Hallo,
ich kann nur vermuten, dass Du in einer Gegend lebst, wo es aus irgendeinem Grunde ganz anders ist als im Rest des Landes. Euer Tierheim scheint dann auch noch besonders „kritisch“ zu sein, nimmt eine relativ hohe Vermittlungsgebühr und vermittelt nicht an Höfe? Diese Kombination führt dann zur erhöhten Nachfrage bei Dir.
wenn es denn einen so großen Produktionsüberschuß gäbe, warum
habe ich (und andere auch) dann für 3 inserierte Welpen
innerhalb 2 Tagen 10 Anfragen?
Im Rest des Landes sitzen nämlich zigtausende Katzen im Tierheim, ein Großteil davon je nach Saison Katzenwelpen. Diese Zahl setzt sich zusammen aus eingefangenen verwilderten Katzen und deren Nachwuchs, unerwünschtem (oder unvermittelbarem) Nachwuchs von Leuten mit unkastrierten Katzen und Abgabetieren. Wenn ich für das Tierheim, bei dem ich die Webseite betreue, eine Anzeige mit einem Wurf Katzenwelpen schalte, kommen auch reichlich Anfragen. Trotzdem werden nie alle vermittelt, es sind einfach zu viele.
Ich erlaube meiner Katze einen Wurf im Jahr. Noch vor 15
Jahren waren bei Rolligkeit 3-4 Kater zur Brautwerbung da.
Jetzt schreit sie einige Tage ohne daß einer kommt und
beschließt dann einen zu suchen.
Das höre ich gern.
Realität ist, daß die vermehrungsfähigen Katzen/Kater extrem
abgenommen haben. Ein Grund warum kaum „normale“ Katzen
inseriert werden.
Auch das finde ich positiv.
Es werden fast nur noch Rassekatzen angeboten. Doch die
meisten Leute wollen einfach eine Freigängerkatze und nicht
300 Euro auf dem Sofa, die man nicht rauslassen kann, weil sie
zu schnell mitgenommen werden.
Gibt es zu tausenden im Tierheim, kein Grund welche selbst zu machen. Ich will natürlich nicht Dich für das gesamte Katzenelend in Deutschland verantwortlich machen, aber viele Wenig machen auch ein Viel.
Und es gibt eben nicht so viele Leute, die den halben
Rassekatzenpreis für eine Katze bezahlen, die evtl. nicht
problemlos ist.
Was den Preis angeht, ist das i.d.R. eine Milchmädchenrechnung. Schon oft habe ich gehört, wie jemand einen Katzenwelpen vom Bauernhof geschenkt nahm und dann 150-200 EUR für Impfen, Entwurmen, Parasitenbehandlung gezahlt hat. Da nehme ich doch lieber einen Katzenwelpen aus dem Tierheim. Bei Tieren im Alter von 12-14 Wochen gibt es auch nur ganz selten Verhaltensprobleme.
Und noch was zur Vermittlungsgebühr, weil Du woanders von 30 EUR sprichst: Das Tierheim, von dem ich sprach, liegt in einer ländlichen Gegend. Wenn sie mehr als 20 EUR nehmen, haben sie dort keine Chance, eine Katze zu vermitteln. Das ist aber eher die Ausnahme. Katzenwelpen kosten ca. 40-60 EUR, immer noch wenig, wenn man die Tierarztkosten für die Erstversorgung herausrechnet.
Sollte mit einem Tier wirklich mal etwas „Gewinn“ gemacht werden, so wird dieser dringend für den Unterhalt unvermittelbare Tiere gebraucht, für Tierarztkosten usw. Außerdem haben Tierschutzorganisationen kein Interesse daran, Tiere besonders billig abzugeben. Der Anteil an Rassekatzen im Tierheim ist meiner Ansicht nach nicht nur deshalb so niedrig, weil es weniger davon gibt, sondern auch weil mancher sich bei einer Katze für 500 EUR die Anschaffung schon etwas genauer überlegt als bei einem Schnäppchen.
Warum Euer Tierheim keine Freigänger vermittelt ist mir schleierhaft, ja ich kann es fast nicht glauben. Jedes Tierheim das ich kenne sucht händeringend nach Höfen, um nicht handzahme Katzen dort anzusiedeln.
Gruß,
Myriam