Wieso ''hat'' man (frau) Sex ?

Hallöchen.

Wieso heißt es „Sex haben“?

Eine Fügung mit „haben“ beschreibt doch meistens eine Art von ‚Besitz‘:
Geld haben, Mut haben, Lust haben, Hunger haben etc…
Es beschreibt den ‚Besitz‘, den eine Person ‚hat‘.

Aber wenn man Sex ‚hat‘, ist das ja kein ‚Besitz‘, sondern eine Tätigkeit. Und außerdem beschreibt es diese Tätigkeit nicht einer Person, sondern (mindestens) von zwei Personen [Selbstbefriedigung lassen ich mal einfach außen vor].

Wieso „hat“ man Sex??

[Bitte nicht antworten: „Weil es Spaß macht.“. Das weiß ich auch. *fg*
Es geht mir hier um die Grammatik!]

N°1

Hallöchen.

Wieso heißt es „Sex haben“?

Nun, man kann Sex auch machen oder kriegen oder nicht kriegen oder treiben wie eine Sportart.

Eine Fügung mit „haben“ beschreibt doch meistens eine Art von ‚Besitz‘:
Geld haben, Mut haben, Lust haben, Hunger haben etc… Es beschreibt den ‚Besitz‘, den eine Person ‚hat‘.

Du sagst selbst: meistens; meistens ist aber nicht immer.

„haben“ ist als Hilfverb nahezu universal einsetzbar, wie „machen“ auch. Und es wird in sogenannten „Funktionsverbgefügen“ sehr gern verwendet.
Spaß, Lust, Freude, Liebeskummer, Sex, ihre Tage, eine Frage, Urlaub, einen dicken Hals, Hunger, Durst, … (die Liste ist nahezu endlos :wink:, wenn das möglich ist)

Die Bedeutung des Verbs in solchen Funktionsverbgefügen ist fast mit Null gleichzusetzen.

„in Gang bringen, in Gang kommen, in Gang sein, in die Krümpe gehen, eine Frage stellen, eine Frage haben, ein Zeichen setzen, ein Zeichen sein“ sind lauter solche FVGs.

Hier liegt die Bedeutung der Aussage beim Nomen. Das Verb kommt bloß dazu, weil wir im Deutschen keine Sätze ohne Verben bilden können - na, es gibt ein paar exquisite Ausnahmen.

Aber wenn man Sex ‚hat‘, ist das ja kein ‚Besitz‘, sondern eine Tätigkeit.

Du hängst zu sehr an der „wörtlichen, ursprünglichen“ Bedeutung von „haben“; auch beim Perfekt und Plusquamperfekt hat „haben“ nicht seine ursprüngliche Bedeutung, sondern dient nur, um diese Zeiten zu bilden.

Habe ich mich einigermaßen deutlich ausgedrückt? :wink:

Gruß Fritz

Wieso heißt es „Sex haben“?

Weil es sich um eine Teilübersetzung aus englischen Slang handelt. Der korrekte englische Begriff lautet ‚act of sex‘, eine Übersetzung ins Hochdeutsche also ‚wir hatten Geschlechtsverkehr miteinander‘ oder ‚wir übten Geschlechtsverkehr aus‘.

Gruss
Schorsch

vielleicht…
… kommt das von dem auch heute noch weitverbreiteten verständnis, daß sex etwas ist, was mann gerne hätte und frau gnädigerweise
gewährt.

die italiner sehen das mit ihrem „fa amore“ (liebe machen ) wohl anders :smile:

Hallöchen.

auch so.

gruß
ann

Hallo.
Als die Umgangssprache auch noch Bereiche aufwies, in denen es Nuancen gab, sagte man von einer Frau z.B. ‚sie habe Sexappeal‘. Das führte erstens zu der Verkürzung: ‚die hat Sex!‘
Zweitens sagt man im Englischen, wenn man nicht gerade Slang spricht, zum Vollzug des Geschlechtsverkehrs ‚to have sexual intercourse‘. Und das führte zu der Anglizisme ‚sex(ual intercourse) haben‘.
Zugegeben, das Hochdeutsche ist nicht gerade üppig mit diesbezüglichen Synonymen ausgestattet. Die Dialekte sind hier, in allen nur möglichen Abstufungen, wesentlich besser dran!
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

kommt ausm englischen: have sex
frueher hiess es mal : sex machen…das warn noch zeiten…

mfg:smile:
rene

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Als die Umgangssprache auch noch Bereiche aufwies, in denen es
Nuancen gab, sagte man von einer Frau z.B. ‚sie habe
Sexappeal‘. Das führte erstens zu der Verkürzung: ‚die hat
Sex!‘
Zweitens sagt man im Englischen, wenn man nicht gerade Slang
spricht, zum Vollzug des Geschlechtsverkehrs ‚to have sexual
intercourse‘. Und das führte zu der Anglizisme ‚sex(ual
intercourse) haben‘.

Ich denke, du bist auf der rechten Spur, Alexander. Da wir den „Sex“ nach Kluge:

_ Sex

Substantiv Maskulinum Standardwortschatz (20. Jh.)Entlehnung.
Entlehnt aus neuenglisch: sex „Geschlecht, Geschlechtsverkehr“, dieses aus frz. sexe, aus l. sexus „(das männliche und das weibliche) Geschlecht“, zu l. secAre (sectum) „scheiden“.
Entsprechende Entlehnungen über das Englische sind sexy und Sex Appeal; auch das Grundwort Sex steht in seinem Gebrauch unter dem beherrschenden Einfluß des amerikanischen Englischen. Näher beim Lateinischen stehen sexual, sexuell und Sexus (als Fachwort). Neuerdings auch Sexismus, sexistisch für „geschlechter-diskriminierendes Verhalten“.
Ebenso nndl. seks, ne. sex, nfrz. sexe, nschw. sex, nnorw. sex; sezieren.
DF 4 (1978), 157-163;
Rey-Debove/Gagnon (1988), 904f.;
Carstensen 3 (1996), 1275-1278, 1279f. englisch_

von den Engländern/Amerikanern übernommen haben, wird auch das „Sex haben“ von dort gekommen sein. Und erst im 20. Jhdt!

Wie war das bloß vorher?

Bei Hesse gibt es: Und sie tranken den Becher der Lust …
Aber der war pietistischer Herkunft.

Dies ändert nicht an der grammatischen Beschreibung, die ich vorher gab.

Zugegeben, das Hochdeutsche ist nicht gerade üppig mit
diesbezüglichen Synonymen ausgestattet. Die Dialekte sind
hier, in allen nur möglichen Abstufungen, wesentlich besser
dran!

Nun, Dialekte sind erfinderisch, aber oft auch in diesen Dingen prüde.
Nach der Meinung namhafter Dialektforscher des Schwäbischen gibt es zwischen Bauchnabel und Knien nicht, worüber ein rechter Schwabe reden könnte. Und wenn doch, so gehört das allensfalls in die Fäkalsprache, nicht in die Sexualsprache.

Die Umgangssprache, Jugend-, Szene-, Ganoven-, Stammtischsprache ist da kreativer.

Gruß Fritz

…mir nicht über die Lippen kommt.
Allerdings sieht’s im Deutschen auch nicht gut aus mit dem,
was sprachlich dazu vorhanden ist.
Sprache lebt !

Nescio