Wie werde ich Psychotherapeutin?

Hallo zusammen,

da ich wahrscheinlich in Kürze arbeitslos werde, habe ich mich eingehend mit meiner beruflichen Zukunft beschäftigt… Dass ich das, was ich jetzt mache nicht weiter machen möchte, weiß ich schon lange! Deshalb ist das jetzt also DIE Gelegenheit, etwas anderes zu machen!
Ich möchte gerne Psychotherapeutin werden (Einzel-/Paar-/Familientherapie). Jetzt würde ich gerne wissen, wie ich aus meiner jetzigen Situation am besten dorthin komme. Es gibt so viele Informationen, dass ich den Überblick verliere…
Meine Situation: 32 J., ledig, Abschluss 10. Klasse Gymnasium, anschließend Ausbildung, dann nachholen der Fachhochschulreife neben dem Beruf. Seitdem arbeite ich als Sekretärin. Habe insgesamt bereits 14 Jahre Berufserfahrung, wenn man die Ausbildung nicht mitrechnet.

Wer kann mir sagen, ob ich unbedingt das Abitur brauche, weil ich für dieses Berufsziel Psychologie studieren sollte? Wenn ja, wie kann ich das in NRW am schnellsten (und als Arbeitslose natürlich möglichst kostengünstig) nachholen? Oder gibt es einen anderen Weg, an mein zu kommen? Welche Wege gibt es überhaupt?

Ich wäre sehr erleichtert, wenn mir jemand durch diesen Info-Dschungel helfen könnte.

Liebe Grüße

Hallo,

schau dir das mal an (soll keine Werbung sein, ich habe damit nichts zu tun, aber es ist bestimmt ganz informativ):
http://www.alh-akademie.de/cgi-bin/lehrgang.asp?cp=%…

Gruß,
Booze

Hallo, Diagnostik und Therapie ist in D nur Ärzten, Heilpraktikern und eben Psychologischen Psychotherapeuten bzw. Kinder und JugendPT vorbehalten. Alle anderen dürfen zwar Psychologisch beraten, aber nicht diagnostizieren (Vorraussetzung für eine BEhandlung und auch für viele VErwandte Berufe ein Stolperstein, zB. Sozialpädagogen) und schon gar nicht Therapieren.

Du hast also die Wahl

  • Medizinstudium (ca 10Sem.) nach Vollabi mit anschliessender Facharztausbildung (3-6 Jahre)in Psychotherapie, Psychiatrie oä.
  • Psychologiestudium (ca 8 sem) nach Vollabi mit anschliessender teurer Weiterbildung in Psychotherapie bis zur Approbation
  • Pädagogischer Studiengang evtl an FH, womöglich reicht da das Fachabi oder ist in der richtigen Fachrichtung mit anschliessender ebenfalls teuren Kinder und Jugend-PSychotherapieausbildung, wobei du dich dann mit jenen begnügen müsstest (aber da dir eh nach Familientherapie wär)
  • Sozialpädagogikstudium an FH mit verwnadten Schwerpunkten, wo du immer an der Therapie knapp vorbeischrammst, aber schon ähnliche Arbeiten machst (warum willst du therapeutisch tätig sein und nicht evtl auch pädagogisch, ist in vielem in der Praxis ähnlich, soweit es darum geht alte Verhaltensmuster gegen andere auszutauschen)
  • Heilpraktikerprüfung für Psychotherapie beim Gesundheitsamt ablegen, geht notfalls auch ganz ohne teure Ausbildung, ist nur nicht ratsam. Da aber eine gute Ausbidlungsstelle zu finden ist nicht leicht, da sich auf dem Markt viele tummeln. Keine Abrechnung mit GKV später.
  • Weiterbildung zum Psychologischen Berater oä kannst du dir meist sparen, da du dich auch ohne in diesem BEreich selbstständig machen könntest. Da wärst du nur eines von vielen schwarzen Schafen. Aber evtl ist die Ausbildung billiger als der echte Heilpraktiker und die beratungsspezifischen Praxisteile sind evtl sogar hilfreicher, als was unter „Kleiner HPausbildung“ geboten wird. Dazu dann noch viel eigenes Zusatzlernen zur Diagnostik und Psychopathologie (eben den HPkram) und spätere Spezialisierungen auf das ein oder andere Therapieverfahren.

Also ich persönlich würde dir den Kinder und Jugend-PSychotherapeuten, (evtl mit Zwischenstation über einen Pädagogenjob nach dem eh nötigen Studium) ans Herz legen oder den kleinen HP oder beides.
Gruß Susanne

Ergänzung Studiendauer
Hallo,

  • Medizinstudium (ca 10Sem.)

12 Semester inkl. PJ mit anschließendem „Hammerexamen“

  • Psychologiestudium (ca 8 sem)

nur beim Diplom, langsam wird ja umgestellt auf Bachelor (6 Sem.) + Master (4 Sem) = 10 Sem

Gruß
Wawi

Hallo!

Hallo, Diagnostik und Therapie ist in D nur Ärzten,
Heilpraktikern und eben Psychologischen Psychotherapeuten bzw.
Kinder und JugendPT vorbehalten. Alle anderen dürfen zwar
Psychologisch beraten, aber nicht diagnostizieren
(Vorraussetzung für eine BEhandlung und auch für viele
VErwandte Berufe ein Stolperstein, zB. Sozialpädagogen) und
schon gar nicht Therapieren.

Das ist so nicht richtig - denn im Psychologiestudium wird vor allem eins gelehrt - die Diagnostik. Das kann man auch gut ohne die Approbation im Anschluss an ein Studium machen - ob in der Wirtschaft, der Klinik oder der Eignungsdiagnostik - das sind breite Berufsfelder für Psychologen. Auch viele Gutachter in dem Bereich haben keine Approbation.

Also ich persönlich würde dir den Kinder und
Jugend-PSychotherapeuten, (evtl mit Zwischenstation über einen
Pädagogenjob nach dem eh nötigen Studium) ans Herz legen oder
den kleinen HP oder beides.

Der Nachteil an einem Pädagogik-Studium gegenüber dem Psychologiestudium ist, dass man hinterher eher pädagogisches Wissen hat. Dann fehlt eben das u. U. erworbene psychologische Spezialwissen um Diagnostik, klinische Psychologie und Hirnanatomie sowie die verwandte Neuropsychologie.

Der Nachteil an der Ausbildung zum KJP (Kinder und Jugend Psychotherapeut) ist zudem, dass man als PP (Psychologischer Psychotherapeut) mit einer kleinen Zusatzausbildung zum KJP wechseln kann, vom KJP aber nur PP werden kann, wenn man die komplette Ausbildung zum PP absolviert (also doppelt gemoppelt). Wenn man also unsicher ist, welcher Weg der richtige ist (Behandlung von Patienten bis ausschließlich 18tes Lebensjahr oder Patienten bis oben offen), dann wäre die PP-Ausbildung eher zu empfehlen.

Beide Ausbildungen dauern mind. 3 Jahre (als Psychologe).

Lieben Gruß
Patrick

Hallo,

Studieren ohne Abitur ist unter den genannten Vorraussetzungen durchaus möglich. Ein entsprechender Antrag ist an der jeweiligen Universität (wahrscheinlich beim Prüfungsamt) zu stellen. Eine Aufnahmeprüfung in verschiedenen für das Fach wichtigen Disziplinen wird dann von der jeweiligen Fakultät wahrscheinlich veranschlagt werden.

Für Psychologie in Düsseldorf ist z.B. eine Prüfung in 3 Fächern (Mathematik, Biologie und Englisch) vorgesehen, die Lehbücher werden zuvor festgelegt und bekannt gegeben.

Ein Psychologiestudium alleine reicht meistens nicht aus, um eine erfolgreiche psychologische Psychotherapiepraxis zu führen.

I.d.R. schließt ein Psychologe die psychotherapeutische Zusatzausbildung (mind. 3 Jahre) im Anschluss an das Studium an.

Dann hat man die Gelegenheit, psychologischer Psychotherapeut zu werden.

Lieben Gruß
Patrick

  • Psychologiestudium (ca 8 sem)

nur beim Diplom, langsam wird ja umgestellt auf Bachelor (6
Sem.) + Master (4 Sem) = 10 Sem

Ohne Master geht es wohl nicht, da beim Bachelor einige Inhalte fehlen. Anschließend noch die Therapeutenausbildung.

Vielen vielen Dank euch allen!
Jetzt bin ich um einiges schlauer!

LG
Mo

Hallo, der Unterschied zwischen können und dürfen ist dir hoffentlich bekannt. Ich hab im ersten Absatz vor allem aufs Heilpraktikergesetz abgezielt, und da steht es eben Heilkundlich (was irgendwo anders genauer spezifiziert wurde als die Kombi von Diagnose und Therapie) darf man nur mit Approbation oder eben HP-Prüfung. Daneben gibts noch das Psychotherapeutengesetz, das hab ich aber nicht so eingebleut bekommen, bis auf den Unterschied medizinischer PT und psychologischer PT :wink:
Ich hab schon mehrfach von Sozialpädagogen gehört (ich wohnte bei Sozialpäd.-Berufsverbandler, quasi in der örtlichen Geschäftsstelle, daher nun auf die bezogen, unapprobierte Psychologen sind im rechtlichen Status ja ähnlich), die damit in ziemlichen Konflikt kamen, weil sie sich in der Wortwahl vergriffen haben und „diagnostik“ betrieben. So zB. eine, als sie einem Klienten anriet mit seinem Alkoholproblem (das vorher noch nicht anderweitig diagnostiziert war, Sie hat also quasi die erstdiagnose gestellt) mal zum Arzt /Suchberatung/ Psychotherapie zu gehen. Sinnigerweise verklagt wurde sie vom dann übernehmenden Psychologen.
Sicher es gibt Psychologen, die unter einem Weisungsbefugten PT + Diagnostik machen, ebenso wie ein Physiotherpeut (also für den Körper die) streng genommen nur auf ärztliche Veranlassung heilend tätig sein darf, alles andere läuft bei ihm als Wellness bzw. gesundheitserhaltung. Aber nicht jeder Psychologe schlägt die Klinische Laufbahn ein und ein PSychologiestudium kann für jemanden der Psychotherapie machen will auch recht ernüchternd sein (Diagnostik kommt ja erst im 2. Teil, vorher aber so manches dafür im Grunde überflüssiges, was jemand anderes wieder ganz spannend findet)

Die KJP hab ich mit eingebracht, da die Fragestellerin FH-Reife aber kein Vollabi hat, für Psychologie muss sie dass ja auch noch nachholen, weshalb Psychologie + PT nicht der gesuchte schnellste Weg wäre.

Und Pädagogik hat zwar nicht NEuroanatomie, aber dasür von Anfang an mehr mit Sozialer Interaktion, Kindlicher Entwicklung und Entwicklungsverzögerungen, oder auch Folgen von Traumata u anderen erziehungsunglücken und ähnlichem zu tun…
Schließlich ist es doch meist eh so, dass die Problemursache in der Kindheit liegt, und dafür ist Pädagogik auch gut als Studiengrundlage.

Gruß Susanne