Weis jemand im Form, wie man ein Rheuma diagnostiziert, dass seronegativ ist (also die Blutwerte nicht auf Rheuma hindeuten)?
Kann ein Arzt so eine Diagnose erst stellen, wenn es zu spät ist (d.h. unwiderrufliche Knochenverformungen)? Gibt es da keine Möglichkeit?
vielen Dank im Vorraus für Antworten!!
Weis jemand im Form, wie man ein Rheuma diagnostiziert, dass
seronegativ ist (also die Blutwerte nicht auf Rheuma
hindeuten)?
Kann ein Arzt so eine Diagnose erst stellen, wenn es zu spät
ist (d.h. unwiderrufliche Knochenverformungen)? Gibt es da
keine Möglichkeit?
Will mal wieder keiner antworten? Also muß wohl ich wieder ran.
Der Rheumafaktor ist zunächst ein Protein, das sich gegen den Fc-Abschnitt des IgG richtet. Dieser findet sich bei etwa 70% aller Erkrankten.
Die gewöhnlichen Tests überprüfen jedoch den IgM-Rheumafaktor. Dieser ist nicht beweisend für eine RA.
Etwa 5% der Gesunden haben einen positiven RF, bei etwa 70jährigen kann das bis zu 20% steigen.
Das bedeutet praktisch: Der RF ist zur Diagnose der RA ungeeignet. man sollte den RF einfach fallen lassen, mit anderen Worten, es ist egal, ob der RF vorliegt (seropositive) oder nicht vorliegt (seronegative) RA . Aber (es gibt immer ein „Aber“)
Der RF hat jedoch einen gewissen Wert hinsichtlich der Prognose der Erkrankung. RF-positive Fälle können (können!) schwerer verlaufen, besonders bei gewissen Formen der RA, etwa bei Vaskulitiden, die durchweg einen positiven RF aufweisen.
Zur Diagnostik ist das also unbrauchbar. Hier gibt es andere Faktoren (citrulliniertes Pedptid, AK gegen Filaggrin, AK gegen RA 33 usw.)
Ich denke, als Überblick mag’s genügen, wir geraten in die Immunologie.
Die Diagnose wird also aus verschiedenen Faktoren zusammengestellt, nicht zuletzt nach den Regeln des ACR (früher ARA-Regeln 1987).
vielen Dank, dass sie mir geantwortet haben
da sie anscheinend ziemlich großes fachwissen haben, schätze ich die antwort noch mehr (!)
mich würde interessieren, wie man z. B. eine Polyarthritis ohne entzündlich veränderte Blutwerte „beweisen“ bzw. sagen kann: Diagnose = seronegative Polyarthritis
Was unternimmt ein Rheumatologe um eine seronegative Rheumaerkrankung ausschließen zu können
(wenn der Patient beispielsweise leicht angeschwollene Fingerknöchel hat - aber man von den Blutwerten nicht auf eine Rheumaerkrankung schließen kann)
Ich würde mich sehr über Antworten freuen,
Priamos1 wenn sie evtl. nochmal zurück schreiben könnten, wäre ich Ihnen sehr verbunden
schonmal ein großes Danke im Vorraus
Guten Tag,
„Seronegativ“ heißt nicht, dass „die“ Blutwerte nicht auf Rheuma hindeuten, sondern dass nur die von Priamos1 erwähnten Proteine nicht nachweisbar sind. Sie setzten glaube „seropositiv“ mit dem Vorhandensein von Entzündungmarkern gleich, dem ist nicht so.
Im Rahmen der Rheumadiagnostik können weitere Blutwerte erhoben werden, welche die Diagnose untermauern können (Stichworte: BSG, CRP, Blutbild, anti-CCP, ANCA, ANA, HLA-B27), aber, wie die Rheumafaktoren selber, alleine keine Diagnose sichern --> aber wahrscheinlicher machen (was auch auf Rheumafaktoren zutrifft, von daher lässt sich über das Wort „brauchbar“ vortrefflich streiten).
Zu Ihrer Anfangsfrage: die Diagnose RA wird über das Arztgespräch und die körperliche Untersuchung gestellt. So kann der Arzt über die Kombination des Gelenkbefalls, die Dauer, die Art und Weise des Schmerzes usw. schon ziemlich konkret auf ein Krankheitsbild befragen.
Laborwerte werden bestimmt, um die Diagnose zu bekräftigen (mit den von Priamos genannten Einschränkungen). Das erwähnte citrullinierte Peptid (=anti-CCP) spielt in Ihrem Fall eine besondere Rolle, da es eine hohe Spezifität hat (mehr als 95 %). Das heißt wenn der Wert in ihrem Blut negativ ist, dann haben sie mit 95 %iger Sicherheit keine RA. Zudem kann dieser Wert schon vor „Ausbruch“ der RA positiv sein. Aber wie oben erwähnt: Laborwerte spielen eine untergeordnete Rolle in der Diagnostik der RA.
Nochmal kurz:
seronegativ heißt nicht „keine entzündlich veränderte Blutwerte“, „sero“ bezieht sich nur auf im Blut vorhanden Antikörper = Immunoglobuline = „Ig“
Arztgespräch und körperliche Untersuchung sind am wichtigsten für die Diagnose „Rheuma“
anti-CPP ist für die Diagnose der frühen und seronegativen RA besser geeignet als Rheumafaktoren
„Das erwähnte citrullinierte Peptid (=anti-CCP) spielt in Ihrem Fall eine besondere Rolle, da es eine hohe Spezifität hat (mehr als 95 %). Das heißt wenn der Wert in ihrem Blut negativ ist, dann haben sie mit 95 %iger Sicherheit keine RA.“
- Ich habe einen CCP-Wert von 0,3 (Normbereich:
Zu Priamos korrekter Antwort füge ich noch hinzu, dass Ihr Wert im Normbereich liegt. Mehr sagt das Ergebnis erstmal nicht aus. Ich möchte nochmal auf das Arztgespräch und die körperliche Untersuchung hinweisen. Bitte versteifen Sie sich nicht auf einen Laborwert / -werte.
Ich gehe mal davon aus, dass Sie (oder wer auch immer betroffen ist) bei einem Rheumatologen in Behandlung sind. Dieser erklärt Ihnen Ihre Fragen sicherlich ausführlich, und der große Vorteil ist: er kennt Sie.
Ich versteife mich nicht auf Laborwerte, darum ja diese „Wie wird seronegatives Rheuma diagnostiziert“ -Frage. Weil ich eben dem ganzen nicht traue.
Die Knochen an meinen Fingern sind seitlich angeschwollen - mein Rheumatologe hat sich meine Fingern nur so 08/15-mäßig angesehen… Ich vertraue ja auf seine Kompetenz, aber ich denke das er sich eben nur auf die Laborwerte verlässt (sowie das Röntgenbild).
Meine Finger kenne einzig und allein ich und ich bin mir sicher, dass sie vor ~5 Monaten nicht so ausgesehen haben. Leider.
Ich mache mir eben meine Gedanken und will einfach Gewissheit haben, bzw. hören „Ich kann eine Rheuma-Krankheit ausschließen“. Ich hoffe, sie verstehen das.
Wenn ich jetzt eine MRT-Untersuchung z. B. von der rechten Hand machen lassen würde, hätte ich dann 100%-ige Sicherheit?