Wieso bekämpfte die KPD anstatt der NSDAP die SPD?

Hallo,

in einem buch habe ich letztens gelesen, dass vor der machtübernahme hitlers die kpd die spd bekämpft hat, anstatt gemeinsam mit ihr die nsdap zu bekämpfen… jetzt hab ich mich gefragt, wieso die linken parteien nicht zusammengehalten haben? bei meinen recherchen bin ich bis zu dem punkt gekommen, dass die endgültige spaltung der ideologien der kpd und sdp um 1918 stattgefunden haben müssen, aber weiß jemand von euch den grund dafür?
ich würde mich sehr über antworten freuen!

liebe grüße,
morgain

Hallo,

in einem buch habe ich letztens gelesen, dass vor der
machtübernahme hitlers die kpd die spd bekämpft hat, anstatt
gemeinsam mit ihr die nsdap zu bekämpfen… jetzt hab ich mich
gefragt, wieso die linken parteien nicht zusammengehalten
haben? bei meinen recherchen bin ich bis zu dem punkt
gekommen, dass die endgültige spaltung der ideologien der kpd
und sdp um 1918 stattgefunden haben müssen, aber weiß jemand
von euch den grund dafür?

weil die kpd der ableger der bolschewiken in d war und mit denen wollte zurecht niemand was zu tun haben. hätte die spd mit denen zusammengearbeitet und vielleicht sogar die Regierung übernommen,wären die von den Kommunisten genauso schnell ausgebootet worden,wie es A.H. mit den anderen gemacht hat. nach demKrieg haben die dieses rezept überall in den ostblockstaaten konsequent erfolgreich durchgezogen.

ich würde mich sehr über antworten freuen!

liebe grüße,
morgain

der Kater

Hallo !

Die SPD war der Erzfeind der KPD. Beides Arbeiterparteien, beide sehr alt, beide mit fast der identischen Gefolgschaft.
Die NSDAP war für sie anfangs kein Gegner, nur eine weitere Partei.

mfgConrad

Hallo

Hallo !

Die SPD war der Erzfeind der KPD. Beides Arbeiterparteien,
beide sehr alt,

hä??? wo haste denn das wieder her ??? KPD Gründung war im 1.Januar 1919…

mfgConrad

Der Kater

Hallo,

die KPD hatte sich aufgrund von Differenzen (u.a. Burgfriedenpolitik) von der SPD abgespalten. Den entscheidenten Knack bekam das Verhältnis beider Parteien während der Novemberrevolution 1918 als Scheidemann für die SPD und Liebknecht für die KPD die Republik ausriefen und somit die Herrschaft für sich beanspruchten, Ebert der SPD durch den Ebert-Groener-Pakt die Macht sicherte, in dessen Folge die kommunistischen Aufstände niergeschlagen und die kommunist. Führungsriege Luxemburg/Liebknecht liquidiert wurden.
Beide Parteien weigerten sich übrigens sogar noch nach der Machtübernahme Hitlers miteinander zu arbeiten.

Gruß

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in einem buch habe ich letztens gelesen, dass vor der
machtübernahme hitlers die kpd die spd bekämpft hat

Hallo,

morgain"

Die KPD war nicht selbstständig, sondern seit ca. 1925 (seit diesem Jahr war E. Thälmann der Vorsitzende der KPD) wurde die Politik der KPD in Moskau festgelegt.
Stalin am 8.3.1926: „Worin besteht die Aufgabe der Kommunistischen Partei Deutschlands? Sie besteht darin, sich den Weg zu den sozialdemokratisch eingestellten Arbeitermassen, die sich in dem Labyrinth der sozialdemokratischen Wirrnis verirrt haben, zu bahnen und auf diese Weise die Mehrheit der Arbeiterklasse für die kommunistische Partei zu gewinnen.“
(Rede vor der deutschen Kommission des VI. erweiterten Plenums des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale)
D. h. die KOMINTERN befürchtete von einem utralinken Standpunkt aus die Verbürgerlichung der Arbeiter in der SPD (da konterrevolutionär, sozialfaschistisch) und sah dagegen in der KPD die Speerspitze der Weltrevolution, besonders als etwa ab 1929 Stalin die Situation als „revolutionär“ beurteilte. Den Kampf gegen die SPD als politischen Hauptfeind führte Stalin bis 1934, dann erst kam die Umorientierung.
Gut und knapp nachzulesen in
Weber, Hermann: Die KPD im Kampf gegen SPD und NSDAP;
in
Michalka, Wolfgang (Hrsg.): Die nationalsozialistische Machtergreifung. Schöningh = UTB 1329; S. 85 ff.
ISBN 3-506-99374-7 Buch anschauen
Schönen Gruß!
Hannes

Hallo Morgain,

ich würde mich sehr über antworten freuen!

nun, ich glaube, die Pytons haben es sehr treffend beschrieben
Volksfront von Judäa
Judäische Volksfront

Gandalf

Hallo,

Beide Parteien weigerten sich übrigens sogar noch nach der
Machtübernahme Hitlers miteinander zu arbeiten.

da war der Zug eh abgefahren, A.H. war genau wie die Kommunisten: Machtbesessen und er hätte diese nie freiwillig abgegeben

Gruß

Der Kater

Dann eben so:

Um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hatte sich auf dem linken Flügel der SPD eine oppositionelle Gruppe gebildet, die sich nach ihrem illegal herausgegebenen Presseorgan „Spartakusbriefe“ Spartakusgruppe bzw. Spartakusbund nannte. Rosa Luxemburg hatte für den Spartakusbund ein Programm verfaßt, mit dem eine Räterepublik angestrebt wurde, die einen demokratischen Kommunismus vekörpern sollte. Das Konzept wich in wesentlichen Punkten von der leninistisch-bolschewistischen Linie ab. „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für die Mitglieder einer Partei … ist keine Freiheit. Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden.“

Die KPD ist aus der SPD entstanden. Die sich anfangs „Spatakusbund“ nannte. Aus dem Spatakusbund wurde dann die KPD.

Hallo Katze,

Beide Parteien weigerten sich übrigens sogar noch nach der
Machtübernahme Hitlers miteinander zu arbeiten.

da war der Zug eh abgefahren, A.H. war genau wie die
Kommunisten: Machtbesessen und er hätte diese nie freiwillig
abgegeben

Aber Hitler und die NSDAP hatten nicht schlagartig am 30.01.33 sämtliche Macht im Staat übernommen, sondern ganz langsam, jeden Tag eine Institution mehr. Im Februar/März 1933 gab es noch Behörden, Parlamente und Verlage die nicht von der NSDAP kontrolliert wurden, es gab Demonstrationen der Opposition und es gab bereits die ersten Verhaftungen, Morde und KZ’s. Und trotzdem weigerte sich zur selben Zeit z.B. die Führung der KPD mit der der SPD zusammenzuarbeiten.

Gruß

Hallo Morgain,

in einem buch habe ich letztens gelesen, dass vor der
machtübernahme hitlers die kpd die spd bekämpft hat, anstatt
gemeinsam mit ihr die nsdap zu bekämpfen…

Lies mal hier über die Sozialfaschismusthese:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialfaschismusthese

Viele Grüße
Marvin

Hallo Marvin,
auch wenn’s nur ein langweiliger Wikipedia-link war… immerhin genau der richtige (*!)!
Von Seiten der SPD gab es außerdem noch ein Problem: die KPD stand nicht hinter dem demokratischen System der Weimarer Repulik, sondern hätte das eigentlich gerne „wegjemacht jesehen“.
Die SPD hat schon wegen geringerer Differenzen die Zusammenarbeit mit anderen Parteien gekündigt: das Ende der großen Koalition 1930 kam durch den Rücktritt der SPD zustande. Man hat sich über die Sanierung der Arbeitslosenversicherung nicht einigen können.
Wie hätte sich die SPD da mit einer systemfeindlichen Partei zusammen tun sollen?!
Verrückt genug, aber am Ende waren es ja sogar Nazis und Kummunisten die sich „zusammen“ taten: so z.B. beim Streik bei der BVG (Berliner Verkehrsgemeinschaft) 1931, aber auch bei anderen Streiks und Protestaktionen.
So einte also der Kampf gegen Sozialdemokratie und Kapitalismus selbst die äußerste linke und rechte. Wenn auch nur punktuell, aber immer hin.
Ich denke also, das Hauptproblem war wirklich Zustimmung vs. Ablehnung der Demokratie als gegenwärtigem System.

Grüße von Kati

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Totalitarismus-Theorie
Hallo Morgain,

auch wenn die harten Auseinandersetzungen darüber schon ein paar Jahre zurückliegen, so ist eine Beschäftigung mit der Totalitarimsu-Theorie anregend.

Andreas

Hallo Katharina,

auch wenn’s nur ein langweiliger Wikipedia-link war…

ooch, wars so langweilig? :wink:

Von Seiten der SPD gab es außerdem noch ein Problem: die KPD
stand nicht hinter dem demokratischen System der Weimarer
Repulik, sondern hätte das eigentlich gerne „wegjemacht
jesehen“.
Die SPD hat schon wegen geringerer Differenzen die
Zusammenarbeit mit anderen Parteien gekündigt

Naja, die Geschichte der Weimarer Republik war eine lange Reihe von Regierungswechseln, da herrschten ja fast italienische Verhältnisse :wink:
Auch ein Grund, warum dann in Deutschland die 5%-Hürde eingeführt wurde.

Verrückt genug, aber am Ende waren es ja sogar Nazis und
Kummunisten die sich „zusammen“ taten: so z.B. beim Streik bei
der BVG (Berliner Verkehrsgemeinschaft) 1931,

Sorry, aber Du hast dich da etwas verschrieben, der Berliner Verkehrsarbeiterstreik war Ende 1932. Dazu noch ein langweiliger Wiki-Link:
http://de.wikipedia.org/wiki/Streik_bei_der_Berliner…
(Du siehst, ich kann es nicht lassen…)

aber auch bei
anderen Streiks und Protestaktionen.

Weitere gemeinsame Aktionen von KPD und NSDAP sind mir aber nicht bekannt, ich lerne aber gerne dazu. Im Prinzip waren sich beide Parteien schon spinnefeind, auch wenn sie formal betrachtet zumindest ein gleiches Ziel hatten, den Sturz des verhaßten „Weimarer Systems“.

viele Grüße
Marvin

Beide Parteien weigerten sich übrigens sogar noch nach der
Machtübernahme Hitlers miteinander zu arbeiten.

Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte.
Das kommt leider immer wieder vor und ist eine Folge der Sturheit des Menschen. Man hat halt leider den „Dritten“ von links bis rechts massiv unterschätzt, mit katastrophalen Folgen für die ganze Menschheit.
Erich

Hallo Marvin

auch wenn’s nur ein langweiliger Wikipedia-link war…

ooch, wars so langweilig? :wink:

nee, deswegen hab ich dich ja auch gelobt :wink:

Verrückt genug, aber am Ende waren es ja sogar Nazis und
Kummunisten die sich „zusammen“ taten: so z.B. beim Streik bei
der BVG (Berliner Verkehrsgemeinschaft) 1931,

Sorry, aber Du hast dich da etwas verschrieben, der Berliner
Verkehrsarbeiterstreik war Ende 1932. Dazu noch ein
langweiliger Wiki-Link:
http://de.wikipedia.org/wiki/Streik_bei_der_Berliner…
(Du siehst, ich kann es nicht lassen…)

aber auch bei
anderen Streiks und Protestaktionen.

Weitere gemeinsame Aktionen von KPD und NSDAP sind mir aber
nicht bekannt, ich lerne aber gerne dazu.

Tja, da ist es mir passiert: etwas in Eile gewesen, gedacht ich schreib noch schnell was schlaues und versäumt noch mal nachzuschauen ob das, was ich da so in Erinnerung hatte zu dem Thema, wirklich stimmt.

Folge: da hab ich Blödsinn geredet und entschuldige mich dafür.

Hab’s jetzt noch mal nachgeguckt (in Büchern :wink: und auch nix weiteres mehr gefunden.
Habe mich nur gefragt, woher das falsche Bild kam und stolperte dann irgendwann über einen Artikel im Spiegel Special (2008) zum BVA-Streik, den ich Anfang des Jahres gelesen hatte. Zwar kann ich dort auch nichts explizit Falsches finden, aber die Art und Weise wie die Fakten präsentiert werden zeichnen eindeutig ein Bild, das zu Verzerrungen einlädt.
Bestes Beispiel war ein Bild von einer Veranstaltung von „Nazis und Kommunisten“ bei dem in der Bildunterschrift traute Eintracht suggeriert wird, zu dem ich dann aber folgenden Artikel aus der Zeit gefunden hab:
http://www.zeit.de/1969/40/Was-geschah-in-Friedrichs…
Warum ich das alles schreib? Meine Art der ausführlichen Entschuldigung (und vielleicht ein bisschen Reschtfertigungsbedürfnis) für’s Unsinn reden… du siehst, mir ist das peinlich.
Außerdem kann’s sicher nicht schaden, so ganz allgemein, mal dran zu erinnern, wie viel Interpretation (und leider oft Falschinterpretation) doch manchmal unser Bild der Geschichte prägen.

Und nun wünsch ich dir noch einen schönen Abend,
Grüße von Kati

Im Prinzip waren
sich beide Parteien schon spinnefeind, auch wenn sie formal
betrachtet zumindest ein gleiches Ziel hatten, den Sturz des
verhaßten „Weimarer Systems“.

viele Grüße
Marvin