Hallo !
Folgender Fall:
Im letzten Jahr im März habe ich meiner Mutter einen Hund aus dem Internet „besorgt“, da ihrer ein paar Wochen zuvor eingeschläfert wurde.
Dieser Hund war laut Angaben aus einem Zirkus „Befreit“ worden (vermutlich abgegeben gegen kleines Geld, weil der Hund keine Kunststückchen vollführen konnte).
Die Pudel-Dame war damals ca. 1 Jahr alt und sehr schüchtern und scheu. Sie kam aber gleich zu mir hin uns ließ sich streicheln.
Der Hund blieb dann aber bei meinen Eltern. Diese wohnen im selben Haus und ich besuche sie in der Regel 1-2 mal am Tag.
Komischerweise war das Tier mir gegenüber immer scheu und zurückhaltend, während sie sich an meine Eltern immer mehr gewöhnt.
Ich habe mir dann Mühe gegeben mich mit dem Hund gut zu halten. Also in ihrer Gegenwart keine hektischen Bewegungen, leise sprechen und auch mal „links liegen“ lassen (also nicht beachten).
Sie wurde dann immer zutraulicher. Das Regelverhalten ist dann so, das sie sich fürchterlich freut, wenn ich komme und wenn ich sie dann streicheln wollte haute sie ab, mittlerweile bleibt sie aber für eine Weile da.
Heute war ich mit ihr raus. Als ich sie an die Leine machte sprang sie fröhlich um mich herum und im Wald habe ich sie „abgemacht“ und sie sprang wieder fröhlich an mir rum. Als ich dann für die Runde losging, blieb sie stets hinter mir und rührte sich keinen Meter von mir weg.
Wenn ich sie streichel, dann schaut sie mich dabei meistens so ganz komisch an. Eher ängstlich oder Respektvoll. Der Schwanz ist meistens auch eingezogen (wobei er das auch sehr oft ist). Ich habe daher das Gefühl, das sie das nur „über sich ergehen“ lässt, weil sie vielleicht Angst hat dafür eine Strafe zu bekommen. Ihr getan habe ich natürlich noch nie etwas.
Wäre vielleicht schön, wenn hier ein Fachmann ist, der sich mit „Vorbelasteten Tieren“ auskennt. Wie gesagt, ist halt ein Zirkus Hund und die werden mit ihr vermutlich nicht sehr nett umgesprungen sein. Wir vermuten auch, das dort vielleicht ein „Peiniger“ war, der mir ähnlich sieht.
habe auch eine Hündin aus sehr schlechter Haltung vom Tierheim bekommen. Sie zeigte viele seltsame Verhaltensweisen und war oft extrem ängstlich, vorsichtig und hochgradig nervös.
Dass deine sich nun an deine Eltern gewöhnt und mehr und mehr die Scheu verliert, ist ein sehr positives Zeichen. Du bist halt immer nur „der Besucher“ - keine ihrer engsten Bezugspersonen. Möglicherweise zeigt ihr ambivalentes Verhalten genau das - sie kennt dich, aber du gehörst nicht wirklich zum engsten Kreis!
Mein Rat ist: akzeptiere sie, wie sie ist und respektiere ihre Eigenheiten! Es wird bei einem solchen Tier niemals hundertprozentige Nähe und Vertrautheit geben - dazu hat es zuviel schlechte Erfahrungen in der Prägephase durchmachen müssen. Alles, was du brauchst ist Geduld, Einfühlungsvermögen und Liebe. Du bist ein sehr genauer Beobachter und hast festgestellt, was sie mag und wobei sie eher ängstlich reagiert. Darum: halte dich an diese Beobachtung und fang nicht an, sie „umerziehen“ zu wollen. Das kann nicht funktionieren und du quälst das Tier.
Ich hab meine Hündin seit fünf Jahren und sie hat ausschließlich zu mir Vertrauen (z.B. beim Arzt), zu keinem anderen in der Familie, obwohl sie zu jedem freundlich ist. Immer noch ist sie sehr ängstlich, aber viele Ängste hat sie mittlerweile verloren und ich denke, sie ist ein zufriedenes Tier. Ich respektiere, wenn sie nicht kuscheln will und nehme ihre Zuneigung an, wenn sie sie will. Ich denke, nur so kann man Vertrauen gewinnen. Das war mir immer das Wichtigste.
Alles Gute noch mit eurem Hund!
Hallo !
Danke für deine Antwort. Dann werde ich mal so weiter machen wie bisher.
Ja, ich weiß schon, was sie nicht mag. Hochheben zum Beispiel ist ihr ein Graus. Das merkt man schon.
Eben kam ich runter, da kam sie dann wedelnd angelaufen und sprang ans Sofa-Ende (dort streichel ich sie jeden Tag und man merkt, das sie das schon langsam fast erwartet) und lies sich wie gewöhnlich streicheln. Dann nehme ich meistens die Hände weg und verbleibe einfach (schau sie dabei nicht an). Dann springt sie auf und haut ab ins Schlafzimmer.
Wenn ich dann hinterherkomme, liegt sie dort ganz still und friedlich und wenn sie mich sieht fängt sie an zu wedeln. Aber wie gesagt, sie guckt dabei meistens irgendwie „Ängstlich“.
Weißt du, wenn ein Hund nach vorne quasi an die Vorbei blickt (mit der Schnauze) und die Augen verdreht, das sie dich auch ja sieht. Ganz fürchterlich sieht das aus
Nun gut. Vielleicht schreibe ich mal wie es nächstes Jahr ist.
Wenn meine Mutter übrigens aus dem Haus ist, dann ist sie auch bedeutend offener zu mir und weicht teilweise nicht von meiner Seite (auch wenn mein Vater noch da ist). Und wenn meine Mutter Staubsaugt oder Funk-Kopfhörer aufhat, bin ich auch ihr bester Freund (also vom Hund). Das kann sie beides nicht ab. Wobei ich nicht weiß, warum sie soviel Angst vor dem Kopfhörer hat.
Wie gesagt - es kann Jahre dauern, bis sich die Kleine in einen halbwegs „normalen“ Hund verwandelt… Es kann auch immer mal Rückschläge geben, wenn sich irgendwie im Vertrauten etwas ändert. Bei so einem Tier muss man auf alles mögliche gefasst sein. Aber die Aufgabe ist äußerst lohnenswert, finde ich. Nie hatte ich einen Hund, der so anhänglich war wie diese Hündin.
Du wirst nie ganz herausfinden, warum sie vor manchen Dingen Angst hat. Das bleibt immer Spekulation. Bei unserer Hündin war es so, dass sie Angst vor Leuten mit „Stöcken“ hatte - Angler oder Menschen mit Krücken, z.B. Das kann man sich ja noch erklären, aber warum sie immer noch Angst vor Kochtöpfen hat oder vor Glasflaschen und Fahrradklingeln - keine Ahnung!!! Ich bin dann halt vorsichtig, rede ihr gut zu oder bringe sie aus dem „Gefahrenbereich“.
Diese Ängste sind halt geblieben, allerdings reagiert sie bei weitem nicht mehr so panisch darauf wie früher. Damals war sie kaum zu bändigen, heute kommt nur noch der ängstliche Blick oder sie verkrümelt sich schnell ins Körbchen (vor dem hatte sie übrigens auch mal Angst - vermutlich weil der Weidenkorb knackte, wir haben ihr dann eins aus Stoff gekauft). Anfänglich hat sie auch nie aus einem Napf gefressen, man musste ihr das Futter auf den Boden legen. Jetzt frisst sie aus einem Plastiknapf, so ein metallener geht nicht, weil sie davor ebenso Angst hat wie vor meinen Kochtöpfen…
Man trickst halt ein bisschen und probiert Sachen aus und was halt nicht geht, geht eben nicht - da muss man Rücksicht nehmen. Und für alles andere gilt eben: Geduld, Geduld, Geduld.
Du machst das schon alles richtig!
Alles Gute!
Hallo !
Ja, das stimmt wohl. Meine Mutter sagt auch, das der Charakter des Hundes sehr viel besser ist, als der der Vorgänger (wobei das natürlich die „anderen“ nicht schlecht machen soll).
Sind auch sehr lustige Eigenarten, die sie hat. Wenn meine Mutter zum Beispiel nach Hause kommt und die Schuhe ausgezogen hat, dann „versteckt“ sie die Schuhe in der Wohnung. Immer sehr spassig, wenn sie „ganz vorsichtig“ einen Schuh nimmt und man sie dann ruft, guckt sie, geht aus dem Flur (so das man denkt sie habe das interesse verloren) und schaut dann kurz darauf wieder, ob wir noch gucken. Wenn wie nicht mehr gucken, geht es wieder zum Angriff über.
Das mit den Ängsten kennen wir auch. Da unser Hund ein Zirkus-Hund ist, hat sie vor allen Dingen vor lärmenden Menschmassen Angst. Wenn z.B. bei uns auf dem kleinen Fussballplatz etwas los ist, geht sie nicht in den Wald.
Ach noch etwas fällt mir gerade ein. Das war noch relativ am Anfang (so halbes bis dreivirtel Jahr), da ist meine Mutter mal in meine Wohnung gegangen, wo ich nicht da war. Den Hund hatte sie mit. Sie sagte, als der Hund in die Wohnung kam, freute sie sich und sprang auf das Sofa und suchte erstmal jedes Zimmer ab, als ob sie mich suchte. Und als sie sah, das ich nicht da war, da sprang sie aufs Sofa und wartete scheinbar, das ich komme.
Als ich dann mal da war, war sie wie ausgewechselt. Sie freute sich tierisch, das ich hier oben wohnte und das ich da war.
Wiederrum unten war sie dann wieder eher „bedeckt“…
Aber wie du schon sagtest, das wird schon noch.
Ich lasse ihren Frieden wenn sie ihn will. Das ist sicher der beste Weg.
Gruß
Andreas