Wieso boomen Zeitarbeitsfirmen derartig?
Weil es eine relativ einfache Methode ist, mit wenig Aufwand Geld zu machen.
Die ZA Firma nimmt den MA nur, wenn er quasi schon vermittelt ist, und sobald er eingesetzt ist, prasselt das Geld. Selbst wenn die Marge nur gering wäre (2€/h Profit für die ZAF nach allen Kosten) macht es schnell die Menge: 100 Leute vermittelt, jeder arbeitet 150 Stunden im Monat (eher mehr) sind 30.000 Euro und man muß nur ein wenig Verwaltung und Jobsuche betreiben: wenn jemand sein Projekt verliert und nicht direkt weiter vermittelt werden kann, fliegt er halt…
Zeitarbeiter kosten eine Firma doch viel mehr Geld (Miete) als wenn sie selbst Mitarbeiter beschäftigen würden!
Wurde schon erklärt.
Und Angst, den Mitarbeiter schnell wieder mal loszuwerden braucht doch heutzutage eine Firma auch nicht mehr zu haben.
Aber „feste Mitarbeiter“ haben so komische Vorstellungen: Sonderurlaub, Mitbestimmung, Beförderung, Gehaltserhöhung, bäääh!
Das kann beim ZA Kollegen nicht passieren. Wenn der auf dumme Gedanken kommt wie zu Weihnachten Urlaub machen zu wollen, fliegt er halt…
Welche Makel am Mitarbeiter sollte man während der sechsmonatigen Probezeit, wo man jederzeit OHNE Angabe von Gründen die Leute wieder auf die Strasse setzen kann, nicht feststellen können?
Es gibt auch Leute, die genau die 6 Monate abwarten und dann den langen Lulatsch machen. Ich selbst hatte mal so einen Kollegen, der ist punkt einen Tag nachdem sein Vertrag sich in ein Festanstellungsverhältnis ohne Probe gewandelt hat, zum richtigen A* mutiert. Und hat tausend Paragraphen angeführt, warum man ihn nicht kündigen kann. Aber gearbeitet hat er nichts.
Ein halbes Jahr ist eine lange Zeit… Und selbst darüber hinaus kann sich jeder Arbeitgeber gegen wirklich alles absichern: durch befristete Verträge!
Der Arbeitgeber hat doch heutzutage alle Vorteile auf seiner Seite und die Risiken gehen allesamt zu Lasten des Arbeitnehmers.
Ich empfehle mal, ein kleines Unternehmen zu gründen und ein paar Mitarbeiter einzustellen. Dann wirst Du sehen, wie lustig deutsches Arbeitsrecht für Arbeitgeber sein kann.
Angst, einen Mitarbeiter nicht schnell genug loskriegen zu können muss doch heute echt keiner mehr haben.
Selbst wenn man eine faule Nuß nur einen einzigen Monat länger bezahlen muß als diese da ist, bei den heutigen Lohnnebenkosten reden wir da ganz schnell von mittel-vierstelligen Summen.
Sicher stört das einen Konzern nicht, aber ein KMU?
Also, warum bitte rennen die Firmen zu Zeitarbeitsfirmen und zahlen viel mehr Geld an Miete, als sie an Lohn/Gehalt zahlen müssten? Ich versteh das wirklich nicht.
Das einfachste Argument ist hier die Qualifikation:
Es ist sehr einfach, bei einer ZAF einen 100% in kürzester Zeit für eine hochspezialisierte Aufgabe Leute zu bekommen, denn wenn er nicht paßt gibt’s kein Geld. Einen festangestellten Mitarbeiter fortzubilden um diese Aufgabe zu erledigen kostet Zeit und Geld, solche Kosten entfallen bei ZA-MA.
Und wenn’s um solche Dinge geht wie Oracle Zertifizerung oder so, was ganz schnell mal 4-5000 Euro kostet plus die Zeit, die der Mitarbeiter wegen Fortbildung nicht für produktive Arbeit zur Verfügung steht…
Dann ist es oft so, dass fortgebildete Mitarbeiter dem Unternehmen noch die Daumenschrauben anlegen und statt sich für die teure Qualifizierungsmaßnahme zu bedanken, abwandern zum nächsten Unternehmen, was ein höheres Gehalt bietet: Dieses Risiko entfällt bei ZA-MA komplett!
Das Argument, dass aufgrund des deutschen Arbeitsrechts die Leistung von entliehenen Arbeitnehmern weit über der von festen MA liegt kann ich auch nur bestätigen:
Der Grund, warum der geliehene MA so arbeitet ist halt ganz banal: einerseits die Hoffnung übernommen zu werden und andererseits die Drohung „Wenn nicht, dann tschüß!“
Sowas wie ein vereinbartes Aufgabengebiet, das man sich arbeitsrechtlich einklagen kann gibt’s ja nicht: „Die vereinbarte Aufgabe ist beendet, Auf Wiedersehen“
Gruß,
Michael