Wie wichtig sind Impfungen vor der Schwangerschaft

Liebe/-r Experte/-in,
mein Mann und ich haben uns entschieden ein Kind zu bekommen. Habe deshalb etwas im Internet gesurft und bin auf einen Artikel gestoßen, der zur Impfung bzw. Impfungsaufrischung vor der Schwangerschaft aufruft. Da man danach mind. 3 Monate nicht schwanger werden sollte, wir aber nur ungern solange warten möchten, würde ich gerne wissen, wie wichtig diese Impfungen tatsächlich sind? Ich habe nämlich etwas das Gefühl, dass unsere Gesellschaft, mit diesen ganzen Voruntersuchungen u.ä. übertreibt. Und was ist mit den Frauen die ungewollt schwanger werden und nicht geimpft sind?

Freue mich über Antwort!

mfg.

Von allen seiten gibt es verschiedene Expertenmeinungen, auch ich würde nicht übertreiben wollen. Aber es kommt auf die Wichtigkeit an: z. B. Reisen - beruflich - in die Tropen sollten wirklich impfgeschützt sein. Ein kurzer Ferientripp ist zu vernachlässigen, wenn nicht das Dschungelcamp Ziel sein soll. Drei Monate mit der Schwangerschaft zu warten wäre auch ein Kompromiss - geht schnell vorbei. Ganz sicher bist Du bei der StIko - ständige Impfkommission und Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Ich hoffe, ich konnte weiter helfen.
Mfg

Danke Dagmar für die schnelle Antwort! Also eine Reise in die Tropen ö.Ä. kann ich definitiv ausschließen. Was mich verwundert ist einfach die Tatsache, dass ich zuvor noch nie etwas davon gehört habe. In meinem Bekanntenkreis gibt es einige Paare mit Kindern (eines ist erst vor 2Monaten zur Welt gekommen) und selbst sie haben davor nichts gehört. Ihr Frauenarzt hat nicht einmal den Impfpass sehen wollen. Auf diesen Internetseiten hingegen ließt man, dass Impfungen vor der Schwangerschaft ein MUSS ist, da es sonst zu Fehlgeburten und Behinderungen kommen kann.
Deshalb auch meine Unsicherheit.

mfg

Das ist richtig, bestimmte Seren machen vorher, während, am Anfang, Mitte oder Ende einer Schwangerschaft großen Ärger. Aber man sollte sich speziell informieren, auch der Doc muss auf direkte Fragen antworten. Wenn Ihr also nichts Besonderes vorhabt, hier nicht die Pest oder Choera tobt, nach Haiiti wollt, gibts keinen Grund für irgendwelche Impferei. Vor Kinderkrankheiten, wenn Du nicht immunisiert bist - durch Selbsterkrankung oder Impfen wie bei Röteln - solltest Du Dich schützen, auch Dein Partner, der Dich wiederum anstecken kann. Sexuell übertragbare Krankheiten, nicht nur die wichtigsten wie Gonorrhoe oder so - Chlamydien z. B. - müssen auch ausgegrenzt werden, sie verursachen Fehl- und/oder ganz kleine Frühgeburten. Der Tipp: sich an eine Hebamme wenden! GRUß

Liebe Anika,
nun, Sie sollten zumindest einen aktuellen Impfstatus gegen Tetanus und Diphtherie haben, evtl. auch gegen Polio (Kinderlähmung), wenn Sie beispielsweise Auslandsreisen vor sich haben. Diese Impfungen sollten alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Sollten Sie zu einem gefährdeten Personenkreis gehören (z.B. medizinisches Personal), ist die regelmäßige Auffrischung der Hepatitis-B-Impfung sowie bei Auslandsreisen in warme Länder bisweilen auch die Hepatitis-A-Impfung zu empfehlen.

All die genannten Impfungen enthalten sog. Totimpfstoffe - hier ist kein Abstand zu einer Schwangerschaft notwendig. In Notsituationen könnte man diese Impfungen sogar während der Schwangerschaft anwenden - ebenso übrigens auch wie die Grippe-Impfung bei gefährdeten Personen.

Vorsicht gilt für Impfungen, die Lebendimpfstoffe enthalten, z.B. Röteln. Sie sollten vor Beginn Ihrer Schwangerschaftsbemühungen bei Ihrem Haus- oder Frauenarzt abklären, ob Sie ausreichend vor einer Rötelnerkrankung geschützt sind. Wenn Sie während der Schwangerschaft an Röteln erkranken (und man kann hier leider nichts anderes machen, als die Krankheit durchzustehen - bei Viruserkrankungen helfen keine Antibiotika), ist die Gefahr für Schäden beim Kind sehr hoch. Bei Impfungen mit Lebendimpfstoffen ist eine Wartezeit von 3 Monaten empfohlen.

Nachdem Sie Ihre Schwangerschaft aktiv planen, können Sie auch durch die entsprechende Vorbereitung mit gutem Gefühl dann in die Schwangerschaft reingehen. Denken Sie auch bitte daran, frühzeitig mit Folsäure zu beginnen, hierdurch lassen sich Rückenmarksfehlbildungen überwiegend vermeiden - es besteht auch der Verdacht, dass sich die Folsäureeinnahme positiv auf die Vorbeugung anderer Organfehlbildungen auswirken kann.

Alles Gute !
Claudia Franke
www.kinderwunsch-coach.de