Windisch

Hallo,

immer wieder mal lese ich, im Zusammenhang mit einem anderen Wort, zuweilen sogar zusammengeschrieben, den Ausdruck „windisch…“. Was heißt das eigentlich? Mit „Wind“ kann es ja kaum was zu tun haben, wenn es z.B. bei einem persönlichen Namen steht?

Danke Antal

Hallo Antal,

„Windisch“ ist meines Wissens sowohl ein Eigenname für
Ort(e) im Alpenraum, als auch ein Familienname. Es
gibt z.B. Windisch Bleiberg (traurig berühmt als
Konzentrationslager, Aussenstelle von Mauthausen)
und einen Ernst Windisch (Philologe).
Im Fall des Ortes Windisch in der Schweiz leitet sich
der Name von vindonissa ab. Was das wiederum bedeutet,
konnte ich auf die Schnelle leider nicht herausfinden.
Vielleicht hat es mit den Vindelikern zu tun, siehe
Augusta Vindobonum für Augsburg.
Vielleicht hilft es Dir trotzdem

viele Grüße
Angelika

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Hallo!

Du meinst wahrscheinlich die Fürsten Windischgrätz!
Ein altes steiermärkisches Dynastengeschlecht, 1804 in den Reichsfürstenstand erhoben.

Sie stammen ab von Ulrich I, Markgraf von Istrien, Graf von Weimar-Orlamünde. gest. 1070.

Dann :
Erasmus, Reichsfreiherr zu Waldstein und im Thal 1551.
Pancraz, Reichsfreiherr zu Waldstein und im Tahl 1551.

Usw, usw.

Dann gibt es noch Windisch-Matrei, eine Ortschaft in Osttirol.

Dann Windisch-Feistritz, eine Stadt.

Dann Windische Mark, der von Winden bewohnte Landstrich zwischen Gurk, Kulpa und Save in Krain.

Dann Windische Sprache, eine slowenische Sprache.

Gruß Max

Hallo, Antal,

die beiden Vorredner haben fast alles Nötige gesagt.

In der Schweiz ist Windisch von dem lateinischen Stadtnamen abgeleitet.

Im Osten Deutschlands und auch in Österreich und unter deutschsprachigen Bewohnern der Tschechoslowkei wird
„Winden“, das meist in der Form „Wenden“ auftritt, als Sammelname für die slawische Bevolkerung verwendet: es sind dann damit je nach dem Slowenen, Slowaken oder Sorben gemeint.

Im speziellen Sinn war Wenden ein anderer Namen für die Sorben, die heute noch in der Gegend um Bautzen eine respektabele slawische Minderheit darstellen.

So hießen zum Beispiel die Polen auch „Laken“; daher der - heute meist despektierlich gedeutete - Name: Polaken.

Gruß Fritz

Im speziellen Sinn war Wenden ein anderer Namen für die
Sorben, die heute noch in der Gegend um Bautzen eine
respektabele slawische Minderheit darstellen.

Hallo Fritz,

soviel ich weiß, unterscheidet sich die sorbische Bevölkerung selbst noch einmal in Sorben und andere Wenden, da scheint es noch feine Unterscheidungen zu geben, wohl auch in der Sprache(aber ich kann es nicht unterlegen).

In jedem Fall wurde früher zu allen slawischen Bevölkerungsgruppen Wenden gesagt, die Sorben sind aber nur ein Teil oder Stamm davon, heute ist das noch in Ortsbezeichnungen dokumentiert, hier in Sachsen und wohl auch Süddeutschland z.B. mit ‚Windisch-Leuba‘, in Brandenburg oder Mecklenburg z.B. mit ‚Wendisch-Rambow‘.
Der östlich der Elbe liegende Teil Deutschlands war ja bis ins 11 Jhdt. slawisch besiedelt und bis ins 16 Jhdt. existierten noch rein slawische Siedlungen.

Gruß Heike

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