Hallo Magi,
ich weiss es auch nicht aus eigener Erfahrung, habe aber im Freundes- und Bekanntenkreis mehrere, die entweder selbst mehrsprachig aufgewachsen sind, oder deren Kinder es jetzt tun.
Ein Bekannter in Deutschland ist Grieche und mit einer Ungarin verheiratet. Ihre Tochter ist gerade in die Grundschule gekommen, und wächst mit Griechisch, Ungarisch und Deutsch auf. Sie war eines der Kinder, die erst spät anfingen zu sprechen, zeigt aber generell keine Besorgnis erregenden Auffälligkeiten, sondern spricht halt mit jedem/r in der entsprechenden Sprache.
Die Schwester einer deutschen Freundin ist mit einem Amerikaner verheiratet und sie haben mit der ältesten Tochter, jetzt auch so 6 oder 7 Jahre alt, erst in den USA, dann in Deutschland gelebt und seit zwei Jahren sind sie wieder zurück nach Amiland. Die Eltern sprechen jeweils die Muttersprache und die Kurze kommt gut mit beiden Sprachen klar, zeigt aber eine gewisse Vorliebe für Englisch, wenn’s ums selber sprechen geht.
Ein Mitarbeiter hier bei uns in der Firma (England) ist 25 Jahre, Sohn englischer Eltern und die ersten 17 Jahre seines Lebens in Südfrankreich aufgewachsen. Er spricht beide Sprachen fließend und akzentfrei, sagt aber, dass er z.B. beim Englischen manchmal immer noch gewisse Mängel im Vokabular hat. Für manche Dinge fallen ihm nur die französischen Bezeichnungen ein, was eigentlich nicht schlimm ist, nur führt es aufgrund seines ansonsten sehr britischen Akzents bei anderen Briten manchmal zu Irritationen.
Ich spreche zwar nicht bilingual, sondern „nur“ zweitsprachig Englisch, aber ich kenne die Reaktion: Manche Leute scheinen zu meinen, man wolle damit angeben, dass man die (jeweils andere) Sprache beherrscht. Blödsinn!
Wenn man sich nur in England und im Englischen z.B. mit dem Thema Kfz-Technik beschäftigt habe, woher soll man die Begriffe der anderen Sprache kennnen? Selbst wenn’s die Muttersprache ist. But anyways …
Ein ca. 40-jähriger Bekannter von mir ist Sohn eines Österreichers und einer Holländerin und erst in Südafrika, dann in Belgien aufgewachsen. Momentan lebt er in Deutschland, ist aber beruflich international unterwegs. Er spricht Englisch, Deutsch, Holländisch, Afrikaans und Französisch. Alles recht gut, aber die Sprache, in der er wirklich Zuhause ist, ist erkennbar Englisch. Sein Deutsch z.B. ist gut und recht fließend, hat aber einen leichten englischen Akzent und seine Auswahl an Begrifflichkeiten ist eingeschränkt(er).
Ich hätte noch ein paar mehr Beispiele an der Hand, aber ich glaube, jetzt reicht’s. Im großen und ganzen kenne ich niemanden, der oder die ein wirkliches Problem mit der eigenen Zwei-/Mehrsprachigkeit hat(te).
Allerdings gibt es noch einen anderen Aspekt außer dem sprachlichen, der eventuell von Interesse ist, wenn man ein Kind international und in verschiedenen Ländern aufwachsen lässt: Es ist ja nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur der Umgebung, in der man aufwächst, die einen prägt. Wenn man in mehreren Ländern aufwächst, kann es geschehen, dass man bei der Frage „Wo gehöre ich eigentlich hin? Wer bin ich? Wo komme ich her?“ etwas ins Schwimmen gerät. Denn man ist ja nicht wie die anderen Kinder, nicht wahr? 
Das muss nicht schlimm sein, allerdings denke ich, dass es vielleicht in dieser Hinsicht helfen könnte, wenn man etwas zusätzliches Verständnis und zusätzliche Unterstützung von den Eltern bekommt, um stabil durch eine mögliche (sic!) Identitätskrise zu gehen.
Schönen Gruß,
Christiane