Im Archiv habe ich unter ‚Religion‘ eine etwas abstruse Diskussion
über die Kreuzigung gefunden, was mich veranlasst, hier unter
‚Geschichte‘ ein paar historische belegte Angaben nachzuliefern.
Wie ‚kreuzigten‘ die Römer vor 2000 Jahren?
Das Opfer wurde blutig gepeitscht. Dann wurden seine Arme auf einen
Balken (PATIBULUM) gebunden oder/und genagelt. Das Opfer musste
diesen Balken so zur Richtstätte tragen. Dort standen Pfosten. Das
Opfer wurde daran gehängt, indem man seinen Balken quer auf das obere
Ende eines Pfostens legte und ihn dort befestigte. Pfosten und Balken
bildeten also nicht ein Kreuz, sondern eine gedrungene T-Form von
etwa zwei auf zwei Meter.
Die Geisselung war nicht eine zusätzliche Folter, sondern eine Gnade.
Blutverlust und Herzbelastung ermöglichten dem Opfer einen
schnelleren Tod am PATIBULUM. Die Gnade bestand aber nicht in der
Abkürzung des Todeskampfes, sondern vor allem in der Abkürzung der
Schande für das Opfer und seine Familie. Ebenso gab es auch
verschiedene Massnahmen zur Verlängerung des Todeskampfes, um die
Schande zu vergrössern. Insbesondere dienten Querhölzer zum Sitzen
(SEDILE) und zum Abstützen der Füsse (SUPPEDANEUM) eine solche
Verlängerung des Todeskampfes. Zur Zeit Jesu richteten die römischen
Besatzer Abertausende am PATIBULUM hin.
Wie wurde Jesus umgebracht?
Genau, wie oben beschrieben, und zwar auf die ‚schonungsvolle‘ Art.
Die Evangelisten verwenden auch wörtlich den Begriff ‚Pfosten‘ oder
‚Pfahl‘, kein ‚Kreuz‘. Für Bibelgläubige entsteht also kein Problem.
Das sogenannte römische Kreuz mit dem hohen Pfosten und dem kurzen
Querbalken entstand erst im 4. Jahrhundert, und zwar nicht als
Hinrichtungsgerät sondern als Heeresfahne von Kaiser Konstantin, der
325 das Christentum zur Staatsreligion gemacht hatte. Das Kreuz wurde
als hohe aufrechte Lanze mit einem kurzen Querbalken dargestellt,
also als Aufhängevorrichtung für eine Legionsfahne.
Dieses römische Kreuz wurde dann zum Symbol des Martertodes von
Jesus. (Jeder Märtyrer wurde mit seinem Tötungsgerät gekennzeichnet;
die Leute konnten nicht lesen.) Vorher kannten die Christen als
Zeichen nur den Fisch und das P. Das Kreuz hatten ihre Feinde
verwendet, als Spottsymbol und Zeichen der Schande an die Häuser der
Christen geschmiert …
wenn Du wikipedia schon zu Rate gezogen hast und den Tatbestand und die Umstände der Kreuzigung(en) referierst - was willst Du dann noch wissen?
Daß Jesus gekreuzigt wurde, steht außer Zweifel. Daß seine Kreuzigung mit einer Nagelung verbunden war - es gab auch die Variante, daß die Delinquenten nur mit Stricken angebunden wurden -, ist ebenso unbestritten. Die Form des Kreuzes tut nichts zur Sache.
Und ob in den Evangelien nun Pfahl, Pfosten oder Kreuz steht können qwir gern diskutieren; da gucken wir uns dann die Originaltexte an. Bisher kenne ich diese Art von Diskussion mit dieser Wortklauberei (nichts gegen Genauigkeit; davon lebt die Exegese!) nur von Vetretern gewisser randständiger religiöser Gruppierungen (um es mal freundlich zu sagen). Wenn Du meinst, sie brächten was, dann können wir uns gern auf dieser Ebene weiter unterhalten. Aber dann, wie gesagt, nur mit den Originaltexten.
Ja, und nun noch mal die Frage: Was willst Du eigentlich wissen?
Ich zitiere meinen ersten Satz: „Im Archiv habe ich unter ‚Religion‘
eine etwas abstruse Diskussion über die Kreuzigung gefunden, was mich
veranlasst, hier unter ‚Geschichte‘ ein paar historische belegte
Angaben nachzuliefern.“
Was hiermit geschehen ist. Gefragt habe ich nichts.
es mag ja sein, daß ich total verblödet bin - sowas merkt man selbst ja leider als letzter.
Aber die Überschrift über Deiner Wortmeldung war - wörtlich -:
„Wie wurde Jesus umgebracht?“
Das ist nach meiner - zugegeben: bescheidenen - Kenntnis deutscher Grammatik und Interpunktion eine Frage.
Nun habe ich wohl den Fehler begangen, einen Satz, der die Form einer Frage hat, auch substanziell für eine solche zu halten. Tut mir leid, ich bin eben immer noch daran gewöhnt, mein Gegenüber ernstzunehmen und zuerst einmal auf das zu hören, was er sagt und nicht auf das, was er möglicherweise schon weiß.
[…] Kaiser Konstantin, der
325 das Christentum zur Staatsreligion gemacht hatte. […]
Falsch, auch wenn es immer wieder behauptet wird. Das mit der Staatsreligion war Theodosius I, und es war auch nicht 325, sondern 380.
Den restlichen Text will ich nicht kommentieren, halte ihn aber vom wissenschaftlichen Anspruch her für bedenklich. Bin aber selbst bestenfalls interessierter Laie. Um die Ehre der Wikipedia zu retten: Der Artikel wie er heute dort steht und die Abchrift hier weisen bestenfalls noch entfernte Ähnlichkeiten auf.
Das
Kreuz wurde
als hohe aufrechte Lanze mit einem kurzen Querbalken
dargestellt,
also als Aufhängevorrichtung für eine Legionsfahne.
Das finde ich interessant (auch wenn es wohl kaum Konstantin gewesen war). Gibt es dazu eine entsprechende Quelle?
Ich würde gerne wissen, auf welche Version (ungefährer Zeitraum reicht) sich das Zitat bezieht, ich habe auf die Schnelle keine Version gefunden, die dieser hier ähnelt (es muss sich also wohl um eine nur sehr kurzlebige Variante gehalten haben…).
Im Archiv habe ich unter ‚Religion‘ eine etwas abstruse
Diskussion
über die Kreuzigung gefunden, was mich veranlasst, hier unter
‚Geschichte‘ ein paar historische belegte Angaben
nachzuliefern.
Herzlichen Dank für Deine Initiative. Allerdings entspricht dies nicht dem Grund-konzept des Expertenforums von wer-weiss-was, wo reine Informationspostings ohne eine dem vorausgehende Fragen unerwünscht sind.