abgestritten wird]

„ehrliches“ Verhalten wird systematisch positiv oder negativ verstärkt; d.h. nach Ehrlichkeit werden Belohnungen gegeben (positive Verstärkung) bzw. werden keine/geringe/geringere Strafen (als bei Lügen) gegeben.

Es ist am sinnvollsten, eine Mischung aus den genannten Techniken auszuwählen, die Dir am ökonomisch günstig erscheint. Gute Ergebnisse lassen sich sicherlich durch das Verstärken von Ehrlichkeit und dem Vermeiden positiver Konsequenzen durch Lügen erzielen. In mir bekannten Fällen konnte hier ein sogenanntes „Kontraktmanagement“ verwendet werden, bei dem ein offizieller Vertrag abgeschlossen wird, indem die genauen Konsequenzen von Richtig- und Fehlverhalten von beiden Parteien festgelegt werden.

Allerdings bitte ich zu bedenken: Die Verhaltensmodifikation ist vermutlich nicht nur von Dir allein abhängig, denn es wirken viele verschiedene Personen auf Deinen Sohn ein. Es ist dabei durchaus möglich, dass Dein Sohn nach Anwendung dieser Vorschläge zwar bei Dir „ehrlich“ ist/wird/bleibt, aber bei anderen Personen, bzw. in anderen Situationen sein bisheriges Verhalten (aufgrund positiver Konsequenzen für ihn) beibehält. So ist es beispielsweise vorstellbar, dass Schulfreunde ihn zum Lügen „anstiften“ und er durch sie eine große positive Verstärkung erhält (z.B. Anerkennung; Hierarchieaufstieg im Freundeskreis), der kaum etwas Gleichwertiges von Dir entgegengesetzt werden kann. Damit möchte ich sagen, dass ein allgemeiner Ratschlag hier zwar möglich ist, aber die konkreten Variablen sehr kompliziert sein können und mitunter unüberschaubar sind.

Als besondere Brisanz ist selbstverständlich noch zu beachten, dass das Lügenverhalten von Dir als solches sicher erkannt werden muss. Inwieweit dies vorliegt, ist nur Dir bekannt. Ein sicheres Erkennen ist allerdings die Grundlage der Verhaltensmodifikation.

Ich hoffe, Dir geholfen zu haben,

Der Captain

Nur mal ganz kurz… Du sagst uns nicht, um welche Art von Lügen es sich handelt, aber da Du Dich hier im Forum erkundigst, nehme ich an, dass es Sachen sind, die Du ernst nimmst, weil sie nicht banal sind.

  • Hat er einen neuen Freundeskreis, bzw baut er ihn auf, und die ‚Ideologie‘ dieses Freundeskreises enspricht nicht der ‚Ideologie‘ seines Elternhauses? (eh, klar ist Ideologie hier bei nem 11jährigen nicht angebracht, aber da mir kein besseres Wort einfällt, hoffe ich, dass Du mich in etwa verstehst).

  • Sind die ‚Lügen‘ vielleicht doch banaler, als Du sie siehst?
    Hat er zB Heimweh nach seiner alten Umgebung, der alten Wohnung, den alten Freunden, und begibt sich, weil er sich in seiner neuen Umgebung noch nicht wohlfühlt, in eine Fantasiewelt?

Können die ‚Lügen‘ Dinge sein, die er eben durch seine Fantasie angeregt erzählt?

Ich hab mich vor ein paar Tagen mit meiner Vermieterin unterhalten (hab ein Zimmer bei ihr, wir sind also quasi WG-Genossen). Sie ist älter, und sehr kreativ. Sie regte sich FÜRCHTERLICH auf, dass ihre Mutter so streng war, dass Tochter nicht mal fantasieren durfte. Jegliche Fantasie wurde als Lüge abgetan, und sie meinte ‚that her imagination was stifled at this young age‘. Ich selber musste dabei daran denken, wie mir Mädchen (ca zwischen Alter 9-11, falls ich mich richtig erinnere) einer Kindergruppe, die ich leitete, von einem Reh erzählten, das sie verletzt im Wald gefunden hätten, und dem sie das Bein verbunden hätten…
Ich wusste damals (ich war 16) gar nicht, wie ich damit umgehen sollte. Mir war klar, dass das, naja, krass gesagt, eine Lüge war.
Andererseits war mir aber auch klar, dass sie wahrscheinlich Sachen im Fernsehen, oder in Büchern, gesehen bzw gelesen hatten, durch die sie auf diese Reh-Geschichte kamen.

Am Ende hab ich nur genickt & gelächelt - so nach dem Motto, sollen sie doch denken, dass ich’s ihnen glaube, ist mir doch egal.
Andererseits wusste ich ja auch, dass sie mich damit nicht ‚verarschen‘ wollten, dass also trotz Akzeptanz dieser Geschichte meine Autorität nicht untergraben würde.
Also, wen stört’s?, dachte ich.

Sorry, mehr hab ich dazu jetzt nicht zu sagen, also höre ich lieber mal auf, bevor ich den Faden verliere.

Dir & Sohn viel Glück!
Isabel

PS
Hi,

ich hatte gestern nicht nur Besorgnis, dass ich den Faden verliere - ich hab ihn auch verloren. Hatte Dir nämlich eigentlich folgendes sagen wollen:

Wenn Du Deinen Sohn ‚zur Rede stellst‘, dann stell ihn bitte nicht zur Rede, sondern rede mit ihm.

Sag ihm, dass es Dir aufgefallen ist, dass er unwahre Sachen erzählt (nenn’ sie wie Du willst, aber nenn sie nicht Lügen), und frag ihn, was mit ihm los ist:

Warum er sich entweder nicht traut, die Wahrheit zu sagen?
Oder warum er sich auf einmal stories ausdenkt?

Ich bin nämlich der Meinung, dass das Lügen an sich nicht etwas ist, das bestraft werden sollte. Es ist, wie vieles andere, Ausdruck eines Problems. Soll heissen, es gibt eine Ursache. Das Lügen ist nur ein Symptom. Wenn Du es schaffen solltest, ein gutes Gespräch mit ihm zu führen, wenn Du eine gut genuge Beziehung zu deinem Sohn hast (bzw wenn er genug Vertrauen zu dir hat), kommst Du der Sache vielleicht auf den Grund.

Ob diese Sache belanglos ist, oder doch etwas, das Dir weiterhin Sorgen machen wird, wird sich erst dann herausstellen.
Aber da ich Dich nicht kenne, weiss ich nicht, wie Deine Einstellung zum Leben allgemein ist, und wie ‚streng‘ Du in der Erziehung Deines Sohnes bist.

Falls Du recht streng sein solltest, dann würde ich mir vor einem Gespräch erstmal überlegen, ob es Sachen gibt, die Dein Sohn & andere in seinem Alter für normal finden, die Du aber nicht akzeptierst.
So würde sich das Lügen nämlich auch recht leicht erklären, und ich würde deinem Sohn sicherlich nicht die ganze Schuld dafür in die Schuhe stecken. Sondern mal revidieren, ob ich überhaupt weiss, was im Leben & im Hirn eines 11jährigen vor sich geht.

Entschuldige - da ich die Situation ja nun überhaupt nicht kenne, wird natürlich nur das ein oder andere darauf zutreffen. Aber vielleicht kannst du trotzdem Nutzen ziehen aus dem, was ich geschrieben habe - nach dem Motto ‚nicht zutreffendes streichen‘.

Gruss, Isabel

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Prügel …

autoritäre Erziehung !

Es muss Zucht und Ordnung herrschen *g*

gruss

chatboy

Notlügen
Hallo Uwe,

ich habe einen 11 jährigen Sohn, der jetzt - nach
Wohnortwechsel -
das Lügen begonnen hat.

Wieso fängt Dein Sohn erst mit 11 Jahren zu lügen an, wenn bereits Kindern im Vorschulalter beigebracht wird, erfolgreich zu lügen? Wenn Du die Lügen als solche erkennst, dann dürfte das nicht Dein Nachteil sein. Viel schlimmer ist, wenn uns Politiker belügen, wo es um Milliardenbeträge geht.
Noch einen schönen Sommer mit viel Wahrheit
Franz

Hy chatboy,

wer hat dir denn diesen Unsinn eingetrichtert!

Schläge! Wenn ich das schon höre. Was meinst du, was das bringt? Nicht - rein gar nichts, außer dass das Kind aus lauter Angst noch mehr lügt.

Du solltest mal deine Erziehungsmethoden überdenken.

Und der/die Sternchengeber/in sollte sich in Grund und Boden schämen!

Gruß

Pooch

chatboy:

da hilft viel schimpfen, sehr streng sein und eine Tracht Prügel …

Pooch:

wer hat dir denn diesen Unsinn eingetrichtert!
Schläge! Wenn ich das schon höre.

Laut Deiner Vika:

„Ich nehme nicht alles tierisch ernst und lache gerne.“

und

„Ist meine Laune allerdings bei Null angelangt,
dann geht man mir besser aus dem Weg,
denn sonst kracht es heftig.“

Was lernt uns das?

Euer CMБ

… ich keine Kinder schlage.

Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun und Kinder können mich niemals richtig sauer machen.

Sauer, richtig sauer machen mich solche Aussagen wie die von chatboy und dir.

Pooch

Hi Pooch,
lies dir das alles noch mal in Ruhe durch.
Vielleicht faellt dir dann auf, dass hier einer auf etwas
kryptische Art davor warnt, Kinderluegen zu ernst zu nehmen.
Und jemand anders dich dann darauf hinweist, dass du
entgegen deiner Vika-Aussagen wohl keinen Ironiedetektor
eingebaut hast.
Gruesse, Elke
(Und jetzt komm ich mir genauso bloed vor, als ob ich im Witze-
brett jemand einen Witz erklaert haette.)

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… ist Ironie fehl am Platze!

Hallo Elke,

alleine eine solche Antwort - egal ob ironisch oder nicht - finde ich derb und Gewalt an Kindern ist kein Thema zum Scherzen.

Und jemand anders dich dann darauf hinweist, dass du
entgegen deiner Vika-Aussagen wohl keinen Ironiedetektor
eingebaut hast.

Humor und nicht alles tierisch Erst nehmen, das ist etwas vollkommen anders, als die von dir erwähnte Ironie.

Lesen und nicht vermuten!

Freundliche Grüße

Pooch

Ein Gedanke
Hallo Uwe,

ich meine das das Lügen an sich eher das kleinere Problem ist, und die Umstände die dein Kind dazu ‚zwingen‘ die grösseren sind.

Der Umzug könnte damit zu tun haben. Das Kind verlässt sein gewohntes Umfeld, verliert Freunde, steht vor einem Neuanfang. ‚Neulinge‘ haben es in dem Alter auch nicht besonders einfach, es fühlt sich auch vielleicht dadurch generell etwas unverstanden.

Aber der Umzug ist ja auch für die Eltern stressig, und könnte vielleicht auch so wieder auf das Kind zurückfallen.

Eine Idee warum er das tut:
Lügen als Schutzmechanismus für sich selbst, und als Versuch ‚Ärger‘ den Eltern zu ersparen.

Einen freundlichen Gruss an dich und deinen Sohn
Matze