Guten Tag,
meine Frage ist: Wenn die deutsche Opel GmbH an einen Investor verkauft würde, wieviel müsste dieser unter Berüdcksichtigung von Vermögen, Schulden und des Markenwerts (good will) ungefähr dafür hinblättern?
Hallo Horst,
kennst Du „Kunst&Krempel“ im bayerischen Fernsehen? Da werden Antiquitäten bewertet. Aber das sind reine Phantasiesummen; denn in unserem System ist alles so viel wert, wie jemand bereit ist dafür zu zahlen UND der andere zu verkaufen. Punkt. Eine blöde Erfahrung, die gerade ältere Hausbesitzer auf dem Lande machen müssen, weil es mit der erhofften, ja geradezu erwarteten Wertsteigerung nichts ist…
Tut mir leid, Deine Frage nicht beantworten zu können.
Gruß,
Andreas
KT weiss sicherlich Rat
Hi,
meine Frage ist: Wenn die deutsche Opel GmbH an einen Investor
verkauft würde, wieviel müsste dieser unter Berüdcksichtigung
von Vermögen, Schulden und des Markenwerts (good will)
ungefähr dafür hinblättern?
Wie Du sicher weisst, gibt es unzählige verfahren der Unternehmensbewertung. Die am weitesten verbreitete ist die Bewertung der zukünftig erwarteten Cash-Flows. Diese zinst man auf den heutigen Tag ab und bekommt so etwas wie einen Erwartungswert. Diesen Wert bezeichnet dann den sog. Enterprise Value (cash and debt free). Dazu zählt man dann das Cash in der Bank und zieht das net debt inkl. Pensionsverbindlichkeiten ab und kommt zu einem Equity Value. Dies ist dann der Betrag der tatsächlich über den Tisch geht. Dieser kann auch gerne mal negativ sein.
Um eine solche Berechnung durchzuführen benötigst Du die vollständige Planung von Opel Deutschland, weitere Umfangreiche Annahmen zu Markt und Wirtschaftsentwicklung und Excel.
Wenn Du es dir einfach machen willst, dann schau Dir vergleichbare Unternehmen die börsennotiert sind, errechne verschiedene Multiples (EbIT, EbITDA falls beide negativ Umsatz) und wende diese auf Opel an (sofern Su die Zahlen hast. Dabei erhälst Du einen Nährungswert. Wenn Du sogar diese nicht hast, hilft alles nichts.
Deiner Position nach zu urteilen, kannst Du aber auch einfach in Wirtschaftsministerium gehen und KTs alte Mitarbeiter fragen, ob sie Dir die Bewertung für Opel geben. Frage nach dem Excel File und schicke ihn mir bitte (notfalls auch leer, nur die Formeln interessieren mich). Es dürfte ca. 5-10 Berwertungen von nvestment Banken für Opel geben.
Gruß
C.
Wär’s im Osten…
meine Frage ist: Wenn die deutsche Opel GmbH an einen Investor verkauft würde, wieviel müsste dieser unter Berüdcksichtigung von Vermögen, Schulden und des Markenwerts (good will) ungefähr dafür hinblättern?
Wäre es im Osten und vor 20 Jahren, würde es für symbolische 50 Cent verscheuert, aber nur an eine Heuschrecke oder einen Konkurrenten, und nicht an die Belegschaft.
(böser Blick auf die Treuhand und so manch geplättetes, durchaus marktfähige Kombinat)
Einfach mal das Hirn anschalten
Hi,
Wäre es im Osten und vor 20 Jahren, würde es für symbolische
50 Cent verscheuert, aber nur an eine Heuschrecke oder einen
Konkurrenten, und nicht an die Belegschaft.
Das ist natürlich völliger Blödsinn. Marktfähige Unternehmen wurden zuhauf von Belegschaften übernommen.
Und wenn Du tatsächlich Ahnung von Heuschrecken und getätigten Transaktionen hättest, wüßtest Du das in der Summe Wert geschaffen wurde und wird. Es ist bloß viel spannender darüber zu berichten, wie einzelne PE Firmen Unternehmen zugrunde finanzoptimiert haben.
Die Lektüre tendenziöser Berichterstattung erspart nicht eigenes Denken.
So long
C.
Na schon klar …
Grüß Dich,
Das war nur polarisiert.
Das ist natürlich völliger Blödsinn. Marktfähige Unternehmen wurden zuhauf von Belegschaften übernommen.
In einigen Fällen war es jedoch auch so gehandhabt, dass Unternehmen für die symbolische Mark von großen Konzernen gekauft wurden und dann kurzerhand dichtgemacht: warum hat man das getan, wenn das Unternehmen eh nicht marktfähig war und man das vorher wußte?
Und warum wurde für 1 Mark an einen solchen Investor verkauft der das Werk schloß, wenn die Belegschaft gerne für mehr als 1 Mark übernommen hätte?
Und wenn Du tatsächlich Ahnung von Heuschrecken und getätigten Transaktionen hättest, wüßtest Du das in der Summe Wert geschaffen wurde und wird.
Natürlich, nur halt leider nicht in einer der Belegschaft sonderlich förderlichen Form. PE’s sind ja nicht dumm. Aber sie teilen halt nicht die Interessen einer ortsansässigen Belegschaft oder einer Bundesregierung.
Es ist bloß viel spannender darüber zu berichten, wie einzelne PE Firmen Unternehmen zugrunde finanzoptimiert haben.
Ehm, reden wir hier von „zugrunde finanzoptimiert“ oder vom bewußten Herauslösen bestehender Firmenwerte, um das Gesamtkapital der PE Gesellschaft zu maximieren, ohne Rücksicht auf die Existenz der gekauften Gesellschaft?
Ersteres ist prinzipiell Dummheit, zweiteres betriebswirtschaftlich gesehen durchaus sinnvoll, aber volkswirtschaftlich gesehen bedenklich.
Eine PE kann nunmal ein Unternehmen sinnvoll „auszuschlachten“, wenn die Kapitalarbeit rentabler ist als die Arbeitsleistung.
Will meinen, würde man das Kapital des Unternehmens zum Finanzmarkt tragen und dort agieren, würde man höhere Rendite ernten als das gleiche Geld in Lohn und Material zur Erwirschaftung von Rendite zu investieren.
Viele Unternehmen „existieren“ trotz hohem Umlaufkapital nur, d.h. jonglieren mit hohen Summen aber produzieren relativ wenig Zugewinn.
Diese sind sehr lohnende Ziele für das Herauslösen des Umlaufkapitals und nachfolgende Stillegung der laufenden Prozesse.
Ich behaupte, Gleiches trifft auch auf Opel zu:
Opel hat ein hohes Umlaufkapital bedingt durch eine kostenträchtige Infrastruktur, aber (wie ja alle wissen) es stimmt unter’m Strich die Rendite nicht mehr, warum GM das Ganze ja überhaupt nur loswerden möchte.
Würde man an einem bestimmten Punkt den Kapitalfluss von Opel umlenken, um die Einnahmen komplett in die Taschen einer PE zu leiten, könnte man in kurzer Zeit jede Menge Geld einstecken und zurück bliebe ein hoch verschuldetes Unternehmen, welches nicht in der Lage wäre, nur noch einen Cent zu erwirtschaften.
Aber die PE würde mit mehr Kapital aus der Sache herauskommen als sie für den Kauf investiert haben.
Und je geringer der Kaufpreis angesetzt wird, desto lohnender wird dieser Prozess.
Das Problem ist halt, wenn der Kaufpreis von Opel durch ein negatives EBITDA und ein nicht mehr vorhandenes Stammkapital gegen 0 geht (was dem Nominalwert des Unternehmens entsprechen würde): Dann kann sich jeder eine goldene Nase am „Ausschlachten“ verdienen.
Die Lektüre tendenziöser Berichterstattung erspart nicht eigenes Denken.
Ebenso!
Gruß,
Michael
Hi,
Das Problem ist halt, wenn der Kaufpreis von Opel durch ein
negatives EBITDA und ein nicht mehr vorhandenes Stammkapital
gegen 0 geht (was dem Nominalwert des Unternehmens entsprechen
würde): Dann kann sich jeder eine goldene Nase am
„Ausschlachten“ verdienen.
Erklär mir doch bitte den Zusammenhang zwischen aktuell negativen EbITDA und Kaufpreis.
Der Rest Deiner Auslassungen ist m.A. nach verschrobene Einzelbetrachtung von Extremfällen.
Ich kenne hunderte von PE Beteiligungen, die mittel- bis langfristig in Unternehmen (vornehmlich Mittelstand) engagiert sind und nachhaltig Wert schaffen. Du siehst nur die wenigen, wenngleich sehr populären Fälle in denen Investmentfirmen über dubiose Sonderdividenden etc. einen extrem hohen Return (die Versprechungen an Investoren waren eine Zeitlang bei 25% Rendite) auf Ihr eingesetztes Kapital (oft >50% FK) erzielen wollten und dabei die Firmen hoffnungslos überschuldet zurückgelassen haben, oder bereits hochverschuldet an einen weiteren Investor verkauft haben, der dann das gleiche Spiel ein weiteres mal versucht hat. Mit den Sonderdividenden wurde dann das teure EK der PEs zurückgezahlt und das billige FK über die Zeit oder beim Weiterverkauf abgelöst.
Diese Einzelfälle haben auch Dank Hr. SuperSozi Müntefering eine ganze seriöse Branche in Verruf gebracht.
Diese Firmen helfen üblicherweise EK schwachen Unternehmen mit Risikokapital Transformationsprozesse verschiedenster Art (Restrukturierung, Anpassung an neue Markterfordernisse, Umstellung der Produktion, Expansion, etc) zu überleben. dabei stellen sie den Unternehmern üblicherweise und wenn gewünscht ihre Expertise in verschiedenen Branchen über Berater (im Regelfall altgediente/pensionierte ehemalige CEOs etc.) zur Verfügung.
Ich kann daran wenig verderbliches finden.
So long
C.