Wieso ist radioantennenlänge egal?

Der Radioempfang funktioniert ja mitHilfe eines Schwingkreises aus Spule und Kondensator und eines Dipols, der eine ganz bestimmte Länge haben muss mit l=0,5*lambda

Wieso ist es dann bei einem Radio völlig egal, wie weit man eine Teleskopantenne auszieht? (Davon abgesehen, dass bei ausgezogener Antenne der Empfang besser wird.)

Hallo Oliver,

Also ist es doch nicht völlig egal.

Nun, „ein Schwingkreis aus Spule und Kondensator“, wie Du es beschreibst, ist zwar das Prinzip, aber ein brauchbares Radio kannst Du damit nicht machen (ganz zu Beginn der Radio-Zeit, so in den 1920-er Jahren, waren das die Detektor-Empfänger, die tatsächlich nur einen Schwingkreis hatten, dazu einen Gleichrichter - da es moderne Halbleiterdioden noch nicht gab - und dieser Detektor brauchte eine viele Meter lange Antenne, um einen halbwegs brauchbaren Empfang mit dem Kopfhörer zu ermöglichen - auf Mittelwelle 0.5 bis 1.6 MHz).

Heute schaut ein Radio anders aus:

Die Dipolantenne kannst Du Dir als eine Art Schwingkreis vorstellen, die auf eine Wellenlänge von lambda = 2*l abgestimmt ist. Im Radio selbst gibt es noch mehrere weitere Schwingkreise (aus Spulen und Kondensatoren), ich gehe jetzt von UKW 87.5 - 108 MHz aus:

etwa 2 - 4 Schwingkreise, die für die Vorselektion zuständig sind. Danach wird das Radiosignal mit dem Signal eines kleinen „Hilfssenders“ im Radio selbst (ca. 98.2 - 118.7 MHz) gemischt, und es entsteht eine Differenzfrequenz von 10.7 MHz, die sogenannte Zwischenfrequenz (vergleichbar mit Schwebungen in der Akustik)

Diese durchläuft einen eigenen Verstärker mit etwa acht auf 10.7 MHz fix eingestellten Schwingkreisen, und das meiste an Verstärkung sowie auch an Selektion (Trennschärfe, damit man nicht auf der Frequenzskala benachbarte Sender gleichzeitig hört) findet in diesem Zwischenfrequenzverstärker statt (Der beschriebene Aufbau ist ein sog. Überlagerungsempfänger, bzw. Superhet oder Superheterodyne, so gut wie alle Radios funktionieren so)

Wenn Du nun die Teleskopantenne (meistens eigentlich ein Halbdipol) verkürzt, verstimmt Du sozusagen einen einzigen Schwingkreis von vielen, der Empfang wird dadurch zwar etwas schlechter, bei einem starken Sender merkst Du es nicht einmal.

Es gibt aber noch einen zweiten Grund, und der führt etwas mehr in die „Tiefen“ der Funktionsweise eines UKW-Radios.

Die ausgesendete Radiowelle bekommt die Information über die gesendeten Inhalte (Sprache, Musik) dadurch mit, indem die Frequenz im Rhythmus von Sprache bzw. Musik schwankt: Frequenzmodulation. Die Amplitude hingegen bleibt gleich, sollten sich die ankommenden Radiowellen sich in aus irgendwelchen Gründen in ihrer Stärke ändern, so soll man das möglichst nicht merken.

Deshalb ist wird im oben erwähnten Zwischenfrequenzverstärker hoch verstärkt und dann das verstärkte Signal in seiner Amplitude begrenzt. Das heißt, wenn das Radiosignal in einer Mindeststärke beim Radio ankommt, wird es begrenzt, und von Schwankungen der Signalstärke über dieser Mindeststärke sollte man nicht mehr bemerken, da hinter dem Begrenzer im Zwischenfrequenzverstärker das Signal gleich bleibt und die Information nur in den Frequenzschwankungen besteht.

Deshalb merkst Du oft nichts, wenn Du die Teleskopantenne berührst, verdrehst, oder einschiebst.

Etwas viel, ich hoffe, es war halbwegs klar.

Liebe Grüße,

I.

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