wer „Herr der Fliegen“ gelesen hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass der Roman viele Ungereimtheiten enthält.
Beispiel: Der Junge mit dem Fleck im Gesicht wird auf einmal nicht mehr gefunden, als die Jungs die Insel in Brand gesteckt haben. Die Sekundärliteratur meint dazu, er sei womöglich in den Flammen umgekommen. Aber so richtig weiß man das doch nicht, oder?? Jedenfalls wird dies nie wieder erwähnt.
Ebenso verhält es sich mit dem Fallschirmspringer. Plötzlich kommt er einfach und landet auf der Insel. Aber es wird nie erwähnt, woher er kam und was dann mit ihm passierte.
Häh???
Weiß jemand darüber mehr? Was hat Golding mit diesen Ungereimtheiten bezweckt, oder bin ich einfach nur zu beschränkt, um den Roman wirklich zu kapieren?
Hallo Anna,
das, was Du als ‚Ungereimtheiten‘ empfindest, rührt vielleicht daher, dass es sich bei diesem Roman nicht einfach um eine Abenteuerstory handelt, sondern um eine Studie über das Böse (‚Herr der Fliegen‘ = Baal-zebub).
Nun - der Junge ist einfach schnell vergessen. Die Erinnerung an den Vermissten wird verdrängt, weil sie Unbehagen verbreitet, an die eigene Verletzlichkeit rührt. Das Ungeklärte des Verschwindens jedoch verstärkt das Empfinden einer anonymen Bedrohung. Man nimmt seine Abwesenheit ohne großes Lamento zur Kenntnis, man spricht nicht nicht darüber - ein bißchen Schwund ist immer … Zeichen fortschreitender Gefühlsarmut und Verrohung.
Der Fallschirmspringer ist ein ‚Einbruch der Außenwelt‘. Wenn man den ‚Lord of the Flies‘ als Parabel auffasst, dann ist dies der ‚Scheitelpunkt‘ der Parabel (und damit eines der wichtigsten Motive des Romans). Der Krieg der Kinder auf der Insel ist ein Abbild des (angedeuteten) Krieges in der Welt der Erwachsenen. Der Fallschirmspringer ist der entsprechende Wink mit dem Zaunpfahl - für meinen Geschmack eigentlich ein bißchen dick aufgetragen …
auf deine frage haben dir andere schon beantwortet. mein erster gedanke war „da hat mal wieder ein lektor gekürzt, ohne den roman gelesen zu haben!“. das passiert nämlich. und zwar gar nicht mal so selten.
…oder bin ich einfach nur zu
beschränkt, um den Roman wirklich zu kapieren?
… fragt sich so manches mal der geneigte leser und der autor wundert sich. bis er die losen enden um die rausgekürzten passagen im text entdeckt.