hey folks!
ich weiss nicht ob das hier hingehört aber ich hab beim googln net so viel gefunden!
fakt ist, ich leide auch derbst unter depressionen( im winter verstärkt aber auch übers jahr verteilt) !das nervt und ich hab da keinen bock mehr drauf!Leider bin ich da etwas vor belastet da meine mom sich als ich 6 mon. alt war das leben genommen hat- weil sie schwerst depressiv war!jetzt meine frage-ist sowas erblich bedingt?kann ich mich überhaupt dagegen wehren?
es gibt ja ärzte und psychologen die das durchaus als krankheit bezeichnen und - ich will es nicht mit soetwas schlimmen wie brustkrebs vergleichen- aber soetwas wie krebs oder die veranlagung soll ja auch erblich bedingt sein!??
wie auch immer, ich google mal weiter und ich wäre echt dankbar, wenn ihr mir hier ein oder zwei anregungen geben könntet!
danke!
steve
Hi Steve,
klar bist Du hier richtig. Bei Deinem Problem wird es sich aber eher nicht um eine Winterdepression handeln, weil bei Dir die gedrückte Stimmung nicht in einem relativ umgrenzten Zeitraum auftritt, sondern über das Jahr verteilt. Wie Du schreibst, war Deine Mutter schwer depressiv und ist an dieser Krankheit gestorben. Daran kann man zwei Dinge erkennen: Zum einen ist die Depression eine ernstzunehmende und nicht selten tödliche verlaufende Krankheit. Schließlich sterben 10-15% der Betroffenen an ihr. Zum anderen kann die Depression einen erblichen Hintergrund haben. Zwar trifft dies nicht auf alle Formen der Depression zu, aber es gibt eine bestimmte Form der Depression, bei der es relativ sicher ist, daß sie neurobiologisch und genetisch bedingt ist. Diese Form der Depression wurde früher als endogene Depression bezeichnet und trägt heute den Namen Melancholie oder somatisches Syndrom.
Als Melancholie bezeichnet man eine Depression dann, wenn die Betroffenen unter folgendem leiden:
- Verlust von Freude an allen oder fast allen Aktivitäten;
- fehlende Aufhellbarkeit auf normalerweise angenehme Außenreize, d.h. der Betroffene fühlt sich auch nicht vorübergehend besser, wenn sie sich etwas Erfreuliches ereignet;
- besondere Qualität der depressiven Verstimmung, d.h. sie wird als deutlich verschieden von der Trauer über den Verlust einer geliebten Person empfunden;
- Morgentief, d.h. besonders am Morgen ist die Belastung am stärksten;
- Früherwachen (mindestens 2 Stunden vor der gewohnten Aufwachzeit);
- deutliche psychomotorische Hemmung (langsames Sprechen, langsame Bewegungen, verzögerte Reaktionen, was bis zu völliger Bewegungslosigkeit (Stupor) oder Unfähigkeit zu sprechen (Mutismus) gehen kann) oder aber auf der anderen Seite starke Erregung;
- deutliche Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust;
- übermäßige oder unangenehme Schuldgefühle.
Wenn der Mediziner / Psychologe eine Reihe (es müssen nicht alle sein) dieser Symptome feststellt (man braucht mehr als diese Liste dazu), dann spricht er von einer Melancholie und dann ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Depression eine neurobiologische und genetische Ursache hat, ziemlich hoch. Das bedeutet in der Konsequenz für den Betroffenen, daß eine medikamentöse Therapie mit einem Antidepressivum angezeigt ist und auch relativ sicher damit erfolgreich behandelt werden kann. Zusätzlich sollte jedoch auch eine Psychotherapie durchgeführt werden, weil sich in der Depression häufig bestimmte Verhaltensweisen entwickeln, die nach der Depression bestehen bleiben, wenn diese nur medikamentös behandelt wurde. Ausgesprochen erfolgreich bei vielen depressiven Patienten haben sich die Kognitive Therapie nach Beck oder die Interpersonale Therapie nach Klerman und Weissman erwiesen. Bei beiden Therapieformen kann der Patient selbst und erfolgreich etwas gegen seine Depression tun.
Die Interpersonale Therapie ist Behandlungsangebot in der Universitätsnervenklinik Kiel. Zur Behandlung von Depressionen und spezielle Informationen zu dieser Therapieart gibt es unter folgenden Links:
http://www.uni-kiel.de/psychiatry/klinik/ag/de/depre…
http://www.uni-kiel.de/psychiatry/wirueberuns/patien…
Wenn Du überzeugt davon bist, daß Du unter einer Depression leidest (ich weiß ja nicht, ob ein Arzt eine solche bei Dir schon festgestellt hat), dann würde ich Dir empfehlen, einen Psychiater zwecks evtl. notwendiger medikamentöser Behandlung aufzusuchen (Du kannst Dich von Deinem Hausarzt überweisen lassen) und bei einem Psychotherapeuten eine Therapie zu beginnen. Es bestehen gute Chancen, eine Depression erfolgreich zu behandeln, besonders wenn frühzeitig mit beiden Therapien begonnen wurde.
Viele weitere Informationen zum Thema „Depression“ findest Du auf den Seiten von Dr. med. Karl Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse:
http://www.fortunecity.de/wolkenkratzer/orbit/823/de…
Viel Erfolg beim Kampf
Gruß,
Oliver Walter
hey Oli, (ich hoffe ich darf dich so nennen)
vielen vielen dank für den sehr hilfreichen artikel und die links!das gilt natürlich auch für „local“ das bringt mich schon einiges weiter!
„frohe“ X-mas euch allen!
steve
Diese Form der
Depression wurde früher als endogene Depression
bezeichnet und trägt heute den Namen Melancholie oder
somatisches Syndrom.
hi oliver,
ist die bezeichnung „melancholie“ nicht dem 19.jhdt. zuzuordnen?
ich kenne es genau umgekehrt: daß nämlich heute der begriff „endogene
depression“ verwendet wird.
„melancholie“ ist meines wissens nach kein medizinischer begriff.
oder wie?
gruß,
frank
ist die bezeichnung „melancholie“ nicht dem 19.jhdt.
zuzuordnen?
Hallo, Frank,
schon die ollen Griechen kannten die „Schwarzgalligkeit“!
Es kommt schon mal vor, dass ein neuer Wein in alte Schläuche gefüllt wird (obwohl man’s nicht tun soll) - bzw. ein alter Begriff mit neuer Bedeutung hinterlegt wird.
Ist doch viel wirkungsvoller, wenn man von sich behaupten kann, man habe eine „Winterdepression“, statt schlicht festzustellen, dass einem die Dunkelheit, das schlechte Wetter und die Kälte auf den Sack geht.
An einem schicken lateinisch/griechischen Be-Griff kann man sich doch viel besser festhalten 
Grüße (der Jahreszeit entsprechend)
Eckard.
Hi Frank,
zusätzlich zu dem, was Eckard schrieb, empfehle ich Dir das DSM-IV zu kaufen oder ein aktuelles (!) Lehrbuch der Psychiatrie zu kaufen. Dann kannst Du Dich von der Richtigkeit meiner Aussagen selbst überzeugen.
Gruß,
O.W.