Wie von Person loskommen, an der man hängt?

Hi,

ich bin schon länger am überlegen, wie ich von ihr wieder loskomme, was es ist, das mich dazu bringt mir immer wieder über sie Gedanken zu machen, aber ich stecke im Moment einfach fest und komme nicht weiter.

Ich weiß das ist ein sehr langer Text, zu einer im Prinzip kurzen frage, ich habe mich wirklich bemüht ihn auf die wesentlichen Punkte zu reduzieren; ich weiß einfach nicht, wie ich dieses Chaos durchblicken soll. Vielleicht mache ich es mir unnötig kompliziert, um mich dadurch von einer einfachen, aber schmerzvollen Wahrheit abzulenken.

Angefangen hat alles vor eineinhalb Jahren. Man muss dazu wissen, das ich jemand bin, der seine Gefühle größtenteils von sich abgespalten hat (habe sehr schlimme Erlebnisse mit meinen Eltern gehabt, welche mich beide auf ihre Art für ihre Zwecke emotional missbraucht haben).
Obwohl ich jedoch im zulassen meiner Gefühle so blockiert bin, hatte ich mich in diese eine Klassenkameradin verliebt.
Ich war immer wieder auf’s neue erstaunt, wie heftig meine Gefühle für sie waren. Manchmal kam ich nach Hause, musste mich aufs Bett legen und bekam kaum noch Luft vor Euphorie, dachte mein Herz würde mir gleich den Brustkorb sprengen.
Bald hatte ich das Gefühl ohne sie nicht mehr leben zu können, ich dachte wenn ich mit ihr zusammenkommen würde, wäre ich im Paradies angelangt.
Sie wusste davon ein ganzes Jahr lang nichts… ich glaube sie hat auch nichts gemekrt, weil ich nach außen hin gar keine Gefühle gezeigt habe (momentan verändert sich vieles in mir und es gelingt mir immer besser).
Schließlich sprach ich sie einfach darauf an, und gestand ihr meine Liebe. Sie reagierte etwas erstaunt, fragte mich wie ich sie lieben könne, wo ich sie doch gar nicht kenne, und erklärte mir schließlich höflich, das sie nicht für mich empfinde und es auch nie tun werde.
In mir tat sich erst einmal nichts. Ich war total verwundert, denn während ich meiner „Prinzessin“ meine Liebe gestand, war ich kein bisschen aufgeregt, als ob mein inneres gerade in einer Parallel-Welt war. Und auch als ich das gehört hatte, fühlte ich mich genauso leer.

Das darauf folgende halbe Jahr, und ich muss sie immer noch jeden Tag sehen, habe ich jeden Tag reflektiert und immer ein Stückchen mehr, ließen auch meine euphorischen Gefühle für sie nach. Es gab Tage an denen ich wegen ihr zum ersten mal nach vielen Jahren wieder Wut spürte und ihr dorch Sport auch Raum ließ. Ich habe auch Tage gehabt, an denen ich völlig unter Strom stand, sie einfach nicht sehen konnte und mich zurückzog. Für eine lange Zeite hatte ich auch starken Kummer und damit verbundene Traurigkeit. Jedoch fällt mir auf, das ich wegen ihr noch nie weinen konnte.

Mittlerweile habe ich nicht mehr das Gefühl, nur mit ihr könne ich glücklich werden, sie hat nicht mehr diese Bedeutung für mich. Wenn ich alleine bin, unter Freunden bzw. einfach wenn ich sie nicht sehen muss, beschäftigt sie mich nicht. Aber wenn ich sie sehe, bin ich innerlich so angespannt, aber das Gefühl ist so diffus, obwohl ich normal mit ihr umgehen möchte, kann ich es fast nicht. Wenn sie mich anspricht, sind für einen moment jedoch plötzlich alle Gefühle wie ausgeschaltet und ich reagiere völlig normal und kann ihr antworten. Im nächsten Moment, sobald sie sich wieder andern zuwendet und ich nicht mehr in ihrem Fokus bin, ist diese Anspannung sofort wieder da.

Wenn ich jetzt versuche mich in diese Anspannung hineinzufühlen, bemerke ich schmerzen und entäuschung, sehne mich danach zu weinen, aber kann’s nicht. Stattdessen setzt wieder eine Betäubung in mir ein, ich spüre dass es noch da ist, das es weiterhin auf mir lastet, doch es rückt in die Ferne, ist nicht mehr präsent und hinterlässt eine leere in mir, welche sich weitaus schlimmer anfühlt als zugelassene Schmerzen.

Nun kann ich erst zu meiner eigentlichen Frage kommen: Ich habe gedacht, ich hätte die Sache mit ihr verarbeitet, merke aber durch diese Anspannung, die in ihrer Anwesenheit auftritt, dass es mich noch immer irgendwie beschäftigt.

Ich frage mich, warum ich noch immer nicht von ihr loskommen kann, was mich so an ihr hält?

Dazu habe ich schon ein paar Überlegungsansätze. Zum einen habe ich dadurch, das ich mich von ihr entliebt habe auch viele schlechte Seiten an ihr entdecken können, sie ist keine Prinzessin mehr für mich und ich kann sie nun als normalen Menschen mit allen seinen Vorzügen und Fehlern erkennen. Dennoch ist sie in ihrem Verhalten unglaublich interressant, mysteriös und geheimnisvoll für mich. Auf der einen Seite ist sie sehr verschlossen, ich glaube immer sie würde etwas verbergen wollen, andererseits wirkt sie nach außenhin auf die Leute sehr kommunikativ, lebensfreudig, humorvoll und offen. Ich habe aber häufig den Eindruck, das sie das nur tut, weil sie innerlich einsam ist, dies aber nicht sehen möchte und versucht durch sozialen Kontakt oder vielen One Night Stands (hat mir eine Freundin von ihr erzählt, die mein Leiden bemerkt hatte) diese Einsamkeit oder was auch immer es ist zu kompensieren.

Überlegungen dieser Art, also warum sie sich so oder so verhält; führe ich ständig. Manchmal erscheinen mir meine Ideen plausibel, kurze Zeit später verwerfe ich sie wieder. Sie ist und bleibt ein Rätsel für mich. Ich wollte so oft schon zu ihr hingehen und sie fragen, warum sie so ist, wie sie ist, was sie verbirgt. Ich wollte sie fragen „Wer sie wirklich ist?“. Dass das nich geht, weiß ich natürlich.

Ich frage mich, warum ich so über sie nachdenken muss, warum ich das Gefühl habe, dass wenn ich ihr Geheimnis lüften oder wenn ich meine Sicht auf sie als Person perfektionieren könnte (sie also „richtig“ wahrnehmen könnte, denn sie ist im allgemeinen oft so verführerisch zu allen Jungs, nett und es fällt schwer herauszufinden ob sie das ernst meint oder was sie mit ihrem Verhalten verfolgt, ich fühle mich wie manipuliert und auf den Arm genommen, kann sie aber trotzdem nicht klar erkennen), ob ich dann meinen Frieden finden könnte, um endlich von ihr loszulassen?

Aber das kann doch nicht die einzige Lösung sein; warum kann ich nicht akzeptieren, dass es Menschen oder Dinge gibt, die man einfach nicht verstehen kann, oder auf die man keine Antworten findet, so wie Fragen nach dem Universum und dem ganzen Rest.

Ich will nicht auf ewig an ihr hängen, ich will das mein Interresse für ihre Person sich normalisiert.

Ist mein Interresse vielleicht auch nur eine Folgeerscheinung, das ich aufgrund meiner Abspaltung von meinen Gefühlen, den Schmerz über diese nicht erwiederte Liebe nie richtig zulassen konnte und sie deswegen vielleicht einfach noch nicht verarbeitet habe? Hänge ich deswegen noch so an ihr, weil mein Inneres die Realität noch nicht akzeptiert hat?

Es wäre schön, wenn jemand mir bei dieser Sache helfen könnte, ich wäre über jede Antwort zutiefst erfreut.

Mit freundlichen Grüßen
shreg

Hallo!

Ich lese, Du hast Dir schon sehr viele Gedanken gemacht, wie man auch anhand des Tags „Alexithymie“ sehen kann.

Eine Antwort kann Dir hier glaube ich niemand geben, ich möchte mich hier auch nicht als Gutachter versuchen, aber ich will versuchen Dir mit ein paar Denkansätzen weiter zu helfen. Ich behaupte nicht, dass da unten ist die Wahrheit, aber vielleicht kannst Du sie als Basis für weitere Gedanken nehmen.

Der Part das Du deine Gefühle (bewusst/unbewusst?) blockierst, ist meiner Meinung nach ein Schlüssel zum Verständnis. Indem Du Gefühle blockiert hast, entstand vielleicht eine Angst vor ihnen und eine Unfähigkeit sie zu bewältigen, wenn sie durch den Schutzpanzer drangen.

Nun kommt da dieses Mädchen, diese „eine“. Die wohl meisten von uns hatten mal solch eine Liebe, und die meisten würden wohl diese Beziehung nie erreicht haben (auch mir geht es da im Bezug auf eine Kommilitonin die ich seit JAHREN kenne nicht anders).

Du beschreibst bezüglich der Gefühlslage etwas, was man schon fast ein, Achtung Fachsprache, Dissoziatives Phänomen, nennen könnte. Anstatt Gefühle zu zulassen hast Du gelernt sie zu verdrängen, vielleicht um dich vor der Umwelt zu schützen. Du gestehst Ihr deine GEfühle, bleibst kalt ihr gegenüber, eventuell weil Du nicht willst, dass deine Gefühle sie abschrecken.

Indem Du die Gefühle vermieden hast, hast Du auch vermieden den Verlust zu verarbeiten, sobald entsprechende Gedankengänge auftauchen, schließt Du sie weg. Die „Prinzessin“ bleibt also unverarbeitet verankert, und diese Situation mischt sich in deinen Tagesablauf ein.

Freud selbst hat mal eine schöne Metapher genannt. Sinngemäß: „Ich habe einen Vortrag, der ständig durch einen Zwischenrufer gestört wird. Ich bitte nun die Ordner diesen Störenfried vor die Tür zu setzen. So ist er aus meinem Sichtfeld und meiner Wahrnehmung. Doch nun hämmert er mit den Fäusten an die Tür und stört den Vortrag genau wie vorher- nur ich nehme ihn nicht mehr wahr.“

Versuch doch mal zu überlegen, für dich selbst, ob diese Prinzessin wirklich das Problem darstellt, oder nur eine Fassette des Problems ist, ob man nicht vielleicht eher am Rückzug vor den Gefühlen die Erklärung suchen sollte, als bei dieser Person. Ist der eigentliche Schmerz nicht vielleicht nicht eher die Verschlossenheit der Gefühle, anstatt die ständig präsente Prinzessin?

Es wäre interessant zu erfahren, ob diese Abschottung nur die Liebesdinge betritt, oder auch andere Ereignisse, wie versaute Klausuren, Streit mit Freunden und Freude über Parties und ähnliches.

Hallo,

vielleicht ist es hilfreich für dich, erst einmal deine Beziehung zu deinen Eltern zu klären. Ich habe so die Vermutung, wenn ein Mensch nicht in der Lage ist, zu den eigenen Eltern eine funktionierende Beziehung zu haben, wie soll er dann zu fremden Menschen eine funktionierende Beziehung herstellen, aufbauen und halten? Oder umgekehrt, in jeder Beziehung die du zu anderen Menschen hast, spiegelt sich deine Beziehung zu deinen Eltern.

Dann noch ein Vorschlag: Lies dir deinen Text noch einmal durch und ersetze dabei „sie“ (das Mädel) durch „meine Eltern“.

Gruß Ralf E.

Möchte meinen Vorschlag noch ergänzen um die Idee, mit dem „ersetzen“ der Personen zu experimentieren. Du kannst z.B. dich durch deine Eltern ersetzen und sie durch dich…usw.
Vielleicht erhälst du ein wenig mehr Klarheit für dich.

Hallo shreg,

so wie es ist, ist es. Sympathie für andere sollte nicht über das hinaus gehen, als das was man für sich selbst empfindet. Die Person die Dir am nächsten steht - mach Dir nichts vor - bist DU.

Gruß mki

Du kannst z.B.
dich durch deine Eltern ersetzen und sie durch dich…usw.

Du kannst auch dich durch Shrek und sie durch Fiona ersetzen und du bekommst einen Kinofilm :smiley:

Vorschläge gibt’s hier…

Gruß
Steffie

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Hi shreg,

ich bin kein Fachmann, das ist also nicht „professionell“, was ich jetzt schreibe, es ist lediglich eine Assoziation, die sich mir beim Lesen entwickelt hat.

Man muss dazu wissen, das ich jemand bin,
der seine Gefühle größtenteils von sich abgespalten hat

Nun war da plötzlich dieses Gefühl der Liebe fühlbar. Und das ist was großartiges! Endlich bewusst fühlen und dann noch das größte aller Gefühle: zu lieben! Nun ging aber diese Liebe nicht in Erfüllung. Anstelle der Euphorie der Liebe entstand so etwas wie eine Euphorie des Schmerzes. Du hältst an einem starken Gefühl um des Fühlens willen fest. Und dass dieses Gefühl nun Schmerz heißt und nicht mehr Liebe ist für die Entdeckung der Gefühle irrelevant.

Gruß,
Anja

Hallo shreg,

keine Ahnung wei alt Du bist und wieviel Lebenserfahrung Du schon hast. Da es sich um einen „Klassenkameradin“ handeln geht ich mal davon aus, dass Du eher jünger bist…

Was Du da beschreibst klingt für mich wie das ganz normale Gefühlschaos, dass wir (fast) alle so oder ähnlich nach einer unglücklichen Liebe schon mal (oder auch merhfach) ähnlich (natürlich nicht identisch, jede Situation ist irgenwie einmalig, aber die Muster ähneln sich doch sehr) erlebt haben.

Da hilft nur sehr, sehr viel Zeit oder aber, sehr viel Erfolg versprechender, eine neue Liebe. Schlimm genug, aber ist so…

Wenn es Dich tröstet, ich bin jetzt 50, habe eine glückliche Ehe hinter mir (meine Frau ist leider vor ein paar Jahren verstorben), und mache zur Zeit Ähnliches durch wie Du! Sch…-Situation!

Hilft nicht, Gefühle lassen sich nicht einfach abstellen, da kann man noch so versuchen „vernünftig“ zu sein. Das Leben ist ein Trauerspiel… oder vielleicht doch eine Komödie? Kommt wohl auf die momentane Perspektive an.

Gruß
Werner