Hallo Carlos & Eli,
wenn jetzt Mohamed (3.12.) wieder mit an den Tisch kommt, kann man den Zirkel wohl bloß als höchst erfreulich bezeichnen.
Schönen Dank an Carlos für den Hinweis auf Apostelgeschichte Kap 15, das in der bei den christlichen Staatskirchen üblichen Unterweisung - wohl wegen Vers 20 - trotz seiner Bedeutung lieber ein wenig auf der Seite gelassen wird.
Schönen Dank an Eli für den Hinweis auf die durch ihn selbst erprobte Möglichkeit, das Gesetz zu respektieren, (einerseits) und die Bedeutung der mündlichen Lehre, Interpretation des Gesetzes in den „Schriftreligionen“ (andererseits).
In der Diskussion des Rates der Apostel und Ältesten über die vorgetragene Frage, ob und in welchem Umfang u.a. den getauften Antiochiern das „Joch“ des mosaischen Gesetzes auferlegt werden soll, meinen die Najen aus dem Kreis der Pharisäer, dieses (konkret: die Beschneidung) sei eine conditio sine qua non für die Erlösung. Die Argumente von Petrus und Jakobus sind im wesentlichen, die Auferlegung aller Pflichten aus mosaischem Gesetz sei nicht zumutbar, und Jakobus schlägt eine Art „Gesetz light“ vor, das am Ende einvernehmlich angenommen wird.
Im überlieferten Bericht steht nicht, ob das (von mir vorgetragene) Argument in der Erörterung eine Rolle spielt, dass nämlich der Lehrer und Meister von Petrus und Jakobus mehrfach betont hat, dass er keinesfalls am Gesetz rütteln oder es gar aufheben will.
Man steht also am Ende vor der erstmal kuriosen Situation, dass das Gesetz unveränderte Gültigkeit hat, aber dessen Einhaltung durch getaufte Heiden nur bezüglich Götzendienst, Unzucht, Fleisch erstickter Tiere und Blut gefordert wird. Ich meine nicht, dass die Situation so eindeutig ist wie von Carlos postuliert.
Ich denke, dass nicht nur das Christentum, sondern alle drei Schriftreligionen sich fast ständig in der Situation befinden, dass die ziemlich strengen (und eben nicht im Detail logisch-pragmatisch nachvollziehbaren) Regeln des Gesetzes auch von Leuten nicht respektiert werden, die man nur deswegen allein nicht verdammen oder verstoßen will (unabhängig von der Frage, ob nach der jeweiligen Dogmatik ein solches Urteil überhaupt Menschen zusteht). Im schlechtesten Fall führt das dann zur Fraktionsbildung einschließlich mehr oder weniger blutiger Folgen, im besten Fall (wie oben wenigstens für die bereits abgespaltene christliche Schule in sich) zum Einvernehmen, in den meisten Fällen aber zu einer etwas unklar abgegrenzten Beliebigkeit, die wohl keine der drei Religionen auf Dauer ertragen kann.
Zwei Fragen ergeben sich aus meiner Sicht:
Erstens, wie lässt sich eine angemessene Liberalisierung von Beliebigkeit in einer Weise abgrenzen, die weitere Fraktionsbildung vermeidet? Petrus und Jakobus haben sich auf den zu ihrer Zeit nicht bloß bei der christlichen Schule populären Heiligen Geist berufen und auf diese Weise Einvernehmen erzielt.
Zweitens, sehr weit in der Welt der schönen Träume angesiedelt: Gibt es eine Möglichkeit der Ökumene, die sich genau auf das gemeinsame mosaische Gesetz stützt, wenn man geeignete für alle Beteiligten akzeptable Instrumente der Auslegung findet?
Schöne Grüße
MM


