Wie wirkt Koffein im Körper?

Hallo miteinander!

Beim Kaffeetrinken haben wir uns heute gefragt, weshalb Kaffee eigentlich ‚aufweckt‘. Kann uns da jemand helfen?

Vielen Dank schon mal und Grüsse!
Julia.

Hallo Julia,

Coffein, Teein, Nikotin und andere ähnlicgh gebaute Substanzen, auch einige als Suchtgifte bekannte (z.B. Morphine) sind offenbar dem Körper entwicklungsgeschichtlich nicht unbekannt, werden zum Teil auch selbst gebildet (geringste Mengen Alkohol und Endomorphine).
Im prinzip gibt es im Gehirn sogenannte Andockstellen, die wie ein Schloss zum jeweiligen Schlüssel-Molekül passen. Sind deren recht viele besetzt, werden sogar neue gebildet. Insofern kommt es zur Zunahme der jeweils tolerierten (anders formuliert: auch der je zusätzlich verlangten) Substanzmenge. Das bedeutet in jedem Fall - auch wenn es sich um „harmlose“ Substanzen wie eben Coffein handelt: eine gewisse Suchtgefahr.
Das gilt sogar für die noch nicht völlig analysierten Genuss-Stoffe der Kakaobohne, die in Schokoladen bekannter Weise neben dem Lecithin einiges an Glückgsgefühlen bereiten können.
Da wir auf diese Stoffe offenbar nicht entwicklungsgeschichtlich angepasst sind, komtm es auch zu keiner „Plafond-Bildung“, weshalb Schokolade oft in heftiger Überdosierung eingenommen wird.

Bei Substanzen wie Coffein und Nikotin aber ist auch ein sogenannter paradoxer Effekt zu bemerken: Wird die Dosis innerhalb einer kurzen Zeit besonders stark erhöht, kommt es zu einem gegenteiligen Wirkeffekt: das ermunternde Coffein oder Nikotin macht müde.

Ja, so viel fällt mir im Augenblick dazu ein.
Schöne Grüße aus Wien,
Volkmar.

Hallo,

Beim Kaffeetrinken haben wir uns heute gefragt, weshalb Kaffee
eigentlich ‚aufweckt‘. Kann uns da jemand helfen?

http://www.kaffee3000.de/wach.html

erklärt das ganz gut.

Gruss
Enno

Hallo Julia, ich versuchs mal zu erklären:

Adrenalin macht wach und aktiv. Es vermittelt seine Wirkung in den Körperzellen durch einen Botenstoff mit dem Namen cAMP. Dieses cAMP wird durch sogenannte Phosphodiesterasen abgebaut. Hemme ich diese Phosphodiesterasen duch Coffein, bleibt cAMP länger aktiv. So verstärke ich dur´ch Coffein die cAMP- und damit die Adrenalin-Wirkung. Bis hierhin verstanden? Das ist die bekanntere, aber vermutlich weniger wichtige Wirkung von Coffein.

Jetzt gibts noch einen weiteren Effekt, dieser betrifft nicht Adrenalin sondern einen Stoff mit Namen ADP (bzw. AMP bzw Adenosin). Dieses wir´d bei Erschöpung verstärkt gebildet (fällt sozusagen nach Anstrengung als Abfall an). Dieses ADP koppelt an Purinrezeptoren an verschiedenen Körperzellen und signalisiert: „Ich brauch ne Pause“. Coffein kann diese Rezeptoren aber blockieren, so daß dieses Signal erst bei viel höheren ADP-konzentrationen ausgelöst wird. Daher wird man nach Kaffee später müde, aber man wird irgendwann müde. Und erschöpft ist man schon vorher, der Körper merkt es nur später.

Und zu guter Letzt gibts dann noch ne komische, ziemlich ungeklärte Sache: Wenn man bereits sehr müde ist, kann dies durch eine relativ große Menge Kaffe sogar noch verstärkt werden. Aber sicher nachgewiesen ist dieser paradoxe Effekt nur bei Mäusen (oder warens Ratten??).
Hast Du es trotz der Biochemie verstanden? Ich hoffe mal.
Gruß
Michael