Wiederaufbau nach der Flut - sinnloses Tun?

Guten Morgen allerseits!

Viele Menschen haben während des Elbehochwassers ihr Haus und/oder ihre wirtschaftliche Existenz verloren. Vielen Menschen am Unterlauf der Elbe steht in diesen Tagen das Gleiche bevor. Es werden Spenden gesammelt, EU-Geld wird umgeleitet und der Fiskus gibt noch Geld dazu. Dann fangen die Menschen von vorne an.

Gleichzeitig gehen die Flußbegradigungen weiter. Die Elbe wird noch reißender. Es wird an einem System weiter gebaut, das man technisch in jedem anderen Bereich als inakzeptabel gefährlich verwerfen würde. Wo Leben von der Funktion abhängig ist, wird ein technisches System überdimensioniert und mehrfach redundant ausgelegt. Beim Ausfall einer Komponente darf noch kein gefährlicher Zustand eintreten. Eines von vielen Beispielen ist die Bremsanlage eines jeden Kfz. In einer Notsituation stehen 2 unabhängige hydraulische Bremskreise und eine Handbremse zur Verfügung. Zum Hochwasserschutz wird eine Fluthöhe angenommen, sodann schüttet man Erdwälle in der zuvor geschätzten Höhe auf und … nein, kein „und“, das ist schon alles. Hat man sich verschätzt oder der Deich hält nicht, wie geplant, ist eben die Katastrophe da.

Für weitere Flußbegradigungen und weitere Deiche wird im Binnenland, also außerhalb des Küstenschutzes, immer noch ein Betrag der Größenordnung aller jetzt geplanter staatlicher Hilfen für Hochwasseropfer verbaut. Jedes „Ausbügeln“ einer Flußbiegung verursacht Kosten in der 100-Mio-Euro-Größenordnung. Gleichzeitig geht mit jeder Begradigungs-Maßnahme eine Verengung des Flußbettes einher, die Wegnahme von Überschwemmungs- und Ausweichflächen, die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit, sowie eine Absenkung des Grundwasserspiegels in der weiteren Umgebung und eine Verarmung der Natur.

Jetzt wird gespendet und die Betroffenen sollen die Zerstörungen wieder beseitigen. Das ist sinnloser Irrwitz!

Jede weitere Flußbegradigung ist ein Verbrechen ignoranter Planer und Politiker, die Verwüstungen und Tote billigend in Kauf nehmen. Es ist zu billig, das Hochwasser auf die globale Erwärmung zu schieben. So wird suggeriert, es handele sich um Schicksal, gegen das man nichts tun könne. Das „Schicksal“ hat hier aber rein nichts mit Natur zu tun, es ist ausschließlich die Folge unsachgemäßen, geradezu dummen menschlichen Handelns. Ohne die Abschottung der Auwälder an den Flußläufen gäbe es kein Hochwasser. Wasser steigt nicht und niemals von alleine. Wasser steigt nur, wenn es seitlich in der Fläche nicht ausweichen kann.

Es läßt sich in Überschwemmungsgebieten hervorragend leben. Es läßt sich aber nicht in einem Hochwassergebiet leben. Überschwemmung und Hochwasser sind in diesem Sinne 2 grundverschiedene Dinge. Überschwemmung in Auengebieten ist einfach nur Feuchtigkeit. In Senken kann das Wasser dabei durchaus meterhoch stehen. In den übrigen Gebieten kann durchaus gelebt werden. Es gibt dort keine reißenden Fluten. Auf ein paar Dinge muß man in solchen Gebieten verzichten, z. B. auf Öltanks und auf Keller.

Werden von Tschechien bis Schleswig-Holstein ausreichend Überschwemmungsflächen geöffnet, kann man sich an den Industrie- und Ballungszentren auch gerne Deiche leisten, die dann nicht einmal hoch sein müssen, denn Hochwasser wird es dann nicht geben, kann es nicht geben.

Das Hochwasser (nicht zu verwechseln mit Tiedenhub und Sturmfluten in Küstenbereichen) ist menschengemacht. Es ist purer Unfug, von Naturkatastrophe zu reden. Und es ist pure Naivität, irgendwo wieder etwas aufzubauen, wenn es beim Konzept der vollständigen Kanalisierung und Eindeichung der Flüsse bleibt.

Hier sind klare Worte und Forderungen an die Politik angesagt. Nur mit Geld allein für den Wiederaufbau ist es nicht getan. Es ist übergangslos und sofort ein Umdenken beim Umgang mit den Flüssen als Teil unserer natürlichen Lebensgrundlagen erforderlich.

Bitte schickt Verbesserungsvorschläge und Kritik zu dieser Meinungsäußerung. Ich möchte diesen Text an die Bürgermeister der vom Hochwasser betroffenen Gemeinden schicken, damit politischer Druck entsteht mit dem Ziel, Rückbau etlicher Flußbegradigungen und Öffnung der abgeschotteten Flußauen.

Gruß
Wolfgang

Hallo wolfgang,

ich glaube nicht, daß das einen Zweck hat, auch wenn es durchaus sinnvoll ist. Unseren derzeitigen Politikern spreche ich jegliche Kompetenz ab.
http://www.zeit.de/2002/34/Wirtschaft/200234_hartz_s…
Das haben wir jetzt seit zwölf Jahren nach der Vereinigung tagtäglich erlebt. Da man aber so blind unmöglich sein kann, daß man die Mißstände nicht sehen will, sehe ich dahinter klare Absicht. Wahlkampfpropaganda geschmückt mit geschickter Agitation und rethorischen Mitteln kenne ich noch woanders her und es bewirkt nix.
Auch wenn es nach der Katastrophe eine kurzzeitige Wiederauflebensphase geben sollte ändert das nichts an der permanenten, systemimmanenten Krise. Es wird weiterhin gegen jegliche Intellenz billigst möglich gebaut und repariert, da bin ich mir sicher.

Frank

hallo Wolfgang,
abgesehen davon, dass Flussbegradigungen und Betonierungen schon länger (ca. 10 Jahre?) als falsch erkannt wurden (warum wird das immer noch gemacht?) frage ich mich, warum den Leuten es erlaubt wird, in den „Überlaufbecken der Natur“ den Auen zu bauen.
Was haben die da zu suchen?
Eigentlich sollte doch jede Baugenehmigung abgeschmettert werden.
Grüße
Raimund

sorry, wolfgang, wenn ich deinen artikel hier nicht wiederhole.

du hast recht.
hauptursache der misere duerfte m.e. sein, dass
die fluesse ‚schiffbar‘ und damit gerade gemacht werden.
wass kann deswegen schnell ‚nachfliessen‘ bis …
ja bis es irgendwann zum stocken kommt.

das war schon im engadin vor jahrzehnten so,
und das wird -dank kompetenter ‚obrigkeit‘- sicher
auch in einigen weiteren jahrzehnten so sein.

leider - findet digi
der sich auch an fuerchterliche regen’perioden’ in seiner
jugend erinnern kann - aber das gab es keine solche
katastrofen.
und wollen wie auch im wesentlichen von den hochgebirgsregionen (stilfser joch vor 10? jahren bspw) absehen? ich denke, da war
auch eine ursache menschliche hand.

solange wir die ‚oeko-steuer‘ fuer die rente brauchen,
kann sich ja auch nicht allzu viel aendern.

Hallo wolfgang,

ich glaube nicht, daß das einen Zweck hat, auch wenn es
durchaus sinnvoll ist. Unseren derzeitigen Politikern spreche
ich jegliche Kompetenz ab.

Damit, mit dem Link und vor allem damit:

Es wird weiterhin gegen jegliche Intellenz billigst möglich gebaut und repariert, da bin ich mir sicher.

Genau, schafft ja neue Ressourcen…

Zum kotzen, Entschuldigung!

hd

Deiche oder Weiche
…aber folge nicht den Sprüchen der Naturbu - Mafia bzw. Gangster des Naturbundes.
Wie war es seinerzeit am Mississippi und Missouri ?

Es ist richtig - der Fluß braucht Raum, um sich von seinem stetig durch Ablagerungen des Schlammes und des Geröll und damit verbundenen hochwachsen des Wasserspiegels zu befreien - oder man muß den Fluß begradigen oder ausbaggern. Dadurch wird er schneller, was wiederum den Vorteil hat, daß das Geröll und der Schlamm besser zum Meer getragen wird.

Oder schau einmal her;

http://home.rhein-zeitung.de/~geichend/comenius/lexi…

Beginnend mit;
„Die grundlegenden Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser werden bereits seit dem Altertum angewandt. Zu diesen Maßnahmen zählen Wiederaufforstungen und die Errichtung von Dämmen, Deichen, Auffangbecken und Kanälen zur Ableitung des Hochwassers. In China wurden schon vor langer Zeit die Flussufer des Huang He eingedeicht, da man annahm, der Fluß würde seinen Wasserlauf dadurch vertiefen und somit auch größere Wassermassen aufnehmen können…“

Ich komme zu dem Schluß, daß die Ämter (Bauämter der Gemeinden) nicht ihrer Pflicht nachgekommen sind. Deiche oder Weiche!

Cheers
Friedrich-Matthias

bedingte Zustimmung
Hallo Wolfgang,

Gleichzeitig gehen die Flußbegradigungen weiter. Die Elbe wird
noch reißender.

Es gibt sowohl in Tschechien und in D Widerstand gegen weitere Staustufen bzw. Elbbegradigung.

Für weitere Flußbegradigungen und weitere Deiche wird im
Binnenland, also außerhalb des Küstenschutzes, immer noch ein
Betrag der Größenordnung aller jetzt geplanter staatlicher
Hilfen für Hochwasseropfer verbaut. Jedes „Ausbügeln“ einer
Flußbiegung verursacht Kosten in der
100-Mio-Euro-Größenordnung. Gleichzeitig geht mit jeder
Begradigungs-Maßnahme eine Verengung des Flußbettes einher,
die Wegnahme von Überschwemmungs- und Ausweichflächen, die
Erhöhung der Fließgeschwindigkeit, sowie eine Absenkung des
Grundwasserspiegels in der weiteren Umgebung und eine
Verarmung der Natur.

Zustimmung

Man solltebei der ganzen Diskussion aber Augenmass bewahren. Wir sprechen hier von einer Ausnahmesituation. Zur Erinnerung:
1.) starker regen im Einzugsgebiet der Elbe, dadurch war am So vor dem Regen in D ein Elbhochwasser aus Tschechien im Bereich DD
2.)extreme Regenfälle im Erzgebirge und im Einzugsgebiet der Moldau. Es kammen 30 % (örtlich 50%) des Jahresniederschlages
innerhalb von 24 h.
Diese besondere Situation kann man nie gerecht werden, ausser man gibt jahrhunderte alte Siedlungsräume auf, reisst Kulturschöätze ab. Der Mensch hat immer am Wasserlauf gesiedelt. Seit dem Mittelalter die Wasserkraft genutzt und dies geht nun mal nur in Flusstälern.
Gerade für DD ist die Forderung der Nichtbebauung von Ausweichflächen eher sinnlos. Einerseits wird dies eingehalten. Was dort steht, steht schon lange und macht DD aus.Ausnahmen sind im Innestadtbereich nur das Parlament une das Kongresszentrum. DD erlebt jedes Jahr rel. entspannt die Frühjahrshochwässer (Pegel um 6 m).

Tschuess Marco.