Hallo Militärhistoiker,
Deutschland bestand damals zwar aus Hunderten von absolutistischen Kleinstaaten und eine für alle verbindliche Aussage läßt sich wohl nicht treffen, dennoch werden die Verhältnisse überall ähnlich gewesen sein. Zur Frage:
War die Offizierslaufbahn nur dem Adel vorbehalten?
Wie verlief etwa eine typische Offizierskarriere?
Konnte man ein Offizierspatent kaufen und sofort „oben“ zusteigen oder gab es nur die Ochsentour?
Wie weit konnte sich ein nichtadliger Berufssoldat hochdienen?
Danke für Eure Antworten.
Wolfgang D.
Hi,
naja mit 1810/20 hast du gerade einen Zeitraum abgepasst, in dem sich viel änderte. In deutschen Landen lernte man damals nämlich auf die harte Tour von Napoleon, dass das bisherige Militärsystem suboptimal war. Ein Teil der in dieser Zeit eingeleiteten Reformen (ausgehend von Preußen aber mehr oder minder schnell von anderen Staaten nachvollzogen) bezog sich auf den Zugang zu Offiziersämtern.
War die Offizierslaufbahn nur dem Adel vorbehalten?
Das war je nach Truppengattung unterschiedlich. In den neuen „technischen Truppen“, also vor allem das, was man heute „Pioniere“ nennen würde, und Artillerie, konnten Bürgerliche relativ weit aufsteigen, obwohl auch da bürgerliche Generäle die absolute Ausnahme gewesen sein dürften. Allerdings stellten diese Waffengattungen ohnehin selten Generäle. Unter Infanteristen dürften bürgerliche Offiziere schon seltener gewesen und am ehesten bei den neuen Truppentypen, also Tirailleuren, Füsilieren und Jägern, vorgekommen sein. Die Kavallerie blieb nahezu ausschließlich adligen Offizieren vorbehalten.
Wie verlief etwa eine typische Offizierskarriere?
Bei den Adligen wohl meist relativ strukturiert von der Kadettenanstalt über Offiziersschulen und dann immer weiter aufsteigende Kommandos. Bei den Bürgerlichen war es wohl häufig so, dass besonders begabte aus den Reihen der Unteroffiziere auf sich aufmerksam machten und dann entsprechende Fördertung, Protektion udn Ausbildung bekamen. Allerdings setzte auch da bei der „technischen Truppe“ relativ schnell eine gezielte Nachwuchsförderung und -ausbildung zur Gewinnung von Führungspersonal ein.
Konnte man ein Offizierspatent kaufen und sofort „oben“
zusteigen oder gab es nur die Ochsentour?
Direkt kaufen wohl seltener. Aber Adlige mit wohlklingendem Namen und einflussreichen Verwandten dürften es schon einfacher gehabt haben und zügig über Stabspositionen aufgestiegen sein, ohne allzu viel Kampf- und Truppenführungswerfahrung gesammelt zu haben.
Wie weit konnte sich ein nichtadliger Berufssoldat hochdienen?
Kam wie gesagt sehr auch den genauen Zeitpunkt aund die Truppengattung an. Je später nach den preußischen Heeresreformen und je mehr Mathematik für die Arbeit gebracuht wurde, desto höher. In der Kavallerie wohl schwerlich über einen Feldwebelrang hinaus.