Halllöchen,
Wenn ein Unternehmen neu an den Kapitalmarkt geht vekauft es
ja die Aktien und gewinnt/verdient dabei den Differenzbetrag
zwischen Marktpreis/Emissionspeis und dem Nennpreis(der ja das
Grundkapital darstellt). Diese Differenz wird dann als
Rücklage eingestellt und kann später für Investitionen genutzt
werden.
Stimmt das soweit?
das geht ein bißchen durcheinander. Rollen wir das mal von hinten auf: Das Geld, das dem Unternehmen zufließt, befindet sich nach der emission auf dem Konto. Die Gegenpositionen (auf der Passivseite) sind das gezeichnete Kapital und die Kapitalrücklagen. Unter letzteren wird, wie Du schon sagts, die Differenz zwischen Emissionserlös und Nennkapital ausgewiesen. Betriebswirtschaftliche Manövriermasse für Investitionen oder was auch immer ist aber nur die Liquidität. Die Kapitalrücklage wird im Normalfall bis zum Ende des Unternehmens unabhängig von der Verwendung der zugeflossenen Mittel bestehen bleiben.
Bei einer Erstplatzierung sind zwei Fälle zu unterscheiden:
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Das Unternehmen platziert Aktien aus einer vorherigen Kapitalerhöhungen, wobei die bisherigen Aktionäre ganz oder teilweise auf das Bezugsrecht verzichten (sonst würde die ganze Sache ja keinen Sinn machen). In diesem Fall fließt die gesamte Liquidität aus dem Börsengang dem Unternehmen zu, abgl. natürlich der Aufwendungen für die Börsenzulassung, Bankgebühren und sonstigem (z.b. Marketingaufwand).
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Die angebotenen Aktien stammen aus dem Bestand der bisherigen Gesellschafter. Dies wird am Kapitalmarkt meist ungern gesehen und führt in den allermeisten Fällen zu einem niedrigerem Emissionserlös bzw. zu einem Scheitern der Emission. Hintergrund ist der Gedanke, daß da wohl die bisherigen Aktionäre Kasse machen wollen oder sogar dem Unternehmen ihr Geld nicht mehr anvertrauen wollen. Hinzu kommt, daß der Emissionerlös dann bisherigen Aktionären und nicht dem Unternehmen zufließt.
Gibt es auch die Möglichkeit, dass ein Unternehmen Aktien
irgendwie im Eigenbesitz hält (wie nennt man das ?) und diese
dann bei eintsprechender Nachfrage einfach(ohne große
Formalitäten) über die Börse verkauft? Die Folge ist ja, dass
sich dann der „Free-Float“, erhöht.
Diese Möglichkeit gibt es. Wenn ich mich recht entsinne, ist die Obergrenze für den Bestand an eigenen Aktien per Gesetz auf max. 10% festgelegt.
Ist sowas wirklich möglich, dass ein Unternehmen so ständig
Aktien Verkauft und bei Börsenschwäche zurückkauft?
Ja, das wird gemacht, wobei die Ankündigung, zukünftig so zu agieren, meistens mehr Einfluß auf den Kurs hat, als die tatsächliche spätere Kurspflege. Allein schon, weil das eigentlich im Augenblick der Kurspflege mitbekommt.
(Wenn ja, steht das nicht im Konflikt zu insiderinformationen
die das Unternehmen hat? Es weiss ja immer mehr als externe
Investoren.)
Mal abgesehen davon, daß ich die ganze Insiderrichtlinien aus wissenschaftlicher Sicht für totalen Unfug halte bzw. für einen Auswuchs der Neidkultur: Insider qua definitionem kann nie das Unternehmen selbst sein.
Gruß
Christian
P.S.
Außer beim Handel mit eigenen Anteilen hat eine Aktienemission (mal abgesehen von der Gebührensache) keinen Einfluß auf die Ertragslage des Unternehmens, insofern ist der im Titel gewählte Begriff „verdient“ fehl am Platze.