Hallo,
ich habe da ein Problem und hoffe das mir hier jemand weiterhelfen kann.
Ich arbeite in einem kleinem Unternehmen mit 5 Angestellten.
In letzter Zeit werden die Gerüchte über eine drohende Zahlungsunfähigkeit der Firma immer lauter. Für den Monat Januar bezahlte mein Chef bisher nur einen Abschlag von ca. 50% des Gehalts, hielt es aber auch nicht für nötig dies event. vorher mal zu kommunizieren.
Da, durch die größe der Firma bedingt, die Einnahmen und Ausgaben der Firma sehr transparent sind viel nun mehreren Kollegen auf das mein Chef anscheinend das Geld aus der Firma „rauszieht“ um sie dann Pleite gehen zu lassen.
Nun meine Frage: kann ich von meinem Chef verlangen das er mich über die finanzielle Situation der Firma aufklärt bzw. ist er mir gegenüber zur Wahrheit verpflichtet was die Zukunft der Firma angeht ? Was erfüllt den Tatbestand der Insolvenzverschleppung ?
Zur Zeit ist die Situation diese, das er mich und die anderen Kollegen mit Haarsträubenden (nachgewiesenen) Lügen dazu überreden will nicht die Firma zu verlassen.
Vielen Dank für eure Hinweise
Hallo, Ronny,
[…] Insolvenzverschleppung ?
Zur Zeit ist die Situation diese, das er mich und die anderen
Kollegen mit Haarsträubenden (nachgewiesenen) Lügen dazu
überreden will nicht die Firma zu verlassen.
Sicher kann man die Wahrheit (auch gerichtlich) erzwingen, aber das dauert eben alles seine Zeit.
Auch ist durchaus alles zu verstehen, sogar, dass Dein Chef lügt. Nur fair ist das halt nicht.
Ich empfehle Dir, Dich dringendst mit dem Arbeitsamt in Verbindung zu setzen, am besten persönlich hingehen, um:
(A) vorsorglich einen Antrag auf Konkursausfallgeld stellen und
(B) um Dich beraten zu lassen, was Du (und Deine Kollegen) in dieser Situation konkret unternehmen können… tja, und wann eben auch der Tatbestand einer „Insolvenzverschleppung“ gegeben ist, wer zuständig ist usw.
Vielleicht kannst Du dabei sofort gerichtliche Hilfe (oder ähnliches) in Anspruch nehmen, damit die Firma rechtmässig geschlossen werden würde. Das setzte auch gleichzeitig Deine Kraft frei, dass Du Dich woanders um Arbeit bemühen kannst. (Ich denke nicht, dass Euer Chef jedem 4 Stunden am Tag frei gibt, nur weil er die Hälfte bezahlt?!)
HTH, CU DannyFox64
Hey,
ein sehr heikles Thema, das fairste ist, den Mitarbeitern reinen Wein einzuschenken, wenn die Firma auf wirtschaftlicher Talfahrt ist. Denn nur mit gemeinsamer Anstrengung aller Mitarbeiter kann man das Ruder herumreissen. Da alle in einem Boot sitzen. Die Zeiten hat es bei mir auch gegeben und da ich so gehandelt habe, hatte ich die 100 % Loyalität aller Leute.(Es war allerdings eine nicht selbst verschuldete Ursache des Problems)
Sollte aber der Entziehung des Kapitals aus der Firma auf privaten Gründen des Inhabers beruhen,(Weil er halt selbst Geld benötigt,oder sich bereichern möchte)ist Vorsicht geboten. Da werden alle Mittel angewendet um die Mitarbeiter mundtot zu machen, sowie sonstige Tricks angewendet.
Aus Erfahrung weiss ich immer ein Vierteljahr vorher über die zukünftige Liquidität der Firma Beischeid, da ich als GF BWA´s lesen können muß und kann mich dahingehend, wenns eng werden sollte, darauf vorbereiten. Wenn eine Firma überraschend in den Konkurs geht ist entweder das Management falsch oder es wurde vorher mit gezinkten Karten gespielt.
Allerdings Gerüchten sollte man nicht unbedingt immer Glauben schenken. Gehaltsaussetzer wie Du sie schilderst sind aber ein Indikator dafür, das die Liquidität aufgezehrt ist und nicht mehr vorhanden ist. Fremdkapital oder anderweitige Finanzierungsformen sind entweder verweigert worden oder anderweitig fehlgeschlagen. (In diesem Fall gehts an die private Substanz des Firmeninhabers, wenn er Wert darauf legt das der Laden weiterläuft). Da ist guter Rat teuer. Meine Verantwortung wenn es zu diesen Fällen kam, ging mir persönlich nahe, das ich im Privatleben davon nicht loskam bis ich einen Ausweg gefunden habe, weil meine Mitarbeiter teilweise Familien mit Kindern haben. Da bin ich im Kreis gedreht. Selbstverständlich habe ich bei mir als erstes Gehaltszahlungsaussetzungen gemacht.
Allerdings besteht kein Recht auf Einblick der Finanzen durch die Mitarbeiter in der Firma.
Aber dein Gefühl scheint Dich nicht zu täuschen glaube ich. Mein Vorschreiber hat schon die richtigen Tips gegeben, was Du da machen könntest.
Gruß
Rolf
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Hey, Rolf!
Ich habe das mit Interesse gelesen, was Du geschrieben hast.
Das klingt alles sehr fundiert und ich kann dem nur zustimmen. Insbesondere das:
ein sehr heikles Thema, das fairste ist, den Mitarbeitern
reinen Wein einzuschenken, wenn die Firma auf wirtschaftlicher
Talfahrt ist. Denn nur mit gemeinsamer Anstrengung aller
Mitarbeiter kann man das Ruder herumreissen. Da alle in einem
Boot sitzen.
…halte ich für vollkommen richtig.
CU DannyFox64
PS (für Rolf): Siehe separate eMail.
Hmm,
Da werden alle Mittel angewendet um die Mitarbeiter
mundtot zu machen, sowie sonstige Tricks angewendet.
welche Tricks soll er denn anwenden, wenn der Laden ohnehin den Bach runtergeht ? Wenn sich der Mitarbeiter keine fristlose Kündigung zuschulden kommen läßt (und die wäre ja auch noch vor Gericht anfechtbar), schuldet er dem entlassenen Mitarbeiter zumindest noch 50% seines aktuellen Monatsgehalts. Ich kann beim besten Willen nicht sehen, wie eine Type, die ohne Vorankündigung weniger Geld zahlt mir noch in irgendeiner Form drohen könnte. Wenn die Angestellten einen Tick Realitätssinn haben, nutzen sie die verbleibende Zeit, um auf Jobsuche zu gehen.
Gruss
Enno
PS: Anders sehe der Fall für mich aus, wenn mit offenen Karten gespielt würde.
Danke an euch beide
Erstmal ganz großen Dank an euch beide.
Ich werd wirklich mal den Gang zum Arbeitsgericht antreten.
Es wäre schön wenn es mehrere Unternehmer wie Rolf geben würde, die sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Arbeitnehmern und vor allem den Familien dahinter bewust sind.
Das problem in „meiner“ Firma ist momentan halt nur das alle Angestellten sehr interesiert daran sind die Firma am leben zu halten aber unser Chef sich völlig tot stellt und weder auf anrufe noch auf Mails reagiert.
Naja warscheinlich bleibt uns halt wirklich nur der Weg in die Arbeitslosigkeit oder Selbständikeit.
Hi, Ronny,
und…
Das problem in „meiner“ Firma ist momentan halt nur das alle
Angestellten sehr interesiert daran sind die Firma am leben zu
halten aber unser Chef sich völlig tot stellt und weder auf
anrufe noch auf Mails reagiert.
Naja warscheinlich bleibt uns halt wirklich nur der Weg in die
Arbeitslosigkeit oder Selbständikeit.
…in welcher Branche arbeitest Du, wenn ich mal fragen darf?
Anrufe? Mails? – Ist der Chef denn so weit weg bzw. ihr anders herum (durch Aussendienst/Aussenarbeiten)?
Gruss & CU DannyFox64
Hey DannyFox,
klar darfst du fragen.
)
Das ist eigendlich ein „Beratungsunternehmen“ bei dem ich arbeite. Jedenfalls auf dem Papier. Ich selbst arbeite aber bei einem Kunden in der Hartwareentwicklung und andere Kollegen als 2nd-Level Support bei einem anderen Kunden.
Eigendlich ist das nix weiter als ne Leihbude in der wir arbeiten, jedenfalls ist das Arbeitnehmerüberlassungsgesetzt die grundlage für unsere Aufträge. Mein Chef selber ist Komunikationstrainer und tingelt ständig duch unser schönes Deutschland und hält irgendwo Seminare. Deshalb ist er auch sehr schwierig für uns erreichbar.
Der grund warum wir die Firma retten wollen ist eigenlich der, wir kennen uns alle schon mehrere Jahre und haben vorher in einer anderen Firma schon zusammen gearbeitet und sind echt ein gutes Team. Als unsere alte Firma vor knapp 2 Jahren ihre Geschäftsstelle geschlossen hat, hat unsere jetztiger Chef uns und die restlichen Kunden bei denen wir beschäftigt waren einfach nur übernommen.
Der andere Grund ist halt das es hier in Berlin milde gesagt einfach schei… aussieht mit Jobs. Und deshalb greift man halt nach jeden Strohhalm.
Hey Ronny,
Der grund warum wir die Firma retten wollen ist eigenlich der,
wir kennen uns alle schon mehrere Jahre und haben vorher in
einer anderen Firma schon zusammen gearbeitet und sind echt
ein gutes Team.
Schon mal die Idee gehabt, dass ihr eine eigene Firma gründet???
Drängt sich mir beim Lesen auf…
LG,
Anja
Hallo Anja,
ja ehrlich gesagt ist das momentan bei uns im Gespräch und wir habe auch sehr guten Kontakt zu den Kunden und könnten sogar die Verträge übernehmen.
Aber, einige von uns haben Familie. Ich zum Beispiel bin verheiratet habe zwei Kinder und bin dazu noch Alleinverdiener. Und wenn du halt außer dein eigenes noch drei Mäuler den ganzen Monat satt bekommen musst überlegt man halt sehr sehr genau ob man das mit einer Selbständigkeit verbundene Risiko eingeht.
Na ja:wink:
Hallo Anja,
Schon mal die Idee gehabt, dass ihr eine eigene Firma
gründet???
Drängt sich mir beim Lesen auf…
Wirklich? Ich sehe zwei Unternehmen, die am selben Markt mit dem gleichen Produkt offenbar gescheitert sind…
Spass beiseite: Natürlich kann das eine Lösung sein. Aufdrängen tut sich diese Alternative aber aus dem geschriebenen eher nicht.
Grüße
Jürgen
Hallo Jürgen,
die Gründe warum die beiden Unternehmen gescheitert sind sind folgende:
Bei der ersten Firma war es eine Firmenpolitische Entscheidung. Die Konzernmutter saß in der Schweiz und wollte sich nicht mehr mit „kleinvieh“ abgeben. Es sollten „Major-Projekte“ her, und die waren kurzfristig nicht zu bekommen, also wurde die GS gestrichen.
Der Grund warum die zweite Firma jetzt zu scheitern scheint ist die gierigkeit des Geschäftsführers. Er will allen anschein nach mit Macht kurzfristig Millionär werden. Anders lässt sich der Umstand nicht erklären warum, wenn jeder Angestellte etwa das 3fache seines Lohns beim Kunden einspielt(die sogar pünklich zahlen!!!), kein Geld für die Gehälter da ist. 
Hi, Ronny!
Das ist eigendlich ein „Beratungsunternehmen“ bei dem ich
arbeite… jedenfalls ist das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz
die grundlage für unsere Aufträge…
Ja, das „ist hochgefährlich“, wenn eine Zeitarbeits-/Leiharbeitnehmer-Firma finanziell schwach da steht. Und das kommt vor allem dadurch, dass die Zyklen der Saison kürzer bzw. härter/straffer werden, wobei gleichzeitig Firmen (hohe) Rechnungen (an Deinen Chef) nicht zahlen oder mit einer gewissen Willkür kürzen. – Kannst Du das bestätigen?
Und: die Löhne/Gehälter werden bei „der Zeitarbeit“ häufig / zum Grossteil vorfinanziert durch Banken; das (die) Kreditunternehm(en) zahlen für die Forderungen eine bestimmte Rate, die abhängig ist vom Risiko, ob die Forderung einbringlich ist. Das koppelt dann wieder rück mit Arbeitsqualität der Leiharbeitnehmer und der Zufriedenheit der Kunden, bei denen Ihr arbeitet. Wenn daraufhin IMHO die Auszahlungsrate für die abgetretenen Forderungen auf unter 85% fällt, geht die Zeitarbeitsfirma wirtschaftlich in die Knie.
(Alles schon selbst erlebt als damals, noch unerfahrener Zeitarbeits-Arbeitnehmer… Betriebsversammlung 1992: „Unser GF, Herr X., hat gestern Konkurs beantragt…“)
Der grund warum wir die Firma retten wollen ist eigenlich der,
wir kennen uns alle schon mehrere Jahre und haben vorher in
einer anderen Firma schon zusammen gearbeitet und sind echt
ein gutes Team.
Ja, das ist auch in diesem Fall eine hervorragende Idee.
Das wichtigste, das Ihr tun könntet, wäre, mit den Verantwortlichen in den Firmen, bei denen ihr konkret arbeitet / im Einsatz seid, darüber zu reden, wie zufrieden sie sind mit der getanen Arbeit und ob bzw. wie sich das auf die Bezahlung der Rechnungen auswirkt.
Ich weiss, da ist viel Diplomatie gefragt und ferner, dass „der richtige Ansprechpartner“ gewählt wird (in der Personalabteilung oder Geschäftsführung dort). Wichtig ist, dass derjenige (mit) entscheiden kann, ob und was an Rechnungen und vor allem wie schnell gezahlt wird.
(Es könnte ja auch sein, dass nur die Kreditoren-Buchhaltung die Sache nicht auf die Reihe bekommt…)
Wenn Ihr Euch dann einig seid, wie Ihr vorgehen wollt, dann lasst das Euren Chef wissen; das gibt auch ihm eine Erleichtung bis hin zu einem immensen Power-Schub im Sinne von „Alles wird gut!“.
Als unsere alte Firma vor knapp 2 Jahren ihre
Geschäftsstelle geschlossen hat, hat unsere jetztiger Chef uns
und die restlichen Kunden bei denen wir beschäftigt waren
einfach nur übernommen.
Der andere Grund ist halt das es hier in Berlin milde gesagt
einfach schei… aussieht mit Jobs. Und deshalb greift man
halt nach jeden Strohhalm.
Eine andere Möglichkeit ist/wäre, ob ihr Arbeitnehmer selbst nicht eine Zeitarbeitsfirma gründet. Und da ist (a) Beratung gefragt, wie das konkret gehen kann, (b) muss das (Landes-) Arbeitsamt zustimmen, um Zulassung für die „Arbeitnehmerüberlassung“ zu erteilen… aber da würde man Euch tatkräftig vom AA aus unterstützen, da ja ansonsten Arbeitslosigkeit droht (was bekanntlich mehr Geld kostet
).
Weiters ist denkbar, dass ihr statt einem Leiharbeitsunternehmen auch eine andere Form ins Leben rufen könntet, bei der jeder zu einem gewissen Anteil beteiligt ist… Wäre das denkbar? Könntet Ihr gemeinsam rund 25.000 Euro z.B. für eine GmbH aufbringen? Ginge das evtl. auch als KG oder KGaA?
Also, ich denke, aussichtslos ist die Sache für Euch ganz und gar nicht. Vor allem, weil Du sagst:
…und sind echt ein gutes Team.
Wie ihr das letztlich organisiert (Verantwortung, Aufgaben usw.), bliebe bei Euch.
In jedem Fall bin ich interessiert, wie das für Euch weiter geht, und:
Good Luck!
CU DannyFox64
Hi, dazu aber:
…Er will allen
anschein nach mit Macht kurzfristig Millionär werden. Anders
lässt sich der Umstand nicht erklären warum, wenn jeder
Angestellte etwa das 3fache seines Lohns beim Kunden
einspielt(die sogar pünklich zahlen!!!), kein Geld für die
Gehälter da ist.
…bekomme ich mehr den Eindruck, als hätte dieser jenige, sagen wir’s anders herum: ist dieser jenige vielleicht schon Millionär - Schuldenmillionär!
Mir kam schon bei Deinem Ursprungsposting der Gedanke, dass Cheffe Spielschulden hat?! Hab’ nur nix dazu gesagt; jetzt aber kam’s wieder, nachdrücklicher!
Also, gaaanz vorsichtig. („Der Spieler“ will nicht als Süchtiger entlarvt werden…)
HTH, CU DannyFox64
Hallo, noch mal…
Ich bin mir nicht sicher, ob das rein rechtlich geht. Aber wäre es nicht auch denkbar, dass Ihr Arbeitnehmer direkt die Zahlungen auf die Rechnungen „einkassiert“, solange der Konkurs droht? Allerdings müsstet Ihr dann auch selbst dafür sorgen, dass Sozialversich. usw. bezahlt wird.
Und: in jedem Falle ist das unternehmerische Risiko z.Zt. für Dich/Euch geringer als drohender Verdienstausfall und anschliessende Arbeitslosigkeit (65% des durchschnittl. Netto lohns der letzten 12 Monate).
Wenn/Da Ihr bereits darüber gesprochen habt, stellt doch mal eine Kalkulation darüber auf… (Fragen dazu? Excel-Vorlage nötig?)
CU DannyFox64
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