Wiener kongress 1814 Restauration sinnvoll

Hallo
meine Frage:
1814 fand ja der wiener kongress statt, dort wurden in vielen ländern wieder die alten Monarchien eingesetzt, unter Berufung auf das
Gottesgnadentum. obwohl ja erst 20 Jahre vorher die franz. Revolution stattfand. war das nicht ziemlich riskant? was sprach dafür das so zu machen, was dagegen, hätte man auch mehr demokratische systeme aufbauen können, wäre das sinnvoll gewesen?

Vielen Danke für ne Antwort!!!

Hallo,

ao weit ich weiß, betraf die Wiedereinsetzung der Monarchie ein einziges Land: Frankreich. Und das war vom Standpunkt der damals Anwesenden aus durchaus logisch - damit wurde die französische Rtecolution quasi anulliert und die alte Dynastie wieder eingesetzt. Man darf ja nicht vergessen, daß Napoleon selber sich zum Kaiser ausgerufen hatte und dabei gewesen war, selbst wieder eine erbliche Monarchie zu installieren.
In den anderen Ländern blieben einfach die regierenden Dynastien an der Macht. Es gab ein paar territoriale Verschiebungen in Deutschland, in Hannover wurde das alte Könisghaus wieder eingesetzt und in Italien wurden ein paar Nebenlinien der Habsburger mit Kronen bedacht - das wars dann aber auch schon.
Was sonst hätte auch kommen können - es gab doch weltweit nur Monarchien? Wer um alles in der Welt hätte denn ernstaft für eine andere Regierungsform plädieren sollen - in Wien saßen doch nur die ganzen Fürstlichkeiten bzw. deren Vertreter?

Und mal ganz ehrlich: Das Beispiel aus Frankreich war doch abschreckend genug. Dort hat es die Republik doch gar nicht zu einer halbwegs vernünftigen Regierung gebracht - am Ende haben sich doch die Revolutionäre selber massenweise geköpft. Ein Beispiel für eine gute Regierungsform war das nun echt nicht.
Ich denke, die Zeit war wohl einfach noch nicht reif für eine Demokratie.

Gernot Geyer

Hallo!

1814 fand ja der wiener kongress statt, dort wurden in vielen
ländern wieder die alten Monarchien eingesetzt, unter Berufung
auf das
Gottesgnadentum. obwohl ja erst 20 Jahre vorher die franz.
Revolution stattfand. war das nicht ziemlich riskant? was
sprach dafür das so zu machen, was dagegen […]

Dafür sprach, wie nach jedem gewonnenen Krieg, die Macht des Faktischen: Die deutschen Fürsten hatten Napoleon besiegt und damit waren die Alten Gewalten endgültig wieder und mit Recht an der Macht.
Die Leitlinien des Wiener Kongresses waren dann:

  • das monarchische Prinzip (d. h. die alten Herrscherdynastien wurden wieder eingesetzt, soweit sie nicht ohnehin noch regierten) mit dem
  • Erbrecht innerhalb der Dynastie (DAS ist genau genommen das Gottes-Gnadentum), dem entspricht das
  • Legitimitätsprinzip;
  • die monarchische Souveränität (nicht die des Volks!)
  • die Solidarität der Monarchen untereinander.
    Der Wiener Kongress hatte vor allem die Aufgabe, eine Nachkriegsordnung für Europa herzustellen. Dabei zeigte sich, dass die Deutsche Frage (schon damals) eine europäische Frage war. Sie wurde in drei Schichten gelöst:
  1. Die deutschen Monarchen sind, jeder, souverän, d. h. sie haben kein Oberhaupt mehr (z. B. wieder einen Kaiser); in jedem deutschen Staat „findet“ eine „landständische Verfasssung“ statt: also existiert kein Parlament, das z. B. die Legislative hätte; (wie in Bayern: die Ständeversammlung hat das Recht zur Mitwirkung und Mitberatung).
  2. Diese Ordnung der Einzelstaaten wird vom Deutschen Bund gesichert, den die Fürsten miteinander schließen und der bis 1865 existiert: Er hat ein Interventionsrecht, wenn ein Monarch revolutionären Bestrebungen in seinem Staat nicht mehr Herr würde.
  3. Die Ordnung des WK in Europa wird von der ebenfalls auf dem WK gegründeten Heiligen Allianz (schließlich aller Fürsten außer dem Papst und dem Sultan) gesichert, die ein Interventionsrecht in ganz Europa beanspruchte gegen revolutionäre Bestrebungen.
    Innenpolitisch wurde die Ordnung des WK z. T. heftig angegriffen (in Deutschland: von den „Patrioten“ und den „Liberalen“), aber sie hat in Europa doch ein halbes Jahrhundert lang Kriege vermieden. Vielleicht kann man sogar sagen: Erst als der Nationalismus der einzelnen Staaten in Europa (gipfelnd im Imperialismus) stärker war als die ordnende und ausgleichende Vernunft wurden die großen Kriege möglich, und man hielt sie für notwendig!
    Schöne Grüße!
    Hannes

Nachtrag
Hallo,

es wird leider im Zusammenhang mit den Befreiungskriegen vieles falsch verstanden. Es ging damals nicht um die Befreiung von irgendeiner Unterdrückung - es ging einzig und allein um die Befreiung von der französischen Fremdherrschaft.
Die russischen Bauer, die damals erstmals eine Art Partisabebkrieg führten - die taten das auf Befehl der zaristischen Heerführer und die preußischen Freiwilligen kamen auf den Ruf ihres Königs hin zu den Waffen.
Es wird miunter so getan, als ob die Franzosen Napoleons eine Befreiungsarmee gewesen wären und als ob die den europäischen Völkern die bürgerliche Freiheit gebracht hätten. Aber in Wirklichkeit haben sie die besetzten Staaten ausgepreßt bis zum letzten, die Völker Europas mußten Soldaten stellen, die Napoleon in Rußland verheizt hat, sie brachten Elend und Schrecken.
Und unter diesen Bedingungen kämpften die Europäer unter ihren Fürsten für ihre Befreiung - da wollte kein Mnesch in Preußen etwa seinen König los werden und kein Österreicher auf seinen Kaiser verzichten.
Das wollte auch nach dem Wiener Kongreß eigentlich noch keiner. Das Einzige Streitthema in den Ländern war mehr oder weniger die Verfassungsfrage - die faktische MAcht der Fürsten sollte durch Verfassungen und Parlamente etwas beschnitten werden. (Einige Fürsten in deutschen Keinstaaten führten ja auch Verfassungen ein, der erste war der Großherzog von Sachsen/Weimar/Eisenach).
Deshalb endeten die Revolutionen 1848/49 ja in der Regel auch nicht mit dem Sturz der Dynastien, sondern führten nur zur Einführung von Verfassungen und gewählten Parlamenten - mehr wollte eigentlich niemand.

Gernot Geyer