Wie verdient eine AG durch Aktienemission/verkauf?

Hallo,

welche Möglichkeiten gibt es für eine am Kapitalmarkt in der Form einer AG „gelisteten“ Unternehmens „an Geld“ zu bekommen?
Wenn ein Unternehmen neu an den Kapitalmarkt geht vekauft es ja die Aktien und gewinnt/verdient dabei den Differenzbetrag zwischen Marktpreis/Emissionspeis und dem Nennpreis(der ja das Grundkapital darstellt). Diese Differenz wird dann als Rücklage eingestellt und kann später für Investitionen genutzt werden.

Stimmt das soweit?

Der andere Fall, ein Unternehmen ist bereits an Kapitalmarkt:

Gibt es auch die Möglichkeit, dass ein Unternehmen Aktien irgendwie im Eigenbesitz hält (wie nennt man das ?) und diese dann bei eintsprechender Nachfrage einfach(ohne große Formalitäten) über die Börse verkauft? Die Folge ist ja, dass sich dann der „Free-Float“, erhöht.
Ist sowas wirklich möglich, dass ein Unternehmen so ständig Aktien Verkauft und bei Börsenschwäche zurückkauft?
(Wenn ja, steht das nicht im Konflikt zu insiderinformationen die das Unternehmen hat? Es weiss ja immer mehr als externe Investoren.)

Oder ist die einzige weitere Möglichkeit für ein am Kapitalmarkt bereits gelistetes Unternehmen durch eine Kapitalerhöhung an „frisches“ Geld zu kommen ?

Wäre sehr dankbar für Antworten!
Viele Grüße
Thomas

Halllöchen,

Wenn ein Unternehmen neu an den Kapitalmarkt geht vekauft es
ja die Aktien und gewinnt/verdient dabei den Differenzbetrag
zwischen Marktpreis/Emissionspeis und dem Nennpreis(der ja das
Grundkapital darstellt). Diese Differenz wird dann als
Rücklage eingestellt und kann später für Investitionen genutzt
werden.

Stimmt das soweit?

das geht ein bißchen durcheinander. Rollen wir das mal von hinten auf: Das Geld, das dem Unternehmen zufließt, befindet sich nach der emission auf dem Konto. Die Gegenpositionen (auf der Passivseite) sind das gezeichnete Kapital und die Kapitalrücklagen. Unter letzteren wird, wie Du schon sagts, die Differenz zwischen Emissionserlös und Nennkapital ausgewiesen. Betriebswirtschaftliche Manövriermasse für Investitionen oder was auch immer ist aber nur die Liquidität. Die Kapitalrücklage wird im Normalfall bis zum Ende des Unternehmens unabhängig von der Verwendung der zugeflossenen Mittel bestehen bleiben.

Bei einer Erstplatzierung sind zwei Fälle zu unterscheiden:

  1. Das Unternehmen platziert Aktien aus einer vorherigen Kapitalerhöhungen, wobei die bisherigen Aktionäre ganz oder teilweise auf das Bezugsrecht verzichten (sonst würde die ganze Sache ja keinen Sinn machen). In diesem Fall fließt die gesamte Liquidität aus dem Börsengang dem Unternehmen zu, abgl. natürlich der Aufwendungen für die Börsenzulassung, Bankgebühren und sonstigem (z.b. Marketingaufwand).

  2. Die angebotenen Aktien stammen aus dem Bestand der bisherigen Gesellschafter. Dies wird am Kapitalmarkt meist ungern gesehen und führt in den allermeisten Fällen zu einem niedrigerem Emissionserlös bzw. zu einem Scheitern der Emission. Hintergrund ist der Gedanke, daß da wohl die bisherigen Aktionäre Kasse machen wollen oder sogar dem Unternehmen ihr Geld nicht mehr anvertrauen wollen. Hinzu kommt, daß der Emissionerlös dann bisherigen Aktionären und nicht dem Unternehmen zufließt.

Gibt es auch die Möglichkeit, dass ein Unternehmen Aktien
irgendwie im Eigenbesitz hält (wie nennt man das ?) und diese
dann bei eintsprechender Nachfrage einfach(ohne große
Formalitäten) über die Börse verkauft? Die Folge ist ja, dass
sich dann der „Free-Float“, erhöht.

Diese Möglichkeit gibt es. Wenn ich mich recht entsinne, ist die Obergrenze für den Bestand an eigenen Aktien per Gesetz auf max. 10% festgelegt.

Ist sowas wirklich möglich, dass ein Unternehmen so ständig
Aktien Verkauft und bei Börsenschwäche zurückkauft?

Ja, das wird gemacht, wobei die Ankündigung, zukünftig so zu agieren, meistens mehr Einfluß auf den Kurs hat, als die tatsächliche spätere Kurspflege. Allein schon, weil das eigentlich im Augenblick der Kurspflege mitbekommt.

(Wenn ja, steht das nicht im Konflikt zu insiderinformationen
die das Unternehmen hat? Es weiss ja immer mehr als externe
Investoren.)

Mal abgesehen davon, daß ich die ganze Insiderrichtlinien aus wissenschaftlicher Sicht für totalen Unfug halte bzw. für einen Auswuchs der Neidkultur: Insider qua definitionem kann nie das Unternehmen selbst sein.

Gruß
Christian

P.S.
Außer beim Handel mit eigenen Anteilen hat eine Aktienemission (mal abgesehen von der Gebührensache) keinen Einfluß auf die Ertragslage des Unternehmens, insofern ist der im Titel gewählte Begriff „verdient“ fehl am Platze.

Danke fur diese ausführliche Antwort!
Vielen Dank!

war sehr lehrreich!!

Viele Grüße
Thomas

Noch mehr Möglichkeiten
Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, zuerst aber noch der Handel mit eigenen Aktien. Soweit ich mich erinnere, muß sich eine AG von Ihrer HV den Rückkauf genehmignen lassen, diesen öffentlich ankündigen und dann auch nur bis zu der von Christian gennanten Grenze.

Es gibt aber natürlich noch weitere Möglichkeiten der Finanzierung wie,

  • Kapitalerhöhung mit und ohne Ausschluß des Bezugsrechts,
  • Ausgabe von Anleihen mit festem Zinssatz und Laufzeit. Diese haben einigen Neuen Markt Firmen (z.B. Brokat) das genick gebrochen, da sie bei sinkenden Bewertungen zu einer Überschuldung geführt haben. Bei Brokat war es so, das eine Überschuldung eingetreten ist, obwohl noch €80 Mio. auf der Bank waren.

Gerade bei letzern Instrumenten gibt es eine große Anzahl von Varianten, von denen die meisten auch handelbar sind.

Gruß
Falckus