Wieso Nachfrage nach Medikament nicht unelastisch?

hallo liebe community,

wieso ist die nachfrage nach medikamenten eigentlich nicht preis unelastisch? ich meine, theoretisch würden menschen doch alles für ein lebenswichtiges medikament bezahlen, selbst wenn eine hilfreiche tablette 10000 euro kosten würde (theoretisch). durch die unelastische
nachfrage könnten die erzeuger von arzneimitteln doch die preis ist gigantische nach oben drücken, oder irre ich da? wieso machen sie das nicht? ethik vielleicht? :smile:

vielen lieben dank,
susanne

Sowohl … als auch
Hallo,
mal die rein theoretische wissenschaftliche Definiton der Preiselastizität außen vor lassend:

wieso ist die nachfrage nach medikamenten eigentlich nicht
preis unelastisch?

Sowohl (Theorie), preiselastisch
Mit zunehmendem Preis wird die Anzahl der potentiellen Nachfrager sinken. Im sensiblen Bereich „überlebensnotwendige Medikamente“ weniger, aber sie wird sinken. Sie wird aber doch eher gleichmäßig wie in anderen Bereichen sinken, weil der Kreis der „Erlauchten“ in diesem sensiblem Bereich vermutlich weniger betroffen ist.

…als auch (Praxis), preisunelastisch
Schweinegrippe.
Gekauft wurde vermutlich zu dem angebotenen Preis. Weil a) staatlich b) „sozial“ c) wirtschaftlich notwendig (Finanzkrise).

Indizien für „vermutlich“:

Keine Lieferzeiten/Vertragsstrafen: Die Politik rudert nach vorne, sie rudert zurück, …

Preise wurden m.W. nie veröffentlicht, nur Budgets. Was darin enthalten ist und was daraus bezahlt wird, keine Ahnung.

ethik vielleicht? :smile:

dto., :smile:)))

Gruß
Der Franke

vielen dank franke!!

aber ich muß zugeben, dass ich es immernoch nicht ganz verstanden habe :frowning:

aber es ist doch richtig, dass die anbieter versuchen die preise so hoch wie möglich zu drücken. aber wo ist da genau die grenze? ich meine, sagen wir mal es gibt eine krankheit „k“ und ein anbieter hat medikament „m“ erfunden welche gegen „k“ hilft. nun hat er doch zuerst mal ein patent (oder wurde das abgeschafft?). er könnte doch theoreisch sagen, dass der preis von m 10.000 000 ist, oder? okay, der hersteller verkauft jetzt nicht viel davon, aber wenn der scheich abdul auch nur einmal das medikament kauft hat es sich doch schon gelohnt (wenn die entwicklung natürlich billiger als der verkaufspreis war), oder?
der staat kann da doch nicht eingreifen und sagen „hör mal, das geht nicht“, oder gibt es da eine regel? :smile:

Vielleicht so?
Hi,

ich versuche jetzt einmal logisch zu argumentieren. Diese Versuch soll davon ablenken, dass mir in dem Bereich genaues Wissen fehlt.

Wenn ein Unternehmen ein Patent hält, erlangt es dadurch ein [zeitlich befristetes] Monopol. Die Ausnutzung einer Monopolstellung ist m.W. gesetzlich verboten, d.h. die Monopolkommision würde das Verhalten sanktionieren.
Somit muss zumindest ein „marktnaher“ Preis verlangt werden, der dazu geeignet ist den Entwicklungsaufwand zuzüglich einer ordentlichen Marge zu decken.
Nach auslaufen des Patentes ergibt sich ja dann durch die Generikahersteller schnell ein neuer Marktpreis.

So wäre es für mich logisch.

Gruß
C.

Hallo,

aber ich muß zugeben, dass ich es immer noch nicht ganz
verstanden habe :frowning:

Nun, verstehen in dem Sinne, dass es erklärbar ist, … nein. Irgendwie hast du Recht mit der Theorie, aber du machst es von Voraussetzungen abhängig. Wie alle Theorien.

er könnte doch theoreisch sagen, dass der
preis von m 10.000 000 ist
aber wenn der scheich abdul
auch nur einmal das medikament kauft hat es sich doch schon
gelohnt (wenn die entwicklung natürlich billiger als der
verkaufspreis war), oder?

So gesehen, ja. Für den Unternehmer. Unter der Voraussetzung, dass abdul krank ist. Dann profitieren beide Seiten. Falls nicht, dann hat er gekauft, um wieder zu verkaufen. Zu einem höheren Preis, vermutlich :smile:
Er muss einen Käufer finden, der mehr bezahlt. abdul ist der reichste Mann dieser Welt, was nun?

Er hat Geld ausgegeben, das Unternehmen hat verdient, aber abdul hat den Verlust in gleicher Höhe.

Im Grunde genommen muss eine „reale“ Nachfrage* bestehen, ein Wertzuwachs geschaffen werden. Wenn diese nicht vorhanden ist, dann ist es reine Spekulation**, erst vom Unternehmer (er riskiert eine Fehlinvestition), dann von abdul.

der staat kann da doch nicht eingreifen

Beispiel Schweinegrippe:
Der Staat hat eingegriffen, massiv.

* Es bestand keine reale Nachfrage, es waren Erwartungen (oder Hoffnung). Zwischenzeitlich waren sogar „Zwangsimpfungen“ im Gespräch.

** Es ist und war Spekulation. Begründet auf Erwartungen, Vermutungen (von bezahlten Fachkräften). Erwartungen sind für mich nach wie vor die Ursache der „Finanzkrise“. Die Finanzwelt setzt in sehr vielen Bereichen nur auf Hoffnungen und Erwartungen. Ein riskantes, weil nicht „hinterlegtes“ Geschäft.

und sagen „hör mal,
das geht nicht“, oder gibt es da eine regel? :smile:

Die Theorie als Regel. In der Praxis entscheiden andere Faktoren, Einschätzungen eines möglichen Marktes, falsche oder richtige Entscheidungen eines Unternehmens/Managers hinsichtlich Investition, falsche Gesetze, persönliche Entscheidungen eines/aller Verbraucher, …

Es gibt unzählige Dinge, die jeder Wirtschaftstheorie widersprechen.

Ich vermute, auch du wirst „dumm“ sterben müssen in dieser Frage :smile:

Gruß
Der Franke

Hallo Susanne,

Ihre Überlegung ist schon korrekt - die Nachfrage ist de facto unelastisch. Wie stark unelastisch, hängt natürlich auch von anderen Faktoren ab: Gibt es Alternativen (Substitute)? Für Aspirin beispielsweise ist das sicherlich der Fall. Und auch wenn Sie ein supertolles, ganz neues Leben rettendes Medikament ohne Substitute betrachten wird der Anbieter den Preis nicht beliebig in die Höhe setzen können - ein Medikament zum Preis von 100000 Euro, das sich in einer fiktiven Volkswirtschaft nur 5 Leute leisten können, wirft ja - unter Vernachlässigung von Produktionskosten - weniger Ertrag ab als eines für 1000 Euro, das sich 1000 Leute leisten können.

Monopolstellungen sind nicht immer verboten. In Österreich gibt es zum Beispiel eine Regelung, die Monopole bestehen lässt, wenn sich daraus ein gesellschaftlicher Vorteil ergibt - so wie es bei Medikamenten ja durchaus der Fall ist.

Wenn der Monopolist Aussicht auf höhere Gewinne hat, wird er viel mehr daran setzen, die Entwicklung des Medikaments voranzutreiben. Und weil davon die gesamte Öffentlichkeit profitiert (durch neue, bessere Meds), sind Monopole hier erlaubt (bzw. geduldet).

Der Staat hat dabei nachträglich noch die Möglichkeit zur Regulierung - indem er einfach einen Höchstpreis für ein Medikament festsetzt. Der darf allerdings nicht so niedrig sein, dass das Unternehmen Verluste macht und die Forschung einstellt. Andererseits sollen die Konsumenten auch nicht zu viel bezahlen müssen. Ideal gesetzt, wenn ich mich richtig erinnere, ist der Regulierungspreis bei den Durchschnittskosten des Unternehmens für die Produktion des Medikamentes.

Zu der ursprünglichen Fragestellung - diesmal aus volkswirtschaftlicher Sichtweise:
ob die Nachfrage nach einem Medikament elastisch oder unelastisch ist, hängt - wie bereits von jemandem vor mir erwähnt - davon ab, ob es Substitute (also gleichwertige Meds mit ähnlicher Wirkung) am Markt gibt.

Ist die Nachfrage unelastisch (sprich: es gibt KEINE ähnlichen Meds), liegt eine Monopolstellung vor.
Der Monopolist wird aber den Preis nicht unbegrenzt in die Höhe treiben können. Wenn er zu viel verlangt, wird niemand mehr das Medikament kaufen (auch nicht wenn die Nachfrage sehr preisunelastisch ist und man es unbedingt benötigt), weil er es sich schlicht und einfach nicht leisten kann. Die Bank gibt irgendwann keinen Kredit mehr, man ist pleite, was auch immer.

Jetzt gehe ich mal von der Sicht des Monopolisten aus:
ich habe ein Medikament, dessen Entwicklung mich viel gekostet hat. Logischerweise will ich es teuer verkaufen, aber nicht so teuer, dass es niemand mehr kauft. Das Problem lautet also: wie teuer darf ich es verkaufen, damit ich den maximalen Gewinn mache?

Daher muss der optimale Preis und die optimale Menge bestimmt werden, mit denen der Gewinn maximiert wird.

Der Gewinn ist dort am größten, wo die Grenzkosten dem Grenzerlös entsprechen.

Grenzkosten…Die Kosten, um eine weitere Einheit des Medikaments zu produzieren. Entspricht der ersten Ableitung der Kostenfunktion.

Grenzerlös…Den Erlös, der mit dem Verkauf einer zusätzlichen Einheit erzielt wird.

Die Nachfragefunktion entspricht hier dem Durchschnittserlös (Erlös durch die Menge). Das heißt, man muss wieder mit der Menge multiplizieren, um zum Erlös zu gelangen.
Der Grenzerlös ist dann die erste Ableitung daraus.

So, ich hoffe, das war jetzt nicht zu ausführlich :smiley:

Felix,

lesen bildet. Ich habe nirgends geschrieben, dass ein Monopol per se verboten ist. Die Ausnutzung desselben hingegen schon. Hättest Du genau gelesen, wäre Dir aufgefallen, dass 3/4 Deines Sermons überflüssig ist. Ich habe nicht in Deine Vika schauen müssen, um zu wissen, dass Du noch Student bist. Hoch theoretisches gesülze und um zu überdecken, dass Du Deinen Vorredner wiederholst.

Macht nix, früh krümmt sich was ein Häkchen werden will.

So long
C.

Hi,

ich versuche jetzt einmal logisch zu argumentieren. Diese
Versuch soll davon ablenken, dass mir in dem Bereich genaues
Wissen fehlt.

oh weh, sehen Sie Logik (betrifft die formale Zulässigkeit eines Arguments) ernstlich als Substitut für Kompetenz (betrifft die inhaltliche Richtigkeit) an?

Wenn ein Unternehmen ein Patent hält, erlangt es dadurch ein
[zeitlich befristetes] Monopol. Die Ausnutzung einer
Monopolstellung ist m.W. gesetzlich verboten, d.h. die

Stimmt, das steht z.B. (für den deutschen Markt) in §19 GWB, insbesondere wird in Absatz (4) der Missbrauch definiert; hierzu gehört u.a. das Fordern von Entgelten, die stark von denjenigen abweichen (gemeint ist sicher: nach oben), die sich bei Wettbewerb vermutlich ergebn würden. Problem ist nur, was sich denn bei einem patentgeschützten Medikament als Wettbewerbspreis ergeben würde - das zu bestimmen schafft nicht einmal die…

Monopolkommision würde das Verhalten sanktionieren.

Das gehört nicht zu ihren Aufgaben.

Somit muss zumindest ein „marktnaher“ Preis verlangt werden,
der dazu geeignet ist den Entwicklungsaufwand zuzüglich einer
ordentlichen Marge zu decken.

Richtig, aber hier hat die Logik der Gesetzgeber ein jähes Ende gefunden: Bei funktionierendem Wettbewerb gäbe es ja gerade keine Marge, sondern (im langfristigen Konkurrenzgleichgewicht) Grenzkostenpreise. Entwicklungskosten zu decken und vielleicht sogar noch eine Marge zu verdienen klappt also nur bei imperfektem Wettbewerb - etwa durch einräumen einer Monopolstellung per Patentrecht. Deren Zweck ist es ja gerade, es dem Monopolisten zu ermöglichen, durch höhere Preise (als Grenzkosten) auch die Entwicklungskosten am Markt zurückzuverdienen (und vielleicht eine Marge). Das ist aber gem. § 19 GWB schon ein Missbrauch…wer aber (ausser den Juristen) verlangt schon, dass Gesetze konsistent sind?

Nach auslaufen des Patentes ergibt sich ja dann durch die
Generikahersteller schnell ein neuer Marktpreis.

Und was nützt dieser Hinweis i.H. auf das frühere, evtl. missbräuchliche Verhalten des einstigen Monopolisten?

So wäre es für mich logisch.

wie gesagt, das ist ein formales, kein inhaltliches Kriterium. Aber dazu gibt es gute Grundlagenliteratur.

Zur Ausgangsfrage: Die Furcht vor Missbrauchskontrolle ist vielleicht ein Grund, warum Vertreiber patentgeschützter Medikamente die Preise nicht gegen unendlich treiben, obwohl doch die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten ggf. recht hoch sein dürfte. Die Verfügbarkeit von Substituten ist ein zweiter; hier läßt sich vielleicht noch ergänzen, dass (nicht nur Pharma-)Monopolisten bei Exporten in andere Länder oft andere Preise nehmen (dort verlaufen die Nachfragekurven anders) und ein zu hoher Preis im Inland durch Re-Importe bestrft werden könnte (das beste Subsitut wäre ja das Original).

Aber es kommt noch ein viel simplerer Aspekt hinzu: die Preis-Absatz-Funktion des Monopolisten ist ja nicht nur durch Zahlungsbereitschaft der Konsumenten, sondern auch durch ihre Zahlungsfähigkeit bestimmt (genauer: durch das Minimum). Wenn viele Menschen aber nur recht begrenzte Einkommen haben (ich zähle mich dazu), dann würden sie sich das Medikament bei zu hohem Preis nicht mehr leisten können, obwohl sie es immer noch gerne hätten. Auch für lebensnotwendige und monopolistisch angebotene Medikamente ist die PAF also meist wohl gar nicht so unelastisch wie es der Hinweis auf die unbegrenzte Zahlungsbereitschaft auf den ersten Blick vermuten läßt.

Beste Grüße
scio