wir haben eine alte Inschrift gefunden, wo jemand im Jahr 1909 in Württemberg für 298 Goldmark etwas gekauft hat.
Wie kann ich mir heute vorstellen, wieviel Geld das damals war?
Was kostete im Jahr 1909 z.B. ein Kilo Brot, ein Pferd, eine Kuh, ein kleines Haus, ein ha Ackerland, …?
Oder was verdiente damals ein Arbeiter oder ein Geschäftsführer im Monat?
Oder gibt es andere Beispiele, an denen ich ungefähr ermessen kann, wieviel 300 Goldmark damals wert waren?
Die Goldmark hieß offiziell nur Mark. Aus verschiedenen Quellen geht in den Jahren vor dem 1. Wk ein Stundenlohn für Arbeiter von ca. 50 Pfennig pro Stunde hervor.
In einer Jahrhundertchronik von Westermann fand ich einige Tabellen:
Berlin 1905:
Jahreseinkommen von Beamten:
Oberpräsident 21.000 Mark
Regierungsrat 7.200 Mark
Kanzleisekretär 3.800 Mark,
Stationsvorsteher 4.200 Mark
Lokomotivführer 2.200 Mark
Lebenshaltung 1905
In Pfund (0,5 kg)
Schweinefleisch 0,48 Mark
Rindfleisch 0,45 Mark
Butter 0,72 Mark
Dann komme ich beim Stundenlohn auf den Faktor 30 zu heute, und bei Fleisch auf den Faktor 20 zu heute, bei Gehältern auf einen Faktor von ca. 12-15 zu heute.
Wenn ich dann den Betrag von 300 Goldmark umrechne, so komme ich auf einen Kaufpreis für das damalige Ackerland von ca. 3.600 bis 9.000 EUR (heutige Währung).
Wenn da jetzt kein gravierender Denkfehler drinsteckt, reicht mir das eigentlich so grob.
…und wie war das nochmals mit dem 14-er Wert der Gebäudeversicherung?
bei http://de.wikipedia.org/wiki/Goldmark
auf der Wiki-Seite war ich natürlich auch bei meiner Recherche,
ich habe aber nicht unter 1. Allgemein, sondern unter 3.3 Bewertung nachgelesen … und dort natürlich nichts gefunden.
Hallo Finus,
gerade das Beispiel Ackerboden zeigt, wie unsinnig letzten Endes solche Umrechnungen sind. Der Preis der ‚Ware‘ Ackerboden ist in ganz besonderer Weise an die Nachfrage gebunden, da es sich um kein beliebig vermehrbares Gut handelt. Die Nachfrage wiederum ist von einer Anzahl sehr unterschiedlicher nationaler und lokaler Faktoren abhängig - demographische Bedingungen, handelspolitische Bedingungen, Infrastruktur, Grad der Mechanisierung in der Landwirtschaft, Angebot landwirtschaftlicher Arbeitskräfte usw.
Bedingt durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft (‚Höfesterben‘, etwa 20000(!) Betriebe pro Jahr) haben wir in Deutschland seit den 60er Jahren einen stetigen Verfall der Verkehrswerte landwirtschaftlich nutzbarer Flächen. Derzeit ist der Markt durch ein Überangebot (auch an Pachtflächen) nahezu tot - es sei denn, für öffentliche Bauvorhaben (z.B. Autobahnen, Polder zum Hochwasserschutz) wird regional der Preis in die Höhe getrieben.
Hinzu kommt, dass Ackerland nicht gleich Ackerland ist - genausowenig wie ein Bauplatz an der Frankfurter Zeil mit einem in Bitterfeld vergleichbar ist. Allein die Bodengüte (Ertragsfähigkeit) sorgt schon für ganz erhebliche Differenzen. Einen objektiven Maßstab (zum Zwecke gerechterer Besteuerung) für die Bodengüte gewann man erst durch die (1934 begonnene) Reichsbodenschätzung. Freilich wusste man (d.h. die ansässigen Landwirte) schon vor der Reichsbodenschätzung, wo in der Gemarkung die guten und wo die schlechten Böden lagen. Außerdem spielen natürlich weitere Bedingungen eine Rolle - Kleinklima, Gefälle, Wegeanbindung, Vernässungen usw. - die Bodenpreise waren auch in derselben Gemarkung nie einheitlich.
Dies sind die beiden Hauptgründe, die hier eine ‚Umrechnung‘ praktisch unmöglich machen - zum einen die völlig veränderte Nachfragesituation auf dem Bodenmarkt und zum anderen die große Variabilität der Bodenpreise in Abhängigkeit von lokalen Bedingungen.
das, was Du kritisierst, ist als These gar nicht aufgestellt worden: Es ging nicht um die Feststellung „Was hat ein Morgen Ackerland in Württemberg gekostet?“, sondern offenbar um einen ganz konkreten einzelnen Fall.
Unabhängig davon kann man mit den Ertragsmesszahlen der Reichsbodenschätzung ganz gut Bodenpreise auch über die Jahrhunderte hinweg in Relation zueinander setzen. Bloß die Korrekturfaktoren, die über die Ertragskraft des Bodens hinaus angewendet werden, ändern sich in ihrer Gewichtung über die Jahrhunderte hinweg. So ist z.B. starke Hangneigung bei einer Heuwiese noch in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunders überhaupt kein Nachteil gewesen - im Gegenteil! -. Der Nachteil ist erst mit der Mechanisierung entstanden. Unter anderem sind auch Be- und Entwässerungsmöglichkeiten sind in ihrer Bedeutung über die Zeit weg anders gewesen als heute, leichte und sehr leichte Böden galten zu Zeiten der Pferdewirtschaft viel mehr, weil man schwere nicht geackert kriegte - heute spielt eher das Nährstoff- und Wasserhaltevermögen eine Rolle, die Schwerpunkte haben sich ein bissel verändert - die Liste ließe sich fortsetzen, aber der Unterschied zwischen einem 90er Boden in Hildesheim und einem 40er in Petersbächel ist im Grundsatz über viele Generationen weg geblieben.
Und dass es z.B. sehr schwierig ist, zwischen Fräänse, Derke und Böbig zu verhungern, gilt seit wenigstens tausend Jahren…