Wilhelm II und dann?

Moin,

gerade vor einigenm tagen hatte ich mit nem norweger die
interessante frage erörtert, wer eigentlich „thronfolger“ des
deutschen kaisers sei.

Niemand.

wer würde eigentlich deutscher kaiser, wenn man
monarchie wieder einführen würde?

Der, den man dann zum Kaiser macht.

und würde es die grundsätzliche möglichkeit dazu geben?

Klar.

Um das mal deutlich zu sagen: Der Adel ist in Deutschland abgeschafft. Niemand hat auch nur den geringsten Anspruch auf andere Behandlung, auch nicht Herr Hohenzollern. Wenn Du fragst, wer auf den Thron käme, implizierst Du einen Anspruch, der immer noch besteht.
Sollte unser Staatswesen so gründlich geändert werden, daß wir wieder einen Monarchen bekommen, kann das irgendjemand sein.

Thorsten

Moin,

Es geht nicht einmal theoretisch. Der unten zitierte Artikel
20 GG legt die Staatsform Republik fest.

Von Republik steht da wenig. Wenn der Monarch mit der Bezeichnung Bundes republik zufrieden ist und der Staat demokratisch bleibt, spricht nichts dagegen.

Aus nämlichen Grund können übrigens auch die Bayern keine
Monarchie - und sei sie parlamentarisch - einführen
(Bundesrecht bricht Landesrecht).

Steht im GG etwas von der bayerischen Staatsform?

Thorsten

lemkisch? goralisch?
jiddisch is klar, romanes auch, aber die beiden?!?

lemkisch ist einer der fünf ruthenischen dialekte und wurde in
galizien gesprochen, also, wenn man’s streng nimmt, nur im
kaiserlichen, nicht im königlichen teil der k.u.k. monarchie.
zu ungarn gehörte aber bis 1918 auch die slowakei, und an
deren nordgrenze liegen einige dörfer, in denen das
„bergpolnische“ goralisch gesprochen wird (bis heute).

also sind das eher polnische dialekte als eigene sprachen oder doch eigenständige sprachen mit slawischen hintergrund oder sogar ganz eigene sprachen?!?

goralisch, ruthenisch, griechisch-orthodox

also sind das eher polnische dialekte als eigene sprachen oder
doch eigenständige sprachen mit slawischen hintergrund oder
sogar ganz eigene sprachen?!?

neinein, goralisch ist sicherlich ein polnischer dialekt, insofern ist die bezeichnung für bergpolnisch missverständlich (das verächtlich als „bergtürkisch“ bezeichnete kurdisch ist ja eine selbstständige sprache).

anders ist es mit ruthenisch: das ist eine ostslawische sprache, eng mit dem ukrainischen verwandt und damit oft verwechselt (die unterschiede reichen aber bis ins alfabet), jedochj mit sehr wenig sprechern. es sind wohl nicht mehr als etwa eine million sprecher/innen, die sich zudem immer auf mehrere territorien verteilt haben.

die gruppe der lemken siedelte in südostpolen und wurde 1948 zum großen teil nach nordwestpolen in die vormals deutschen gebiete umgesiedelt (nur eben das stichwort: aktion weichsel; weil die ruthenen kyrillisch schreiben, gibts etwa bei stettin geschäfte mit kyrillschen inschriften. das sind keine russenshops!).

die bojken siedelten im heute polnisch-ukrainischen grenzgebiet und wurden etwa zur gleichen zeit unter stalin komplett nach sibirien weggeschafft (angebliche zusammenarbeit mit den ukrainischen faschisten, wobei die ukrainischen faschisten eine realität, die angebliche zusammenarbeit mit ihnen eher ein vorwand gewesen sein dürfte, die Grenzregion zu entleeren.

die slowakischen ruthenen haben einen groooooßen sohn: andy warhol, kind eines auswandererehepaars. eine muntere minderheit im alleröstlichsten zipfel der slowakei.

zwei weitere ruthenische gruppen (eine davon heisst hutsulen, die vor allem durch ihre ponys bekannt sind) leben in dem, was mal als karpatho-ukraine bekannt war, im bergland gleich südöstlich der slowakei.

schrift und sprache weisen deutliche unterschiede zum ukrainischen auf, was die zentralisten in kiew gar nicht gerne hören. pikant ist es auch mit der religion: viele der ruthenen sind griechisch-orthodox, haben also nie eine metropolitane gewalt in moskau anerkannt, sondern den papst zum chef. selbst wenn der das nicht so toll findet, denn schliesslich betreiben sie priester-ehe und anerkennen die unbefleckte empfängnis mariae nicht :smile:
ganz schön fortschrittlich? dafür hat sich am ritus seit 1000 jahren nix geändert. große teile der liturgie finden immer noch auf kirchenslawisch statt, was nun wirklich kaum noch jemand versteht. so ähnlich wie bei den römisch.katholischen die hochämter, die bis 1964 (glaubich, jedenfalls bis zum 2. vatikanischen konzil) überall auf lateinisch abgehalten wurden, auch etwa im ruhrgebiet, wo die katholischen arbeiter nun wirlkich kein latein konnten…

jetzt bin ich aber wieder ins monologisieren geraten *brems*
dietmar

pikant ist es auch mit der religion: viele der ruthenen
sind griechisch-orthodox, haben also nie eine metropolitane
gewalt in moskau anerkannt, sondern den papst zum chef.

Die Griechisch-Orthodoxen erkennen den Papst auch nicht an. Sonst hießen sie ja auch nicht orthodox. Du meinst die (mit Rom) unierten Kirchen, die Gottesdienst im orthodoxen Ritus feiern, aber den Papst anerkennen. Für die übrige orthodoxe Christenheit ist es „nur“ der Bischof von Rom.

Andreas

halthalt, flüchtigkeitsfehler, dabei ist es erst vier jahre her, dass ich den papst mit den ganzen „griechen“ in der ostslowakei habe die messe feiern sehen. natürlich waren es nicht griechisch-orthodoxe christen, sondern die sich dort so nennenden graeco-katholiken! die sind uniert, allerdings wird die bezeichnung vor ort nicht verwendet.
dietmar

e::stuck_out_tongue:ikant ist es auch mit der religion: viele der ruthenen

sind griechisch-orthodox, haben also nie eine metropolitane
gewalt in moskau anerkannt, sondern den papst zum chef.

Die Griechisch-Orthodoxen erkennen den Papst auch nicht an.
Sonst hießen sie ja auch nicht orthodox. Du meinst die (mit
Rom) unierten Kirchen, die Gottesdienst im orthodoxen Ritus
feiern, aber den Papst anerkennen. Für die übrige orthodoxe
Christenheit ist es „nur“ der Bischof von Rom.

meine güte
gibt es auch etwas, dass du nicht weisst?
*staun*
danke für die infos!

viel zu viel…
im ernst: ich habe vier Jahre in der region gelebt und war ein bitzeli neugierig!
dietmar