nun …
hilfe mag hier eine geschichte von alexander roda roda geben.
und die geht so:
„Das goldne Wienerherz. Wie man dem Wienerherzen wehetut“
Man geht vom Stephansdom fort, die Kärntnerstraße entlang – geht – geht – bis man einem richtigen Wiener begegnet von vierzig Jahren.
Vierzig – da ist das Wienerherz am weichsten.
Und ihn fragt man:
„Senor! Gönn Sie sahen: wo is Stefansblatz?“
„Was wollen S’, gnä Herr?“
„Uo is Sstefänsblätz, Sir?“
„I versteh allweil Stephansplatz?“
„Voui.“
„Oh, gnä Herr, da gehn S’ ja verkehrt. Da müssen S’ Eahna umdrahn und schnurgrad furt – nacher saan S’ am Stephansplatz, `s ist gar net zan Fehlen.“
Doch du, Fremdling, statt dem vernünftigen, blitzeinfachen Rat zu folgen, blickst den Wiener mißtrauisch an, schüttelst den Kopf und wandelst deines Weges – vom Stephansplatz weg.
Das Weh erwacht im Wienerherzen.
Er fleht dich an:
„Aber, gnä Herr! Wann i Eahna sag! I wir do wissen …. I bin do a Hiesiger, a Weaner …“
Du schüttelst störrisch den Kopf und wanderst – immer weiter nach der Wieden zu.
Der Wiener fleht immer verzweifelter:
„Gnä Herr! Maanen S’ denn, i will Eahna anschmieren? I sag’s do, wie’s is: umdrahn müssen S’ Eahna und zruck.“
Du winkst ihm heftig ab.
Er fasst dich am Rockknopf – und jammert – jammert – fast möcht er dir zu Füßen fallen:
„Gnä Her! Glauben S’ mir denn nöt? Schau i aus wiar a Gauner? A Plattenbruder?“
Du schiebst ihn beiseite mit einer großen Gebärde und schreitest aus – unverzagt die falsche Richtung.
Da schwillt endlich das goldne Wienerherz. Er blickt dir nach und ruft:
„Hatsch nur, du Fallot, du dünngselchter! Hatsch nur am Naschmarkt! Wirst es schon bereun – wann’s zu spät is, du damischer Kosak, russischer überanand!“