Wieso der ÖPNV für Radfahrer keine Option ist

Hallo,
überall wird es propagiert: Man soll aufs Fahrrad umsteigen und / oder auf den ÖPNV.

Und wenn man es dann machen will werden jemanden der sein Auto stehen lassen will Steine in den Weg gelegt.

Ich beziehe mich darauf, dass viele Verkehrsverbünde ihr Preissystem so gestaltet haben dass man entweder eine Jahreskarte nehmen muss oder Monatskarten - die dann pro Monat teilweise fast doppelt so teuer sind wie eine vergleichbare Jahreskarte. Es ist also nicht wirtschaftlich sinnvoll in der warmen Jahreszeit mit dem Fahrrad zu fahren und in der kalten mit dem ÖPNV.

Des weiteren sind Tagestickets in Relation zur Monats- bzw. Jahreskarte sehr teuer. Aber günstige Tagestickets ermöglichen es Radfahrern bei schlechtem Wetter, Krankheit oder einem defekten Rad auf den ÖPNV umzusteigen.

Wieso wird es Radfahrern so schwer gemacht den ÖPNV als Alternative zu nutzen?

Gruß
Desperado

Du Warmduscher. Echte Kerle fahren bei jedem Wetter mit dem Rad. Wahrscheinlich parkst du dein Auto auch im Schatten und pinkelst im Sitzen.

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Warten wir auc mal die Mehrwertsteuersenkung für Bahnfahrten und die daraus resultierenden Preisänderungen ab. Um die Einnahmen aus Mehrwertsteuer nicht großartig zu gefährden, werden die Preise steigen.

awM

Du meinst im Vergleich zu einem Auto? Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Kombination ÖPNV + Fahrrad teurer kommt als ein Auto.

In Österreich gibt es beispielsweise in Wien oder Vorarlberg Jahreskarten, die umgerechnet etwa 1€ pro Tag kosten. Soweit ich weiß, gibt es so etwas in Deutschland noch nicht (man möge mich bitte korrigieren, falls ich falsch liege), aber das ist imho auf jeden Fall ein guter Anreiz, auf das Auto zu verzichten. In Wien geht das sehr gut, in Vorarlberg kommt es stark auf den Wohnort an, aber man kann zumindest teilweise das Auto problemlos stehen lassen ohne sich in zu große Unkosten zu stürzen.

Das geht auch in der ‚kalten‘ Jahreszeit. Schnee und Eis könnte ich gerade noch als Ausrede akzeptieren, aber da hat man idr auch die passenden Laufräder.
ÖPNV ist keine Alternative, da hier nur Bahn, die aber nicht in die Nähe meines Jobs fährt

Es geht hier nicht darum den ÖPNV mit einem Auto zu vergleichen sondern darum, wieso die Preismodelle der meisten Verkehrsverbunde so unflexibel sind. Da der ÖPNV massiv subventioniert wird ist das eine politische Entscheidung. Deshalb verstehe ich nicht, wieso die Politik einerseits die Bürger zum Umstieg auf das Fahrrad und den ÖPNV bewegen will aber es dann in der Praxis erschwert.

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Das geht - aber es fragt sich für wen? Für alte Leute? Für Leute denen die Kinder am Lenker festfrieren? Für Berufstätige deren Anzughose immer voll mit Matsch ist wenn sie ein Auto überholt?

Klar kann nicht jeder den ÖPNV nutzen und nicht jeder kann ein Rad nutzen - aber es sollte doch möglich sein für die Leute die beides nutzen können flexible Angebote bereit zu stellen.

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Ich pinkel immer im sitzen während ich mein Auto im Schatten parke weil ich die warme Dusche mag…

8 km Arbeitsweg bergauf mit 8% Rampen. Und ich fahre das durchaus auch mit dem Rad - ohne Trampelunterstützung ganz old school. Mit dem Bus käme ich übrigens um 11:32 im Büro an und müsste um 14:00 wieder weg.

Aber ich bin eh hardcore und nicht zum Vergleich geeignet.

Es ist aber aus den von @Desperado genannten Gründen kein Anreiz, mit dem Fahrrad zu fahren. Wenn ein Tagesticket 5 Euro kostet, dann ist das 365-Euro-Ticket für den Radfahrer günstiger als das Tagesticket, wenn er an mehr als 73 Tagen im Jahr oder 6 Tagen im Monat den ÖPNV nutzt. Hat er das Jahresticket gekauft, wird er es auch nutzen, nicht nur bei schlechtem Wetter sondern auch aus Bequemlichkeit oder wenn es nur ein paar Wölckchen am Himmel hat. Er fährt also weniger mit dem Rad als er eigentlich könnte.

Das ist aufs Gesamte gesehen nicht sinnvoll, weil es zwar den ÖPNV-Anteil am modalen Split erhöht, aber den Fahrradanteil reduziert. ÖPNV ist zwar Öko-Bilanzmässig besser als motorisierter Individualverkehr, aber schlechter als Fahrradfahren. Ausserdem hat der ÖPNV ein Kapazitäts- und Kostenproblem, das sich in den kommenden Jahren verschärfen wird.

Dass dieser Effekt eintritt haben Studien in Städten gezeigt, in denen kostenloser ÖPNV eingeführt wurde. Es sind dort hauptsächlich Fußgänger und Radfahrer auf den ÖPNV umgestiegen, nur ganz wenig Autofahrer.

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Ich habe die Frage eigentlich nicht so verstanden, dass das Rad und die Öffis in Konkurrenz zueinander stehen würden, sondern einander ergänzen sollten. Ein Verzicht aufs Auto ist ja nur dann möglich, wenn ich ganzjährige Alternativen habe. Bei warmen Wetter ist das eben ein Fahrrad und ansonsten die Öffis.

Gibt es dazu auch eine Statistik? Das deckt sich nämlich nicht mit den Erfahrungen in Wien:
Das beste Angebot ist nicht der Preis


Man kann hier also schön sehen, dass der Anteil an Fußgängern nahezu gleich blieb, während die Verluste des Autoanteils hauptsächlich an die Öffis und in deutlich geringerem Ausmaß an Fahrräder ging.

Die Studie kommt auch zum Schluss, dass der Preis alleine die Öffis gar nicht so attraktiv macht. 2012 wurde die Jahreskarte in Wien deutlich verbilligt (von 449€ auf 365€) und es hat sich seither nur sehr wenig geändert. Man sollte also wohl eher mehr Geld in den Ausbau der Öffis als in nicht nachhaltige Lockangebote investieren.

Hier, auf Seite 23, 2.Absatz:

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Danke :+1:

Um den Betrag alleine geht es in den wenigsten Fällen - aber darum, dass jemand, der die meisten Tage im Jahr das Fahrrad benutzt nur vergleichsweise teuere Tickets für den ÖPNV bekommen kann - und keiner will der Verlierer sein der viel mehr als die anderen für die gleiche Leistung bezahlt. D.h. der Radfahrer wird eher geneigt sein an Regentagen das Auto zu benutzen weil er dann zumindest nicht durch ungerechte Tarifgestaltungen abgezockt wird.

Also die Preise und Systeme des öffentlichen Nahverkehrs sind ja in Deutschland sehr unterschiedlich. Ich kann präzise nur für Hamburg antworten. Und da würde ich sagen:

Der öffentliche Nahverkehr ist in Hamburg nicht schlecht, aber er muss viel besser werden, um mehr Autofahrer zu gewinnen.

  • Er ist viel zu teuer (55 Euro im Abonnement für einen kleinen Teil Hamburgs z. B.)
  • Busse und Bahnen müssten öfter fahren (zurzeit 5 min bei U-Bahnen, nur 15 min bei vielen Bussen)
  • In Bahnhöfen/ Stationen und Bussen/ Bahnen müsste man sich noch wohler fühlen können, zugige Bahnhöfe im Winter gehören da nicht dazu

Allerdings: Einige Bahnen fahren auch alle 5 min und es wurden in den letzten Jahren sehr viele Fahrstühle gebaut

Noch ein Aspekt:
Ich würde sehr viel öfter mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto zur Bahn und dann weiter fahren, wenn ich nicht befürchten müsste, anschließend, wenn ich wieder zurückkomme, da zwei Fahrräder vorzufinden.

Es fehlen massenweise diebstahlsichere Parkplätze für Fahrräder.

Hallo,
richtig beobachtet, sogar auf der Autoseite.
Die Versicherung des stehenden Autos wird kaum billiger, der Wertverlust, die Garagenkosten, Inspektion, Tuev, alles bleibt fast auf dem Niveau wie beim normalen Fahren. Der ADAC ermittelt etwa 100 Euro im Monat beim A3. Lediglich die Kosten vom Sprit werden eingespart, diese kann man realistisch mit dem ÖPNV -Preis vergleichen. Der grosse Block der Fixkosten haengt praktisch nicht von der Wegstrecke ab. Ein massives Betaetigungsfeld fuer die Politik. Man koennte alle Kosten pro Nutzung berechnen, dafuer muesste jedoch das ganze System umgekrempelt werden. Das Auto gehoert nicht dem Fahrer, die Mietfirma berechnet alle Kosten pro Strecke. So ein Angebot gibt es nicht, ausser man faehrt fast nie Auto und mietet nur ein paar Tage im Jahr.
Gruss Helmut

Die Politik könnte sowas relativ leicht realisieren: Tagesweise An- und Abmeldungen übers Internet. D.h. man kann für den Tag an denen man das Auto braucht einfach über eine App der Zulassungsstelle dieses anmelden und am Abend wieder anmelden und zahlt auch nur für diese Zeit Kfz-Steuer und Versicherung. (Natürlich sollten Laternenparker nicht ausgenommen werden, dafür könnte man festlegen dass man keine Zulassung für stehende Kfz benötigt.)

Aber in der Realität ist es relativ teuer ein Auto ab- und wieder anzumelden und aufwändig ist es dazu - und weil die Fixkosten für das Auto eh zu zahlen sind benutzt man es eben auch anstatt das Rad oder den ÖPNV zu nutzen.

Würden vermutlich trotzdem nicht viele machen. Entweder, weil sie zuverlässig das Auto fast täglich brauchen, auch zu nachtschlafener Zeit (so wie ich), oder weil sie halt auf ein eigenes Auto nicht verzichten wollen (so wie ich). Das ist ja nicht nur eine Geldfrage.

Gruß T

Hallo,

so ähnlich gibt es das schon; nennt sich Carsharing. Ist bei mir lange her, aber damals habe ich 6 Euro monatliche Fixkosten gezahlt, alles andere ging pro Dauer und Fahrtkilometer.
Da ich städtisch gewohnt habe, hatte ich immer ein freies Auto in Reichweite, wenn ich eines brauchte.

Dass das nicht weiter verbreitet ist, liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass so viele Leute unbedingt DAS EIGENE AUTO haben wollen, das DIREKT VOR DER HAUSTÜR steht.

(Jaja, und jetzt antworten viele, dass das bei ihnen ja überhaupt nicht geht, weil xy und yz und überhaupt. Geht bestimmt nicht in jedem Fall, aber ginge für viel mehr Leute, als es nutzen.)

Viele Grüße,

Jule

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