Wie witterungsbereinigten Heizenergieverbrauch berechnen?

Wie witterungs- / klimabereinigten Heizenergieverbrauch im Vergleich mit Vorjahresmonat berechnen?

Da der Verdacht besteht, dass der neue Gaszähler einen deutlich zu hohen monatlichen Verbrauch anzeigt, muss ich möglichst genau den witterungs- / klimabereinigten Heizenergieverbrauch berechnen und direkt mit dem vom jeweiligen Vorjahresmonat vergleichen.

Frage:

Ist folgende Berechnungsformel richtig und die genaueste?

Monatlicher Heizenergieverbrauch in kWh x Gradtagszahl * des jeweiligen Monats für meine PLZ.

Das gleiche für den jeweiligen Vorjahresmonat.

Aus die Differenz der beiden Monats-Ergebnisse wird der prozentuale witterungs- / klimabereinigte Mehr- oder Weniger-Verbrauch gegenüber dem Vorjahresmonat berechnet.

*
Gradtagszahl lt. http://klimadaten.ages-gmbh.de/ mit den Daten vom Deutschen WetterDienst (DWD).

Da dies der Realität meiner Heizungsanlage am nähesten kommt verwende ich GT 20/17.

Vielen Dank für Hinweise und Tipps.

Hallo!

Es muss Verbrauch / Gradzahl heißen. Die Gradzahl ist ja ein Maß für die benötigte Wärmemenge eines Tages oder eines Monats, und du möchtest wissen, wie viel Gas du pro benötigter Wärmemengeeinheit verbrauchst. Dieses Verhältnis sollte ja relativ gleich bleiben.

Hier zwei Monate, bei denen der Verbrauch perfekt zur Gradzahl passt. Das ergibt den Wert 2 in der letzten Spalte. Der Wert in Spalte 3 dagegen ist nichtssagend.

Verbrauch Gradzahl Verbrauch * Gradzahl Verbrauch / Gradzahl
100 50 5000 2
200 100 20000 2

Abgesehen davon:

  • Die ganze Sache wird komplizierter, wenn die Heizung auch Warmwasser bereitstellt.
  • Privat kommt meist ein Balgen- oder Kolbenzähler zum Einsatz. Die sind aber eigentlich recht genau, es gibt kaum eine technische Möglichkeit für eine fehlerhafte Messung.
  • Gas wird in Volumen gemessen, aber in Energie abgerechnet. Der Energiegehalt des Volumens hängt unter anderem vom Umgebungsluftdruck, aber auch dem Druck in der Leitung ab. Gut, der Umgebungsdruck ändert sich jetzt nicht soo wahnsinnig stark, und der Druck in der Leitung wird eigentlich immer etwa 30mBar über Umgebungsdruck liegen. Daneben kommt es auch auf die Zusammensetzung des Gases an, die sich im Laufe des Jahres mal ändern kann. Jedenfalls, dein Versorger verwendet auch was ganz ähnliches wie Gradtage, um das Gasvolumen in Energie umzurechnen.

Hallo sweber,

nein ich will nicht wissen “wie viel Gas ich pro benötigter Wärmemengeeinheit verbrauche”

sondern den gemessenen monatlichen Gasverbrauch (umgerechnet in kWh) witterungsbereinigt mit dem vom Vorjahresmonat vergleichen.

hi,

was soll dabei heraus kommen?

doch, willst du.
Du willst die Werte vergleichen und dazu brauchst du vergleichbare Werte.

Wenn die Verbrauchsdaten alle protokolliert sind und das Nutzerverhalten nicht schwankt, schau dir eben den Juli/August letzten Jahres an.

Der Wert wird zum Wert X für Warmwasser oder sonstigen Leerlaufverbrauch.

Dann wäre (Monatliche kWh - X ) / Gradtagszahl ein Wert, der sich vergleichen lassen könnte, wenn der Verbrauch wirklich linear steigt und sich die Nutzung ganz gleichmäßig verhält.

Wenn sich über viele Monate hinweg ein gleicher Abstand der Werte einstellt, könnte man überlegen ob jetzt mehr „Gas je Bedarf“ gezählt wird, als früher.

Dann wäre noch die Frage, wie man herausbekommt, ob der jetzige Zähler mehr als real zählt oder der Alte weniger als real gezählt hat.

es ist im übrigen egal, ob du mit m³ oder kWh rechnest. Außer du kompensierst bei der Umrechnung in kWh noch irgendwelche störenden Einflüsse.
Wenn du aber mit einem festen Energiewert rechnest, kannste dir das auch schenken.

grüße
lipi

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Doch, möchtest du.

Du vermutest einen (scheinbaren) Mehrverbrauch, und den bekommst du raus, indem du den Verbrauch mit einem theoretischen Verbrauch vergleichst. Dieser liegt als Gradzahl vor, nicht in kWh oder Kubikmeter Gas, aber das ist egal, wenn du dir das Verhältnis anschaust.

Ja, du kannst Februarverbrauch / Februargradtage * Märzgradtage=Märzverbrauch rechnen um auf Basis der Situation im Februar zu berechnen, wie groß der Verbrauch im März sein müsste, um das dann mit dem tatsächlichen Verbrauch zu vergleichen. Ist aber im Prinzip auch nichts anderes, nur aufwändiger, und du siehst den Unterschied nicht so einfach.

Hallo sweber,

die Umrechnung der monatlichen Gasmenge m³ in kWh macht der Energieversorger mit den monatlich schwankenden Werten für Brennwert und Z.Zahl. Da auch der monatliche Wasserverbrauch bekannt ist und gegeneüber dem Vorjahresmonat nur sehr geringfüggig schwankt, müssten größere Unterschiede zum Heizenergieverbrauch des Vorjahresmonats ausschließlich witterungs- / klimabedingt sein.

Durch die Multiplikation des monatlichen Heizenergieverbrauche mit der Gradtagszahl des jeweiligen Monats für meine PLZ wird die unterschiedliche Witterung (warmer Monat / kalter Monat) gegenüber dem Vorjahresmonat “herausgerechnet”.

Willst du Jahrzehnte vergleichen?
Sonst bleib lieber beim Wetter. :grinning_face_with_smiling_eyes:

hi,

mach doch einfach einen Test.

Du fährst mit einem Auto einen Berg hoch. Der ist 30km lang. du verbrauchst 5 Liter. Der Berg hat eine Steigung von 10 Gradkilometerzahl.

nun fährst du einen anderen Berg hoch, wieder 30km lang, aber mit einer Steigung von 15 GKZ und verbrauchst 7,5 Liter.

Du willst rechnen: 5*10 = 50 und 7,5*15 = 112,5

Du vergleichst nun deine Produkte und stellst fest, dass sie massiv abweichen.
Das erklärt sich aber dadurch, dass der Mehrverbrauch einmal in 7,5 Litern enthalten ist und zudem nochmal in der Gradzahl. Du multiplizierst den Mehrverbrauch mit sich selbst.

Daher nochmal: du dividierst natürlich.
Denn durch eine Rechnung 5/10=0,5 und eine Vergleichsrechnung 7,5/15=0,5 wäre zu erkennen, dass der Verbrauch gleich bleibt under Mehrverbrauch an der Steigung liegt. Das hinkt jetzt natürlich in sofern ein Fahrzeug nicht so arg steigungsabhängig ist und einen Grundverbrauch hat.
Den würde man herausrechnen, wenn man 30km gerade fährt. Das wäre in deiner Rechnung der Warmwasserverbrauch der Witterungsunabhängig ist.

Wenn du wölltest, könntest du natürlich den Verbrauch für einen anderen Monat berechnen, wie es dir sweber schon geschrieben hat. Das wäre ein simpler Dreisatz.
Dabei verlierst du aber die Möglichkeit, deine Rechnung zu prüfen und die Fehleranfälligkeit zu bewerten. Wenn innerhalb der Monate mit dem alten Zähe bereits größere Schwankungen auftreten, dann kannst du daraus Rückschlüsse ziehen, in wieweit dem Verfahren zu trauen ist und wie groß das Rauschen dabei ist.
Wenn also die Monate mit altem Zähler um die 10% schwanken und auch der Neue Zähler in diesen Bereich fällt, wäre das nicht auffällig.
Schwanken die alten Werte nur um 3% wären hingegen 10% auffällig.

Wenn du dir eine Tabelle anlegst würde ich sogar die Monate noch bereinigen, ob 28, 30 oder 31 Tage spielt letztlich ja auch ne Rolle, die dein Hintergrundrauschen verstärkt.

grüße
lipi

Es ist ein häufiges Problem, dass Unstimmigkeiten immer erst dann erkannt werden, wenn eine Messperiode endet oder wie hier ein Zählerwechsel ansteht.
Ich lese regelmäßig meine Zähler ab, weil einmal ein Warmwasserzähler 7 Monate unerkannt nicht gezählt hat. So habe ich festgestellt, dass mein Wasserverbrauch sehr konstant ist. Die Daten kommen in eine Excel-Tabelle und man kann an der Kurve auf einen Blick erkennen, ob da was faul ist.
Ich bin gelernter Mess- und Regeltechniker und habe was für schöne Kurven übrig. :rofl:

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Das kommt schon hin und wieder mal vor.

Nicht zählende oder blockierte Zähler sind relativ häufig.

Das irgendwelche Zähler mal zuviel zählen habe ich noch nicht erlebt.

Hatte neulich aber auch einen lustigen Fall.

Kunden hatten über Jahre die Zähler selber abgelesen, und weil sie schlauer als alle anderen waren, den Zählerstand immer sehr großzügig abgerundet und einfach den Vorjahresverbrauch wieder angegeben.

Prahlten auch noch mit ihrem weit unterdurchschnittlichem Gasverbrauch.

Ende vorletzten Jahres wurde dann der Gaszähler turnusmässig ausgetauscht und letztes Jahr wurde der Stand von den Stadtwerken selber abgelesen.

Tatsächlich musste eine erhebliche Summe nachgezahlt werden.

Da das jetzt nach dem Zählertausch war, konnte ja nur der neue Gaszähler an dem mehrverbrauch schuld sein.

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Hi!

Wie andere dir schon geschrieben haben, ist die Multiplikation weiterhin der falsche Weg.

Aber steigen wir genauer ein:

Du kennst den Energiebedarf für Warmwasser anscheinend in kWh - das ist durchaus so üblich, und der kann so als konstant angesehen werden.

Diese Gradzahlen werden wie folgt berechnet:

  • betrachte für jeden Tag nur die Tagesdurchschnittstemperatur
  • Falls sie unter 15°C (Heizgrenze) liegt:
    • Die Gradzahl ist (20°C - Tagesdurchschnittstemperatur)
  • Falls sie drüber liegt:
    • Die Gradzahl ist 0

Für einen Monat oder ein Jahr werden die Gradzahlen für jeden Tag aufsummiert.

Das heißt, dass die Einheit einer Gradzahl tatsächlich °C (Als Physiker würde ich K sagen) ist, und dass der Zahlenwert im Prinzip keine direkte Bedeutung hat.

Üblicherweise nutzt man das ja zur unterjährigen Abrechnung, wenn ein Mieter auszieht. das geht dann so: Teile den Rechnungsbetrag durch die Summe aller Gradzahlen des Abrechnungszeitraums der Heizkosten, und multipliziere mit der Summe der Gradzahlen des Zeitraums, den der Mieter dort gewohnt hat.
Für Düsseldorf sieht das beispielsweise so aus (von deiner Webseite, Prozenwerte von mir)

Monat Gradzahl Prozentual
2025-01 515 18,23 %
2025-02 440,7 15,60 %
2025-03 362,9 12,85 %
2025-04 227,5 8,05 %
2025-05 127,6 4,52 %
2025-06 17,7 0,63 %
2025-07 0 0,00 %
2025-08 5,6 0,20 %
2025-09 75,9 2,69 %
2025-10 250,5 8,87 %
2025-11 357,9 12,67 %
2025-12 443,2 15,69 %
2025 2824,5

Wenn du im Februar 100kWh an Gas verbraucht hast, ziehst du davon die 20kWh für Warmwasser ab, die restlichen 80kWh entsprechen also diesen 440,7.

Für März erwartest du also: (80kWh / 440,7 * 362,9) = 65,8kWh fürs heizen, die konstanten 20kWh fürs Wasser kommen drauf, insgesamt also 85,8kWh. Das kannst du mit deinem wahren Verbrauch vergleichen.

Wie du siehst, da wird durch die Gradtage des Februars dividiert, nicht multipliziert. Wenn du mir immernoch nicht glaubst, dann berechne bitte mal nach deiner Methode Februar und August, uns sage mir dann, was genau du aus den dann gewonnenen Zahlen ablesen willst.

Und nochmal: Diese Gradzahlen sind ein sehr.. künstliches Maß für den Wärmebedarf, der individuell doch sehr unterschiedlich ausfallen kann. Gut isolierte Häuser brauchen bei 15°C noch keine Heizung, schlecht isolierte bereits ab 17°C.
Vor allem bei der Betrachtung kleiner Zeiträume, und da zähle ich Monate schon dazu, ist da keine besondere Präzision zu erwarten.

Servus,

jeder Zähler, ob für Gas, Wasser, Strom etc. wird vor dem Verlassen des Werks geeicht und das Eichprotokoll vom Hersteller aufbewahrt.

Die Eichung hat aber ein Verfallsdatum. Diese ist für Gaszähler G4 - G6 8 Jahre, G10 12 Jahre, ab G16 16 Jahre etc.

Falls Du jetzt Zweifel an der korrekten Funktion des Zählers hast, so photographiere den Zähler und verlange von diesem Hersteller dieses Eichprotokoll. Wenn Du Mieter sein solltest, ist es besser dem Vermieter das Schreiben an den Hersteller zu überlassen.

Gehe erst mal diesen Weg.

Gruß

Trianon

Hallo Trianon,
vielen Dank für deinen Tipp mit der Anforderung es Eichprotokolls des Gaszähler vom Hersteller. Der betroffene Gaszähler wurde bei mir im Auftrag des Gasversorgers routiniemäßig eichgetauscht. Der Hersteller des Gaszähler ist zusammen mit der Seriennummer angegeben.

Jain.

Es kann zum ende der Eichtfrist eine stichprobenartige Überprüfung geben, und wenn es dabei keine Beanstandungen gibt, kann die Eichfrist ALLER Zähler dieser Baureihe um einige Jahre verlängert werden. Die einzelnen Zähler bekommen dazu auch KEIN neues Eichsiegel.

Vermutlich ist der Erkenntnisgewinn eher nicht existent. Der Zähler hat sicher ein Eichsiegel, und es ist schwer vorstellbar, dass beim Eichen ein Fehler nicht aufgefallen ist. Wenn der Zähler fehlerhaft ist, wird der Defekt höchstwahrscheinlich erst nach dem Eichen aufgetreten sein.