Wieder was zu Anglizismen

Hallo, Leute,

hier einmal wieder ein Beispiel für unnötige Anglizismen:

_Verein: Gerhard Mayer-Vorfelder ist „Sprachpanscher des Jahres“

Dortmund (dpa) - Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes
(DFB), Gerhard Mayer-Vorfelder, ist zum „Sprachpanscher des Jahres“
gewählt worden. Das teilte der Verein Deutsche Sprache (VDS) in
Dortmund mit. Als Verantwortlicher für den DFB-Katalog „Fan Corner“
habe Mayer-Vorfelder die zweifelhafte Auszeichnung verdient: Für
Produktbezeichnungen wie „Home and away shirts“ und „Reversible
tops“. „Imponier-Anglizismen sind schlichtweg überflüssig“, erklärte
der VDS. Mayer-Vorfelder konterte: „Reiner Populismus - ein Witz.“_

Bemerkenswert wie Mayer-Vorstopper auch in dieser Hinsicht unbelehrbar und wasserdicht ist.
Fritz

Hallo Fritz,

Mayer-Vorfelder konterte: „Reiner Populismus - ein Witz.“

Das hat er gesagt, weil er persönlich mit der Erstellung von Fan-Corner und damit auch mit der Produktbenennung gar nichts zu tun hatte. Aus seiner Sicht bedient sich der VDS seines guten Namens, um sich in den Vordergrund zu spielen.

Bemerkenswert wie Mayer-Vorstopper auch in dieser Hinsicht
unbelehrbar und wasserdicht ist.

Angenommen, aus seiner Sicht sind die Anglizismen nicht unnötig, weil sie die internationale Zugkraft der beworbenen Produkte erhöhen sollen?!? Angenommen, aus seiner Sicht ist es durchaus legitim, Anglizismen zur reinen Prestigesteigerung zu verwenden (so wie das seit Jahrhunderten mit Fremdwörtern gemacht wird)?!? Angenommen, kein Wort (auch kein aus dem Englischen entlehntes) ist unnötig, wenn es dem Einzelsprecher in einer bestimmten Kommunikationssituation geeigneter als andere Wörter erscheint, eine bestimmte Aussage zu machen?!?

Kann es sein, dass die Verwendung von Anglizismen zwar unangemessen sein kann, dass aber die Unangemessenheit vom subjektiven Empfinden des einzelnen abhängt? Und kann es weiter sein, dass Deutschlehrer und Sprachpuristen ein anderes Sprachempfinden haben könnten als manch anderer Sprachbenutzer? Und hier kommen wir zu der interessanten Frage, ob Sprachpuristen allein schon wegen ihres anderen Sprachempfindens das Recht haben, die Sprachverwendung anderer zu kritisieren.

Aus meiner Sicht braucht die Anglizismen-Diskussion in Deutschland etwas mehr Sachlichkeit und etwas weniger persönliche Angriffe.

Bye, bye ;o)
Susan

P.S.: Nichtsdestotrotz ist es immer wieder schön, neueste Anglizismen-Informationen von dir zu bekommen…

Hallo Susan,

ich stimme dir zu, dass diese Diskussion sachlich zu führen ist. Aber es ist doch schade, dass deutsche Wörter durch englische ersetzt werden, wenn es nicht einmal einen Informationsgewinn gibt: corner = Ecke. In meinem Fach Wirtschaftsrecht sehe ich das an allen Ecken und Enden, weil es „in“ ist sich auf Englisch auszudrücken: Asset deal und share deal, statt Unternehmenskauf und Anteilskauf. Gerade in dieser Disziplin finde ich es nicht gut, da es beim Recht insbesondere um die Auslegung von Gesagtem und Geschriebenem geht. In vielen Fällen kann man auf Deutsch alles gut ausdrücken, und aus meiner Sicht als Juristin viel genauer als wenn man schöne englische Worte einflicht. Bei einer Fremdsprache bleibt eben doch viel Interpretationsspielraum: Weiss der Benutzer des Wortes was es wirklich heißt? Könnte es sich um eine völlig ungebräuchliche Bedeutung handeln? Steht die richtige Bedeutung auch in meinem Wörterbuch? Ist das Wort in diesem Zusammenhang überhaupt zu benutzen?
Dies kann man durch die Benutztung der deutschen Sprache umgehen.

Gruß Kerstin

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Hallo, Susan,

es kann gut sein, dass du mit deinen Erwägungen richtig liegst. Man müsste den Einzelfall prüfen. Auch bei Meyer-Vorfelder; auch wenn ich …, aber wir wollen nicht persönlich angreifen, selbst wenn wir den Mann für mehr als angreifbar halten.

Ich hoffe doch, dass du meine Haltung zu Anglizismen und Fremdwörtern wohl von der des „Vereins für deutsche Sprache“ zu unterscheiden weißt.

Ich benutze gern und oft Fremdwörter, um damit meinen Bildungsstand allen eindeutig klar zu machen, auch meinen Einbildungsstand! :wink:

Und zu Anglizismen und Denglisch habe ich mich auch - so hoffe ich - so geäußert, dass ich keineswegs als Purist betrachtet werden kann.

Ich gehe aber in der Tat davon aus, dass jemand, der sich täglich und beruflich und mit eigenem Interesse mit Sprache befasst - und so einer ist bei weitem noch kein Purist*! -, sich schon erlauben darf, sich über Wildwüchse und gedankenloses Modegeschafel zu mokieren, solange er keine Scheiterhaufen baut.

*Wenn ich aber meine Telefonrechnung nicht mehr interpretieren kann, wächst in mir die Sympathie für Puristen.

Und weil du es offensichtlich gern liest, hier noch mehr:

_„Nordbayerischer Kurier“ (Bayreuth) zu Sprachpanscher

Lassen Sie es sich auf der Zunge zergehen: Die deutsche Kultusministerkonferenz führt einen „Bachelor“-Studiengang ein und ruft zum „Girls’ Day“. Diese bemüht populistische Wortwahl hätte den Damen und Herren Ministern durchaus den Preis als „Sprachpanscher des Jahres“ bringen können.
Über 2100 Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache (VDS) haben stattdessen DFB-Präsident Mayer-Vorfelder mit dem zweifelhaften Titel bedacht. „Fan Corner“ sowie „Home and away shirts“ sind Wortschöpfungen der Kicker, die den Sprachwächtern aufstoßen.
Unterstellen wir mal, dass die meisten „Denglisch“- Sprechenden des Deutschen mächtig sind. Dann kann ihr Radebrechen doch nur heißen, dass es ihnen egal ist, ob sie verstanden werden: In diesem Falle könnten sie gleich den Mund halten.
©dpa_

Gruß Fritz

Zu viel Aufhebens um Englisch
Zwar sind Anglizismen an sich nicht wünschenswert. Aber

  1. sind doch richtige Anglzismen meist noch besser als Teil-anglizismen aus Deutsch und Englisch. Bei Fan kann man jetzt vielleicht sagen, daß es schon lange genug im deutschen Sprach-Gebrauch verankert ist. Aber eigentlich ist es ja kein deutsches Wort, und insofern wäre Fan-Corner ja noch passender als Fan-Ecke.
    Oder steht es in einem ganz anderen Zusammenhang und hat damit gar nichs zu tun :smile:?

  2. sind die französischen und viele der griechischen/lateinischen Wörter im Prinzip ja auf dieselbe Weise ins Deutsche gelangt, und daran nimmt selten jemand Anstoß, vor allem keine Deutschlehrer!

Ich finde, es wird sich bei der Wahrung der Deutschen Sprache zu sehr auf Anglizismen beschränkt.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Wenn ein Computer das englische Wort „fan“ übersetzen soll, kommt ein deutscher „Ventilator“ dabei heraus"

Naja, die Fans machen ja auch oft ziemlich viel Wind um nichts…

Fan ist bestenfalls eine Abkürzung des Wortes „Fanatiker“ oder „fanatic“.

Übrigens: Die neue deutsche Rechtschreibung ist die größte und weitaus schlimmste Sprachpanscherei des Jahrhunderts und ein Akt, der in Sachen Undemokratie seinesgleichen sucht, insbesondere wird damit bei den zusammengesetzten (müßte eigentlich jetzt getrennt geschrieben werden) Wörtern ein heilloses Durcheinander verusacht, da viele Sinnunterschiede, die durch Zusammen- oder Getrenntschreibung erkennbar waren, einfach plattgebügelt werden!

Beispiel: hoch werfen (wie hoch?) und hochwerfen (wohin?)

Wir sollten eine solche Schreibverschlimmerung, die die Lesbarkeit von Texten völlig außer acht gelassen hat, nicht einfach schlucken, zumal von Anfang an eine klare Mehrheit gegen die „Reform“ war (das Wort bedeutet doch eigentlich „zur alten Form zurückkehren“ und ist schon als Wort eine Lüge).

Erschreckend, wie leicht man das Volk verblöden kann…

schöne Grüße,

Gunnar