Wieso eigentlich Johannes Paul?

Hallo,
das mag eine sehr dumme Frage sein, aber: Warum nennt sich der Papst eigentlich „Johannes Paul“? Ich weiss, dass Priester bei ihrer Weihe einen Ordensnamen bekommen, aber der hat doch im Normalfall etwas mit dem Geburtsnamen zu tun. Der Papst hiess aber Karol Jozef Wojtyla , bevor er Priester wurde - waere er dann nicht eigentlich Carolus Josephus?
Danke schon mal fuer Antworten und schoenen Gruss,
Gnlwth

Hallo Gnlwth,

das liegt an seinen Vorgängern.
Johannes der XXIII sollte eigentlich nur ein Übergangspapst werden, hat dann aber ettliche Reformen angestoßen (z.B. das II. Vatikanische Konzil).
Sein Nachfolger Paul VI. hat zum Teil und nicht sehr konsequent die Reformen fortgeführt.

Der Nachfolger von Paul VI. nannte sich dann Johannes Paul I.
Dessen Nachfolger (nach nur 33 Tagen Pontifikat) wurde unser gegenwärtiger Papst.

Gandalf

Hallo Gandalf,

danke fuer die schnelle Antwort - trotzdem bin ich verwirrt. Bei Koenigen ist doch der Name entscheidend - wenn also der Sohn eines Ludwig I nicht auch Ludwig heisst, sondern Karl, dann wird er durch seine Kroenung (im Falle des Todes des Ludwig) nicht Ludwig II, sondern Karl I (so es vorher noch keinen Karl gab).
Wie kann der Papst dann einfach die Namen seiner Vorgaenger uebernehmen? Ich meine, wenn ich eine neue Stelle antrete, nehme ich doch auch nicht den Namen desjenigen an, dessen Schreibtisch ich nun benutze (dann hiesse ich ja jetzt Eelco II, du liebe Guete!)

Schoenen Gruss,
Gnlwth

hallo Gnlwth,

so weit ich weiss hat der Ordensname eines Mönchs/Nonne nicht unbedingt etwas mit dem Geburtsnamen zu tun, sondern mit einem Heiligen, nachdem man sich benennt oder vom Orden benannt wird. bei einem Papst ists nicht anders.

Johannes Paul I. wollte die Politik seiner beiden Vorgänger weiterführen und nannte sich deshalb als erster Papst Johannes Paul.
Der jetzige Papst hatte, wenn ich mich recht erinnere (ich war damals noch Kind) im Andenken an seinen kaum im Amt und schon verstorbenen Vorgänger benannt.

Viele Grüsse, Nicola

PS: Ohne unken zu wollen, wirst du das ganze Prozedere inkl Namensgebung wahrscheinlich demnächst in allen Einzelheiten erleben können.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Du vermischst da zweierlei!
Ein katholischer Priester bekommt zwar eine Weihe, behält dabei aber seien Geburtsnamen. Er wird dann von den Leuten „Pfarrer XY“ genannt.

Ein Mann der in einen katholischen Orden eintritt muss nicht unbedingt die Priesterweihe bekommen, legt aber ein Ordensgelübde ab und beginnt damit Quasi ein neues Leben. Dafür wählt er sich einen neuen Namen.
Als „ungeweihter“ Ordensbruder wird er in der Regel „Frater …“ genannt Den zum Priester geweihten Ordensmann nennt man „Pater …“.

Der Papst muss laut Kirchenrecht noch nicht mal ein geweihter Priester sein, auch ist er in der Regel kein Ordensmann. Da er aber vom Konklave gewählt wird, hat es sich in den letzten Jahrhunderten „zufällig“ immer so ergeben, dass der zum Papst Gewählte selbst ein Mitglied eben dieses Konklaves war.
Im Konklave sind aber nur Kurienardinäle vertreten und die haben einen bestimmten Werdegang (Priester, Bischof, Kardinal …).
Da der neue Papst mit der Wahl, die er annimmt, auch die Nachfolge Petri antritt (und somit Stellvertreter Christi auf Erden ist) beginnt er quasi ein „neues“ Leben (mit „übermenschlichen“ Attributen versehen - Unfehlbarkeit, Heiligkeit …).
Dies symbolisert sein (neuer) Papstname, den er sich selbst wählt.

Hallo,

Ich weiss, dass Priester bei
ihrer Weihe einen Ordensnamen bekommen, aber der hat doch im
Normalfall etwas mit dem Geburtsnamen zu tun.

Öhm, nein. Priester heißen weiter so. Ich glaube Mönche und Nonnen bekommen je nach Orden einen Ordensnamen, der aber überhaupt nichts mit dem eigentlichen Namen zu tun haben muss. Hier ein Auszug aus dem Lexikon:

"Der Ordensname ist der von einer katholischen religiösen Gemeinschaft (Ordensgemeinschaft) beim Ordenseintritt vergebene Name, der im Orden an die Stelle des bürgerlichen Namens tritt.

Seit der frühen Neuzeit ist die Vergabe von Ordensnamen allgemein üblich. Gewählt wurde meist ein Heiligenname, wobei der namensgebende Heilige dann auch als persönlicher Schutzpatron angerufen wurde.

Beispielsweise hiess Mutter Teresa mit bürgerlichem Namen Agnes Gonxhe Bojaxhi - sie führte den Ordensnamen zu Ehren von Theresa von Avila und Therese von Lisieux. "

Hier Infos zum Papstnamen (Kurzversion: es ist üblich sich umzubenennen, man wählt einen Namen mit Tradition, der irgendwelche positiven Konnotationen im Papstzusammenhang hat):

http://www.kath.de/kurs/vatikan/papstnamen.php

Gruß,

Myriam

Hallo Gnlwth,

Wie kann der Papst dann einfach die Namen seiner Vorgaenger
uebernehmen?

warum nicht, er ist mit der Wahl Herr im Haus und niemand kann ihm (so von Angesicht zu Angesicht :wink: ) was sagen.

Es gab mal eine Serie von, wenn ich ich recht erinnere, sechs Johannessen.

Gandalf

Danke!
Danke fuer die vielen erhellenden Antworten! Jetzt bin ich schlauer.
Schoenen Gruss,
Gnlwth

Hallo Ute und alle anderen!

Ein Mann der in einen katholischen Orden eintritt muss nicht
unbedingt die Priesterweihe bekommen, legt aber ein
Ordensgelübde ab und beginnt damit Quasi ein neues Leben.
Dafür wählt er sich einen neuen Namen.

Um noch ein wenig mehr Klarheit zu bringen: In allen Orden kann man sich bei der zeitlichen oder der ewigen Profeß einen neuen Namen zulegen (in Gedenken an eine(n) Heilige(n)). Bei vielen Orden muß man es aber seit ein paar Jahrzehnten nicht mehr tun. Ich wußte ja, daß sich das Jahr Zivildienst im Kloster für irgendetwas auszahlen würde… :wink:
Gruß,
Stefan