Wie wird Feuerwerk in China hergestellt

Wird in China Feuerwerk mit Maschienen, in der Massenproduktion oder per Hand und in vielen Einzelteilen hergestellt?
Wie schaffen sie komplexe Feuerwerksartikel so billig herzustellen?
Wie viel Stundenlohn bekommen die Arbeiter dort ungefähr und in was für Verhältnissen müssen sie leben und arbeiten?

Hallo,

nun ja, die Antwort kann man sich eigentlich schon zusammenreimen, wenn man 1+1 zusammenzählt: China, billige Produkte, Handarbeit und gefährliche Stoffe…

Es ist sicherlich wie bei dem anderen Billig-Zeugs aus China: die Produkte werden alle per Hand hergestellt (Maschinen kosten Geld…), katastrophale Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung.

Dies gilt vor allem für Feuerwerk(schrott) der zu Silvester an den Ständen und in den Baumärkten verkauft wird.

Die hochqualitativen Feuerwerkskörper welche wir Pyrotechniker verwenden, kommen hauptsächlich aus Deutschland, USA und Japan - der höhere Preis ist schon wegen der weitaus besseren Qualität durchaus gerechtfertigt!

Will man diesem Artikel glauben, dann wird es die Biligstprodukte bald nicht mehr in dem Ausmaß geben: http://www.wdr2.de/panorama/feuerwerk104.html

Schöne Grüße
chemicalbenny

Tja, wie wird Feuerwerk in China hergestellt…
Im Prinzip genauso wie z.B. in Deutschland, als hier noch Feuerwerk hergestellt wurde. Was die Maschine tun kann, wird mit der Maschine gemacht, was nur von Hand geht, wird von Hand gemacht. Sicher kann man nahezu alles von der Maschine tun lassen, ist halt ein Frage von Aufwand und Nutzen. Zeitungen könnte man theoretisch auch maschinell austragen. Trotzdem wird die Zeitung immer noch von Hand ausgetragen. Also es wird auch in der deutschen Industrie noch gut die Hand geregt.
Besonders gefährliche Tätigkeiten werden mittlerweilen auch in China „unter Sicherheit“ ausgeführt d.h. maschinell, ohne daß Menschen dabei sind.
Wie die Jungs auf den Preis kommen, liegt zum Einen an der riesigen Stückzahl und der damit verbundenen Rationalisierung. Zudem sind die chinesischen Kollegen sehr erfinderisch: Sie haben oft erstaunlich einfache Hilfsmittel, die die Arbeit kolossal erleichtern. Ich habe mal in Hunan ein Feld voller roter Raketenstecken-Bündel gesehen. Die waren einfach zum trocknen aufgestellt. Ich dachte, wieviel Leute arbeiten an so einer riesigen Menge wie lange? Und ich war maßlos verblüfft, daß das die Tagesproduktion eines einzigen älteren Ehepaares war. Er hatte eine Kreissäge und ein genial einfaches Spaltwerkzeug für den Bambus und sein Frau bündelte, färbte und stellte die Bunde zum trocknen auf. Grob über den Daumen haben die Beiden ca 100.000 Raketenstecken am Tag gefertigt.
In der pyrotechnischen Industrie wird gar nicht mal so schlecht bezahlt. So um die 100 Renmimbi also 10 € am Tag sind für das ländliche China ein durchaus auskömmlicher Lohn. Die wirklichen Fachleute, die z.B. die pyrotechnischen Sätze herstellen, kommen mit Überstunden auch mal auf das 10fache, also bis zu 2.000 € im Monat. Wer auf dem Land lebt, zahlt keine oder stark reduzierte Sozialabgaben und es gibt viele Chinesen, die mit 2 € über den Tag kommen müssen.
Das klingt nach unglaublich wenig, ist aber durch das Währungsgefälle durchaus machbar. Wenn man mal die Verhältnisse in der ehemaligen DDR betrachtet waren die Verhältnisse ähnlich. Bei einem (inoffiziellen) Umtauschkurs von 1:5 Ost- zu Westmarkt entsprach ein Jungingenieurgehalt von 700,- Mark Ost etwa 140,- DM und somit rund 70,- €. Hat immerhin für einen Trabi gereicht…
Die Lebensverhältnisse in China sind… sagen wir mal etwas anders als bei uns… Wenn man bei Nacht über China fliegt, ist es dunkel. Findet man sonst nur noch in der Sahara. Die ganze Welt ist bei Nacht hell erleuchtet. In China leuchten nur die Städte. Es gibt pro Familie 1 (i.W.:eine) 25 Watt-Birne und die wird nicht den ganzen Abend eingeschaltet. Alles was südlich des JangTse-Rivers liegt ist Südchina und in Südchina gibt es keine Heizung in Privathäusern. Ich war dort schon bei - 25°C…
Die Fabriken werden dann teilweise sogar etwas beheizt. Weniger für die Arbeiter - der Kleister würde gefrieren und wenn man zuviel Alkohol oder Glysantin ran macht, klebt das Zeug nicht mehr.
Gearbeitet wird von Montag bis Freitag jeweils 7 Stunden.
In der Hochsaison werden Überstunden gemacht und in der Low season werden Diese dann wieder abgebummelt bzw. auch bezahlt. Urlaub ist immer an Chinese New Year, meist 2 Wochen.
Es gibt, oft auf Betriebskosten, 2 warme Mahlzeiten, die meist am Arbeitsplatz eingenommen werden. Pyrotechnische Fabriken sind sehr weitläufig und in den häufig vorhandenen Speisesaal zu laufen dauert zu lange.
Zu Fuß kommt kaum noch jemand zur Arbeit, Fahrrad und Moped (übrigens auch unbeleuchtet) ist die Norm und vereinzelt wurden sogar schon ein paar Autos am Werktor gesichtet.
Alles in Allem sind die Verhältnisse in den chinesischen Feuerwerksfabriken ähnlich Denen als in Deutschland „Wirtschaftswunder“ angesagt war. Und ähnlich wie in den 50gern bei uns, werden in China die Arbeitskräfte knapp. die Bevölkerung überaltert und junge Menschen arbeiten lieber in den klimatisierten Räumen der High-Tech Schmieden. Selbst die Gast- (Wander-)Arbeiter werden mittlerweilen knapp.
Rainia

Hallo,

grundsätzlich gibt es mehrere Herstellungsverfahren in China. Traditionell und am Weitesten verbreitet ist die Herstellung der Feuerwerksartikel per Hand. Zunehmend werden aber in den größten Fabriken des Landes auch auf maschinelle Herstellung gesetzt - dies ist aber noch nicht so verbreitet.

Die Herstellung einer Feuerwerksbombe ist i.d.R. relativ unproblematisch. Eine Poka (auch Schüttbombe genannt)bombe genannt besteht aus einer Ausstossladung, einer Effekt- und einer Zerlegerladung. Bei der Pokabombe werden die Effekte einfach lose eingefüllt und die beiden Hälften der Kugel zusammengesetzt und anschließend mit Papier umwickelt. Die Herstellung einer großkalibrigen Shell-in-Shell Bombe hingegen ist wesentlich zeitaufwendiger. Dort muss genau abgewogen und portioniert werden.

Die chinesischen Feuerwerksartikel sind nicht mehr so günstig wie sie vor einigen Jahren waren. Auch in China hält die Inflation Einzug. Dumpinglöhne und verbesserte Arbeitszeiten gleichen sich dem westlichen Standart an. Nach mehreren schweren Schiffsunglücken mit Feuerwerksartikeln gibt es auch für den Export strenge Regularien und Auflagen. Nicht jeder Feuerwerkskörper kann problemlos mehr transportiert werden. All das sorgt dafür, dass die Artikel teurer werden.

Einen genauen Stundenlohn kann ich Dir leider nicht sagen. Das ist überall unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab: bei welcher Firma ist man beschäftigt? Manufaktur oder maschinelle Herstellung? Bezahlung nach Leistung oder Festgehalt…?

Ich hoffe, ich konnte ein wenig weiter helfen.

MfG,

MrC

Danke für Ihre ausfürliche Antwort damit kann ich auf jeden Fall etwas anfangen

MfG Kampfklaus

Vielen Dank. Das hat mir sehr geholfen.

MfG Klaus