Wilde katze ans haus gewöhnen? wie?

hallo, vor etwa einem halben jahr hat eine katze ihre ca. 10 tage alten jungen bei mir auf meinem balkon abgelegt und sich nicht mehr um sie gekümmert. eins davon war sehr zutraulich und hat meinen balkon erkundet. ich hab beim tierarzt angerufen und gefragt, was ich machen sollte. er meinte abwarten da die mutter wieder auftauchen würde(mutterinstinkt).so war es dann auch,sie ist nicht bloß aufgetaucht, sondern hat die kleinen auch mitgenommen und wohl in nachbars garten gebracht.
die nachbarin fütterte die katzen anscheinend an, aber ließ sie, wie ich beobachtete nicht ins haus. als ich sah, dass die katzen total krank waren(katzenschnupfen) und öfters auf unserem grunstück waren, sprach ich die nachbarin an und sie sagte, dass sie die katzen zwar füttere, aber keinen cent für den Tierarzt ausgeben würde.
vor etwa einem monat lag dann eines der kleinen tot bei uns in der einfahrt, ich ging zur nachbarin und die zeigte sich wenig überrascht und sagte, dass die andere letzte woche auch gestorben sei. die letzte von den 3 katzen ist vorhin zu mir gekommen mit 2 verklebten augen und triefender nase, sie hat gezittert und suchte meine köperwärme. die katze tut mir so leid und ich wüßte nun gerne, ob es sinn hätte, die aufzunehmen, denn bei mir hätte sie es wohl besser, denn bei den temperaturen kann sie mit der krankheit wohl nicht lange überleben. ich würde sie um tierarzt bringen und dann für sie sorgen. kann man eine katze, die so lange draußen war überhaut an ein katznklo gewöhnen?
dANKE FÜR ANTWORTEN

Hallo,

wenn die Katze bei Dir weiterhin Freigang haben kann, könnte ich mir vorstellen, dass das klappt. Eventuell auch ohne Freigang, wenn Du die Möglichkeit hast, die Katze in einem relativ kleinen Raum abgetrennt ans Katzenklo zu gewöhnen und wenn ihr Freiheitsdrang nicht zu groß ist. Eine große Schmuse- und Schoßkatze wird sie sicherlich nicht.

Selbst wenn Du die Katze nicht aufnimmst, bringe sie bitte zum Tierschutz, damit sie versorgt und vor allem kastriert wird.

Ich finde die Verhaltensweise der Nachbarin nicht sehr durchdacht. Durch die Fütterung ohne tierärztliche Versorgung und Kastration trägt sie nur noch mehr zum Katzenelend bei. Damit ist keinem geholfen. Es wäre besser gewesen, sie hätte gar nichts getan. Noch besser wäre es natürlich gewesen, sie hätte Mutter & Welpen gleich dem Tierschutz übergeben.

Gruß,

Myriam

Hallo Psychobella,
schön, dass es noch Menschen gibt, denen das Schicksal auch von Tieren nicht gleichgültig ist.

  1. Die Idee, die Katze sofort zum Tierarzt zu bringen, ist schon mal richtig. Der wird das Tier gründlich untersuchen und Dir dann eine entsprechende Diagnose und Behandlung für das Tier empfehlen.

  2. Da die Katze Deine Nähe zulässt, kannst Du davon ausgehend, dass es grundsätzlich möglich ist, aus dem Freigänger noch ein richtiges Haustier zu machen. Ob es der Katze letztendlich gefällt, nur in der Wohnung zu sein, kann keiner genau beantworten, da - so wie beim Menschen - jedes Tier einzigartig ist.

  3. Wenn Du Dich auf das längerfristige Wagnis Katze einlässt (die Tiere werden u. U. bis zu 20 Jahre alt), wirst Du die Samtpfote irgendwann nicht mehr missen wollen. Katzen sind zwar sehr autark, aber wenn diese Deine Nähe suchen, dann geben sie sich Dir voll hin mit aller Liebe, zu der ein Vierbeiner fähig ist.

  4. Bei der Umstellung von Hof auf Wohnung ist natürlich zu beachten, dass die Fellnase artgerechte Umgebung mit Kratzbaum und in der ersten Zeit gründlich Beschäftigung benötigt. Nur so wird sie ausreichend abgelenkt und die Schäden, die Mieze anrichten kann, halten sich in Grenzen.

  5. Katzen sind i. a. reinliche Tiere, die instinktiv ihre Stoffwechselendprodukte verbuddeln wollen. Das Katzenklo sollte also nicht die Hürde darstellen. Achtung: Nicht in der Nähe des Futterplatzes aufstellen, das mögen Katzen nicht.
    Aber: Nichts desdo trotz ist sog. Protestpinkeln nicht ausgeschlossen: Katze fühlt sich vernachlässigt, mag Veränderungen/bestimmte Personen nicht usw. Du siehst, eigentlich ist es wie bei Menschen.

  6. Bei Trockenfutter zusätzliche Wassernäpfe z. B. auf dem Fensterbrett deponieren. Die Fellnase nimmt das meist besser an, als wenn der Wassernapf direkt neben um Trockenfutter steht.

  7. Achtung: Unbedingt kastrieren lassen: Ist es ein Kater, kommt es damit nicht zu sehr übelriechenden Überraschungen (Markierung des Reviers), bei Katzendamen wird nicht erwünschter Nachwuchs und die psychisch anstrengende Rolligkeit verhindert.

Als Dosenöffnerin für 3 Samtpfoten darf ich auf 5 gemeinsame Jahre mit den Tigern zurückblicken. Dabei habe ich bei unserem Adoptivkater jedoch die Umgewöhung in der entgegengesetzten Richtung gemacht: Von einem Berliner Wohnungskater zu einem Brandenburger Haus- und Hofpascha. Wobei sich Katerle von einem verschreckten ängstlichen Vierbeiner zu einem wahren Katzen-/Katerschreck für alle die Tiere entwickelt hat, die sein Freigelände kreuzen.

Ich wünsche Euch beiden alles Gute und der Samtpfote schnelle gute Besserung. M.P.

Das mit dem Katzenklo klappt fast von selbst. Katzen verbuddeln am liebsten ihre Hinterlassenschaften, und das klappt am besten in Blumentöpfen oder halt auf dem Klo. Man muss ihnen zeigen, wo das Klo steht, wenn sie eindeutig auf der Suche nach einer Stelle sind (Katze scharrt hier, schnuppert, scharrt dort, schnuppert) und man muss eindeutig klar machen, dass man mit dem Geschäft im Blumentopf nicht einverstanden ist (oder die Sache mit großen Steinen oder vielen Zweigen oder einer simplen luftdurchlässigen Abeckung unattraktiv machen).

Ich habe eine halbjährige Streunerin aufgenommen und neulich haben wir auch einen 4-monatigen Zwerg aufgepäppelt, und es hat bei beiden problemlos geklappt. Heute war der Zwerg sogar noch mal zu Besuch (wir haben ihn abgegeben, weil wir schon zwei Katzen haben und das uns reichte), und sein erster Gang war der zum Katzenklo, er wusste noch ganz genau, wo das steht, obwohl es schon vier Wochen her ist.

Du tust dem Tier einen Gefallen, wenn du es aufnimmst, und es wird dir sicher dankbar sein. Bei dir ist es warm und es gibt sicher regelmäßig Futter. Da nimmt auch die Katze die leidigen Tierarztbesuche in Kauf. Und wenn das Muttertier problemlos auf deinen Balkon kam, dürfte späterer Freigang möglich sein. Dann sollte allerdings die Nachbarin nicht mehr füttern.

Bis denne
Schnoof