Hallo an Alle,
schon seit längerem suche ich _eine (oder mehrere) zuverlässige Quelle(n), _die mir beim Umgang mit alten Geldmengenangaben einen ungefähren Eindruck der entsprechenden Kaufkraft geben können.
Soll heißen: Wenn ich lese, dass jemand um 1800 in Wien ein Jahresgehalt von 800 Gulden bekommen hat, möchte ich wissen, ob das viel oder wenig ist und was was gekostet hat; beispielsweise weiß ich, dass zu jener Zeit Lebensmittel im Verhältnis zu heute wesentlich teurer, Hauspersonal dafür richtig billig war.
Wer kämpft mit ähnlichen „Übersetzungsproblemen“ und kann mir für den Raum Zürich-München-Wien ein paar nützliche Tipps geben?
Viele Grüße,
Claudia
schon seit längerem suche ich _eine (oder mehrere)
zuverlässige Quelle(n), _die mir beim Umgang mit alten
Geldmengenangaben einen ungefähren Eindruck der entsprechenden
Kaufkraft geben können.
Wenn du dir http://de.wikipedia.org/wiki/Gulden#Der_Gulden_als_R… anschaust, wirst du wohl eine Vorstellung davon bekommen, wie schwer es ist, für eine isolierte Angabe die tatsächliche Kaufkraft ermitteln zu können.
Soll heißen: Wenn ich lese, dass jemand um 1800 in Wien ein
Jahresgehalt von 800 Gulden bekommen hat, möchte ich wissen,
ob das viel oder wenig ist und was was gekostet hat;
beispielsweise weiß ich, dass zu jener Zeit Lebensmittel im
Verhältnis zu heute wesentlich teurer, Hauspersonal dafür
richtig billig war.
Dazu müsste zunächst bekannt sein, ob Konventions- oder Rechnungsgulden vereinbart waren. Für Wien um 1800 dürfte sich die Kaufkraft ermitteln lassen,
Wer kämpft mit ähnlichen „Übersetzungsproblemen“ und kann mir
für den Raum Zürich-München-Wien ein paar
nützliche Tipps geben?
für diesen Raum hingegen wird das kaum möglich sein. Du zählst hier Städte aus drei verschiedenen, sich teilweise (Österreich Bayern) politisch konträr gegenüberstehenden Staaten auf. Und zwischen Bayern und Österreich stand 1800 noch das erzbischöflich regierte Salzburg mit eigener Münzhoheit. in den folgenden Jahren bis zum Wiener Kongress haben sich in dieser Gegend die politischen Grenzen mehrfach verschoben, mit entspr. Folgen für die Währungsstabilität. Zwar dürfte ein um diese Zeit in Wien ausgegebener Gulden durchaus stabil z. B. in Taler oder Franken umzurechnen gewesen sein; das Chaos früherer Zeit mit verschnittenen Münzen oder willkürlich bestimmten Silbergehalten gab es um 1800 nicht mehr. Die tatsächliche Kaufkraft vor Ort aber dürfte sich ständig verschoben haben.
Wenn du also für einen bestimmten Ort für eine bestimmte Zeit die Kaufkraft des Gulden ermitteln willst, wird dir nichts übrigbleiben, als Rechnungen aus der Zeit aufzutreiben oder z. B. literarische Quellen auszuwerten. Immobilienpreise dürften sich hier gut eignen, da derartige Rechnungen oft noch erhalten oder in Literatur und Sekundärliteratur häufig auf solche verwiesen wird. Auch der Vergleich zur Bezahlung anderer Berufsstände dürfte sich eignen, eine Vorstellung über den jeweiligen Wert zu erhalten: Was verdient ein Hauslehrer, was ein Hofrat, welche Einnahmen erzielt ein wohlgenährter Pfaffe aus seinem Sprengel…
HTH
Schorsch
Servus Claudia,
Kaufkraft in der von Dir angesprochenen Zeit heißt (1) Brotpreis, (2) Weizen- und Roggenpreis, (3) Tagelohn eines Knechtes oder (städtisch) Dienstboten.
Zwar in der Regel auf mittel- und nordwestdeutsche Verhältnisse fokussiert, aber mit reichen Quellenangaben zum Weiterlesen auch in Richtung Süden und Südosten und 1800 versehen sind die Veröffentlichungen von Walter Achilles, namentlich „Landwirtschaft in der frühen Neuzeit“ (hört allerdings schon im 18. Jahrhundert auf) und „Deutsche Agrargeschichte im Zeitalter der Reformen und der Industrialisierung“ (fängt erst ca. 1850 an). Achilles hat sich wesentlich mit der Frage der Formulierung von Geldwert in den genannten natural/technischen „Konstanten“ beschäftigt.
Es ist lange her, daß ich ein paar hundert Meter vom Zeitschriftenmagazin der Göttinger UB weg wohnte (alle fanden die Freihandleihe in dem alten Gebäude unmöglich, ich fand sie klasse - hat mich zwei Jahre gekostet): So daß ich Dir von hier aus leider außer Achilles keine gescheiten Namen und Quellen geben kann. Aber ich bin mir ziemlich sicher, daß Du in den genannten Veröffentlichungen auf mindestens warme Spuren kommst - Achilles als ziemlich streitbarer Agrarhistoriker hat sich immer bemüht, möglichst nah an den ursprünglichen Quellen zu arbeiten respektive selber die Kapitulare, Kirchenbücher, Dienstbotenordnungen und Abgabenlisten durchzuackern: So daß allein schon die Quellenanhänge wertvoll sind, egal wie man zu seinen Thesen steht, die teilweise ziemlich originell sind.
Leider nix besseres außer obigem und Daumendrücken hat
MM